Bern gibt we­nig, Bern nimmt we­nig

BZ Langenthaler Tagblatt - - Sport -

Beim 3:0-Er­folg über Zug zeigt sich der SC Bern hin­ten sta­bil und vor­ne ver­schwen­de­risch. Und: Stür­mer Tho­mas Rü­fe­nacht lan­ciert schon mal das heu­ti­ge Der­by in Langnau.

Was ha­ben Eishockey und Eso­te­rik ge­mein­sam? Der SC Bern weiss Be­scheid. Ei­ne Leh­re aus der Eso­te­rik be­sagt: Wer in Har­mo­nie le­ben will, muss Ge­ben und Neh­men in der Ba­lan­ce hal­ten. So viel ge­ben, wie man be­kommt. So viel an­neh­men, wie man gibt. Wer die­ses Ge­setz des Gleich­ge­wichts zwi­schen Ge­ben und Neh­men miss­ach­tet, wird mit Span­nun­gen kon­fron­tiert.

Eben, der SCB weiss of­fen­sicht­lich Be­scheid. Bei ihm gibt es ge­ra­de viel Grund zur Har­mo­nie – weil er bei sei­nen Auf­trit­ten dem Geg­ner we­nig gibt und sei­ner­seits we­nig nimmt.

In der Meis­ter­schaft gab er zu­letzt den Lau­san­nern kaum Tor­mög­lich­kei­ten und liess Chan­ce um Chan­ce aus. Er woll­te nicht mehr neh­men, als er gab. Ge­gen Genf (1:3) und Biel (2:5) gab er zu viel, wes­halb er da­für in Am­bri (6:1) et­was mehr nahm. Ge­gen Zug aber über­trie­ben es die Ber­ner: Hin­ten lies­sen sie kaum Chan­cen zu, vor­ne über­tra­fen sie sich beim Aus­las­sen bes­ter Mög­lich­kei­ten. Am En­de sieg­ten sie den­noch 3:0. Die Punk­te näm­lich, die nimmt der SCB im­mer ger­ne.

Dass der Spit­zen­kampf Zwei­ter ge­gen Drit­ter wo­mög­lich nicht hal­ten wür­de, was er ver­sprach, ver­riet der Blick auf die Auf­stel­lung. Bei Zug fehl­ten mit Cap­tain Ra­pha­el Diaz so­wie den Aus­län­dern Gar­rett Roe und Da­vid McIn­ty­re drei der bes­ten Spie­ler. Coach Dan Tang­nes nutz­te die Ge­le­gen­heit, gab den jün­ge­ren Kräf­ten Aus­lauf. So spiel­te der 21 Jah­re al­te Fa­bi­an Ha­ber­stich im ers­ten Block, der ein Jahr jün­ge­re Yan­nick Zehn­der führ­te die zwei­te Li­nie als Cen­ter. Ein ge­wis­ser Sven Leu­en­ber­ger (19) er­hielt eben­falls Eis­zeit. Er ist mit dem gleich­na­mi­gen, 30 Jah­re äl­te­ren Ber­ner Meis­ter­spie­ler und ExS­port­chef nicht ver­wandt.

Büh­ne für Ste­phan, Shu­tout für Ge­no­ni

Es war ein Vor­ge­schmack des­sen, was beim EVZ der­einst Usus sein soll: Bis 2022 wol­len die Zen­tral­schwei­zer die Hälf­te des Ka­ders mit Ak­teu­ren aus dem ei­ge­nen Nach­wuchs be­set­zen. Die an­de­re Hälf­te soll aus teu­ren Schlüs­sel­spie­lern ge­bil­det wer­den.

Die Par­tie wur­de für ei­ni­ge Zu­ger zum «Lehr­blätz». Den jun­gen Ver­tei­di­ger Li­vio Stad­ler pack­te be­reits in der zwei­ten Mi­nu­te der Leicht­sinn: Er spiel­te den Puck durch die ei­ge­ne Zo­ne, Eric Blum fing die Schei­be ab, Jan Mursak, Marc Kämpf und And­rew Eb­bett nutz­ten den frei­en Raum vor dem Tor zum 1:0. Tho­mas Thiry, eben­falls Ver­tei­di­ger, eben­falls jung, stand mit ei­nem sorg­lo­sen Zu­spiel am Ur­sprung ei­ner Ber­ner Top­chan­ce, die Alain Ber­ger ver­gab. Im Mit­tel­drit­tel ver­pass­ten er­neut Ber­ger, Mark Ar­co­bel­lo, Si­mon Mo­ser, Tho­mas Rü­fe­nacht und Kämpf, wo­bei Zugs Tor­hü­ter To­bi­as Ste­phan den Ab­schluss von Kämpf im Fal­len mit der Schul­ter über das Tor lenk­te. «Ste­phan hat ei­ni­ge Pucks auf un­glaub­li­che Wei­se raus­ge­kratzt», sag­te Rü­fe­nacht, «auch wenn er nicht im­mer wuss­te, wo die Schei­be wirk­lich war.» Der Ber­ner Flü­gel traf im Schluss­drit­tel mit­tels Ablen­ker zum 2:0. SCB-Go­a­lie Leo­nar­do Ge­no­ni blieb er­neut oh­ne Ge­gen­tor. Rü­fe­nacht re­la­ti­vier­te die Über­le­gen­heit: «Zug war per­so­nell an­ge­schla­gen. Das dür­fen wir nicht aus­blen­den.» Wäh­rend Ste­phan für die Pa­ra­de des Abends sorg­te, kre­ierte Rü­fe­nacht das Bon­mot des Abends: Es ha­be Spass ge­macht, in der Zu­ger Zo­ne «um­ez­hüp­fer­le».

Rü­fe­nacht und das Langnau­er «Be­ton­ho­ckey»

Heu­te dürf­ten die Ber­ner we­nig frei­es Eis und Ge­leit er­hal­ten: Sie tre­ten in der Il­fis­hal­le an. «Ich freue mich. Heinz Eh­lers be­vor­zugt zwar ‹Be­ton­ho­ckey›. Aber er lässt sei­ne Spie­ler auch ab und an of­fen­siv lau­fen. Das wird ein gei­les Spiel», sag­te Rü­fe­nacht.

Nun ist es so, dass Eh­lers auf den Be­griff «Be­ton­ho­ckey» emp­find­lich re­agiert und zu sa­gen pflegt, Langnau spie­le of­fen­si­ver als der SCB. Rü­fe­nacht: «Wenn das so ist: Viel­leicht möch­te er das – aber ihm feh­len wohl die Spie­ler da­zu.» Das Der­by ist lan­ciert. Re­to Kirch­ho­fer

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