Die Seel­sor­ge liegt ihm am Her­zen

BZ Langenthaler Tagblatt - - Region -

Gleich zwei neue Pfar­rer hat die Kirch­ge­mein­de die­sen Som­mer an­ge­stellt. Ei­ner da­von ist Chris­ti­an We­ber. Er hat ei­ne aus­ser­ge­wöhn­li­che Lauf­bahn hin­ter sich.

Chris­ti­an We­bers ge­räu­mi­ges Bü­ro ist spär­lich, aber ge­müt­lich ein­ge­rich­tet. Erst kürz­lich ist er im gros­sen Pfarr­haus in Aarwangen ein­ge­zo­gen. Vor drei Jah­ren liess er sich schei­den, nun ver­sucht er die 600 Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che al­lei­ne mit Le­ben zu fül­len. Seit Au­gust be­treut Pfar­rer We­ber in Aarwangen den Pfarr­kreis-Süd. Es ist sei­ne ers­te 100-Pro­zent-Pfarr­stel­le. «Ich hat­te bis­her im­mer meh­re­re An­stel­lun­gen gleich­zei­tig.» Be­wusst ha­be er von der Frag­men­tie­rung weg­kom­men wol­len.

We­bers Wer­de­gang bis zu sei­ner Ent­schei­dung, Theo­lo­gie zu stu­die­ren, ist schnell er­zählt. Nach ei­ner Dro­gis­ten­leh­re und ei­ner zu­sätz­lich zwei­jäh­ri­gen Aus­bil­dung zum Meis­ter er­hielt er den Ti­tel des eid­ge­nös­sisch di­plo­mier­ten Dro­gis­ten. Nach ei­ni­ger Zeit als Ge­schäfts­füh­rer wech­sel­te er den Be­ruf: Er wur­de Ärz­te­be­ra­ter ei­nes gros­sen Phar­ma­un­ter­neh­mens.

«Schon bald wur­de mir be­wusst, dass mich die­se Tä­tig­keit nicht aus­fül­len kann», sagt er. Die Fra­ge nach Gott und dem Da­sein be­gan­nen zu in­ter­es­sie­ren – und zwar bren­nend. Er ent­sag­te sei­ner be­ruf­lich viel­ver­spre­chen­den Lauf­bahn und be­gann, an der Uni­ver­si­tät Bern Theo­lo­gie zu stu­die­ren. Be­reits wäh­rend sei­ner prak­ti­schen Aus­bil­dung zum Pfar­rer, dem Vi­ka­ri­at, wid­me­te er sich der seel­sor­ge­ri­schen Tä­tig­keit und bil­de­te sich in sys­te­mi­scher The­ra­pie und Be­ra­tung wei­ter.

Er war ein­fach für sie da

Chris­ti­an We­ber ist ein Mann, der auf­merk­sam zu­hört und sei­ne Ant­wor­ten mit Be­dacht wählt. Wie sehr ihm die Seel­sor­ge wirk­lich am Her­zen liegt, zeigt auch sei­ne mitt­ler­wei­le 12-jäh­ri­ge theo­lo­gi­sche Lauf­bahn. Sei­ne ers­te Pfarr­stel­le über­nahm er im Al­ter von 38 Jah­ren in Ober­wil im Simm­en­tal. 5 Jah­re spä­ter wech­sel­te er nach Kehr­satz.

Wäh­rend die­ser Zeit ar­bei­te­te der heu­te 50-jäh­ri­ge Pfar­rer als Seel­sor­ger im Spi­tal Zweis­im­men und spä­ter auch im Spi­tal in Thun: «In den Spi­tä­lern war ich vor al­lem für die­je­ni­gen Pa­ti­en­ten da, die wäh­rend ih­res Kran­ken­haus­auf­ent­hal­tes kaum Be­such er­hiel­ten, gros­sen Re­de­be­darf hat­ten, ei­ne Kri­se durch­leb­ten.» Oder er ha­be An­ge­hö­ri­ge nach ei­nem To­des­fall be­treut, fasst We­ber die 10 Jah­re als Spi­tal­seel­sor­ger zu­sam­men. Aber nicht nur als Spi­tal-, son­dern auch als Ge­fan­ge­nen­seel­sor­ger war er tä­tig, und zwar im Ju­gend­heim Prê­les. «Ich ver­such­te, das Ver­trau­en der Ju­gend­li­chen beim Bil­lard und Tisch­fuss­ball zu ge­win­nen», sagt Chris­ti­an We­ber über ei­ne nicht ein­fa­che Zeit. Tie­fer ge­hen­de Ge­sprä­che ha­be er da­bei aber nur sel­ten füh­ren kön­nen. Zu gross sei die Grup­pen­dy­na­mik, bei der die Ju­gend­li­chen cool sein müs­sen, ge­we­sen. Ihm ge­öff­net hät­ten sie sich vor al­lem, wenn sie in Ein­zel­haft wa­ren. Ge­hol­fen ha­be ihm da­nach je­weils der lan­ge, über ein­stün­di­ge Heim­weg da­für, die teils schlim­men Schick­sa­le ver­ar­bei­ten zu kön­nen.

Schlim­me Schick­sa­le

Ei­ne wei­te­re Tä­tig­keit We­bers war die Ar­mee­seel­sor­ge. Er be­treu­te jun­ge Män­ner wäh­rend der Re­kru­ten­schu­le und Ar­mee­mit­glie­der wäh­rend der Wie­der­ho­lungs­kur­se. Die aber wohl hef­tigs­ten Er­leb­nis­se hat­te Chris­ti­an We­ber wäh­rend sei­ner Zeit als Ca­re­pro­fi im Ca­re­team Bern. Wäh­rend ei­ner Wo­che pro Jahr tat er dort Di­enst. Die spe­zi­el­le Her­aus­for­de­rung be­stand dar­in, Men­schen nach ei­nem aus­ser­or­dent­li­chen Er­eig­nis oder ei­ner per­sön­li­chen Ka­ta­stro­phe nach den Re­geln der psy­cho­lo­gi­schen Not­hil­fe zu be­treu­en. We­ber setz­ten die teils schwie­ri­gen bio­gra­fi­schen Hin­ter­grün­de der Be­trof­fe­nen zu.

Dass er nun in sei­ner ers­ten Voll­zeit­an­stel­lung noch im­mer seel­sor­ge­risch tä­tig sein kann, ist Chris­ti­an We­ber sehr wich­tig. Kraft schöpft der lei­den­schaft­li­che Töff­fah­rer in sei­ner Frei­zeit beim Gleit­schirm­flie­gen und beim Ka­ra­te. Ma­ri­on Hei­ni­ger

Fo­to: Tho­mas Pe­ter

Ein auf­merk­sa­mer Zu­hö­rer: Chris­ti­an We­ber in der Kir­che Aarwangen, sei­ner neu­en Wir­kungs­stät­te.

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