Ver­zwei­felt ge­sucht: Mann

BZ Langenthaler Tagblatt - - Schweiz -

Nach der Ab­sa­ge der Stän­de­rä­te Schmid und No­ser ge­hen der FDP die Ge­gen­kan­di­da­ten aus.

Am Frei­tag ver­liert die FDP ih­re Kan­di­da­ten im St­un­den­takt. 9.03 Uhr: Rue­di No­ser (ZH) teilt über Twit­ter mit, er ste­he als Bun­des­rats­kan­di­dat nicht zur Ver­fü­gung. 10.15 Uhr: Mar­tin Schmid (GR) er­klärt sei­nen Ver­zicht. Mit der Ab­sa­ge der bei­den Stän­de­rä­te ge­hen der FDP lang­sam, aber si­cher die Kan­di­da­ten aus, die ge­gen Top­fa­vo­ri­tin Ka­rin Kel­lerSut­ter we­nigs­tens den Hauch ei­ner Chan­ce ha­ben könn­ten.

Im­mer lau­ter wird dar­um der Ruf nach ei­ner Ei­n­er­kan­di­da­tur. SVP-Stän­de­rat Han­nes Ger­mann ruft die FDP auf, die Kan­di­da­ten­su­che ab­zu­bla­sen und dem Par­la­ment Kel­ler-Sut­ter so­lo vor­zu­schla­gen. Die St. Gal­le­rin sei die «per­fek­te Bun­des­rats­kan­di­da­tin», schwärmt auch FDP-Na­tio­nal­rat Mat­thi­as Jaus­lin (AG) in den Blät­tern des neu­en CH-Me­dia-Zei­tungs­ver­bunds. «Ne­ben ihr je­man­den auf­zu­stel­len, ist ei­ne rei­ne Ali­bi­übung.»

Bricht die FDP ihr Dog­ma?

Für die FDP ist die Auf­for­de­rung ver­füh­re­risch: Kel­ler-Sut­ter no­mi­nie­ren, Wahl­zet­tel aus­tei­len, aus­zäh­len – und schon ist das frei­sin­ni­ge Bun­des­rä­tin­nenT­rau­ma end­lich über­wun­den. Doch auf den zwei­ten Blick ist die La­ge heik­ler.

Pro­blem Num­mer 1: Die FDP sel­ber hat von den an­de­ren Par­tei­en in den letz­ten Jah­ren bei je­der Bun­des­rats­va­kanz ei­ne Aus­wahl ver­langt. Pro­blem Num­mer 2: Ei­n­er­kan­di­da­tu­ren sind nicht un­ge­fähr­lich. «Wenn ei­ne Par­tei dem Par­la­ment kei­ne Aus­wahl bie­tet, steigt die Ge­fahr, dass die an­de­ren Par­tei­en ir­gend­wel­che Spie­le mit Spreng­kan­di­da­ten ver­an­stal­ten», sagt Stän­de­rat Joa­chim Eder (ZG).

Eders War­nung wird durch die Ge­schich­te be­stä­tigt. Bis in die 90er-Jah­re war es üb­lich, dass die Par­tei­en der Bun­des­ver­samm­lung je­weils nur ei­ne Kan­di­da­tur un­ter­brei­te­ten. Da­für wur­den oft wil­de Kan­di­da­ten ge­wählt – man er­in­ne­re sich et­wa an Wil­li Ritschard, Ot­to Stich ( bei­de SP), Hans Hür­li­mann (CVP) oder Ge­or­ges-An­dré Che­val­laz (FDP). Seit­dem die Par­tei­en auf Mehr­fach­ti­ckets um­ge­stellt ha­ben, gibt es kaum noch er­folg­rei­che Spreng­kan­di­da­tu­ren.

Im­mer lau­ter wird dar­um der Ruf nach ei­ner Ei­n­er­kan­di­da­tur.

Stän­de­rat Andrea Ca­ro­ni (AR) ist denn auch der Mei­nung, dass die FDP ei­ne Aus­wahl bie­ten soll­te – «so­fern sich über­haupt meh­re­re Kan­di­da­ten be­wer­ben und auch wenn bei die­ser Wahl so ziem­lich al­les auf ei­ne Per­son zeigt». Da­mit bringt Ca­ro­ni das Di­lem­ma auf den Punkt: Fin­det die FDP über­haupt je­man­den, der es wagt, ge­gen Kel­ler-Sut­ter an­zu­tre­ten?

Vor­tritt für die Frau

An In­ter­es­sen­ten wür­de es nicht man­geln, vor al­lem un­ter den Män­nern. So hält Mar­tin Schmid in sei­nem Ab­sa­ge­schrei­ben fest, dass ihn das Amt «sehr rei­zen wür­de». Und dass er da­für das nö­ti­ge Rüst­zeug mit­brin­gen wür­de. Schmid war auch je­ner Pa­pa­bi­le, den Kel­ler-Sut­ter am meis­ten fürch­ten muss­te. Dem rech­ten FDP-Flü­gel zu­ge­rech­net, hät­te er mit Stim­men aus der SVP, von kon­ser­va­ti­ven CVP­lern und Ver­tre­tern des Berg­ge­biets rech­nen kön­nen.

Doch jetzt beugt sich Schmid dem Gen­der-Druck: Er wol­le «dem weit ver­brei­te­ten Wunsch, dass jetzt ei­ne frei­sin­ni­ge Frau im Bun­des­rat nach­fol­gen soll, nicht im We­ge ste­hen». Auch No­ser be­grün­det sei­nen Ver­zicht so: «Die Zeit ist jetzt reif für die zwei­te FDP-Bun­des­rä­tin.»

Da­mit sind nur noch drei FDPMän­ner üb­rig ge­blie­ben, die mit ei­ner Kan­di­da­tur flir­ten: Stän­de­rat Hans Wi­cki (NW), Re­gie­rungs­rat Chris­ti­an Ams­ler (SH) und Na­tio­nal­rat Hans-Pe­ter Port­mann (ZH). Am meis­ten Stim­men­po­ten­zi­al hät­te Wi­cki, der Exe­ku­ti­ve­r­fah­rung aus Kan­ton und Pri­vat­wirt­schaft mit­bringt. Zu­dem kommt er aus der Zen­tral­schweiz, die schon lan­ge nicht mehr im Bun­des­rat ver­tre­ten war. Eben­falls im Ge­spräch als mög­li­che Zweit­kan­di­da­tin hält sich Na­tio­nal­rä­tin Re­gi­ne Sau­ter (ZH).

Wie bei Leuthard?

Mög­lich ist aber auch, dass am En­de al­le mög­li­chen Ge­gen­kan­di­da­ten vor Kel­ler-Sut­ter ka­pi­tu­lie­ren. So wie 2006, als die CVP nie­man­den fand, der sich ge­trau­te, Do­ris Leuthard her­aus­zu­for­dern – we­der ei­ne Frau und schon gar kei­nen Mann.

Mar­kus Häf­li­ger

Fo­to: Lu­kas Leh­mann (Keysto­ne)

Für ein­mal ste­hen die FDP-Män­ner hin­ten­an: Mar­tin Schmid (Mit­te) und Rue­di No­ser (rechts) im Stän­de­rat.

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