Fuss­gän­ger nicht si­cher

Hutt­wil Der Ge­mein­de­rat will der Ge­mein­de­ver­samm­lung den Kauf des Städt­li­saals im Ho­tel Klei­ner Prinz nicht un­ter­brei­ten, ob­schon das Stimm­volk das for­der­te.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseite - Jürg Ret­ten­mund

Weil die Be­leuch­tung un­ge­nü­gend ist, geht Chris­toph Blum mit Rent­nern auf die Stras­se.

«Aus ge­sell­schafts­po­li­ti­scher Sicht müss­ten wir die­sen Saal kau­fen», sagt Wal­ter Rohr­bach. Der Ge­mein­de­prä­si­dent steht im Städt­li­saal des Ho­tels Klei­ner Prinz vie­len Hutt­wi­le­rin­nen und Hutt­wi­lern im­mer noch be­kann­ter als Moh­ren­saal. Dort wird er auch am Mitt­woch, 5. De­zem­ber, ste­hen, und den Stimm­be­rech­tig­ten an der Ge­mein­de­ver­samm­lung trotz­dem nicht emp­feh­len, ei­nem Kauf zu­zu­stim­men. Er wird gar kei­nen An­trag stel­len, denn im Auf­trag der Exe­ku­ti­ve wird er bloss in­for­mie­ren.

Hö­he­re Zah­len

Da­bei hat­ten die Stimm­be­rech­tig­ten doch an der letz­ten Ge­mein­de­ver­samm­lung – eben­falls im Städt­li­saal – den Ge­mein­de­rat be­auf­tragt, ih­nen ei­nen Kauf zu un­ter­brei­ten. War­um er die­sem Auf­trag nicht nach­kommt, be­grün­det der Rat im In­for­ma­ti­ons­blatt zur an­ste­hen­den Ver­samm­lung. Er liess den Sa­nie­rungs­be­darf nach ei­nem Kauf von ei­nem un­ab­hän­gi­gen Ar­chi­tek­ten be­ur­tei­len. Und die­ser kam zu weit hö­he­ren Zah­len als die Be­ra­ter der Wir­te­fa­mi­lie, die ver­kau­fen will. Aus­lö­ser sind vor al­lem en­er­gie­tech­ni­sche Sa­nie­run­gen, die das Ener­gie­ge­setz vor­schreibt.

Kon­kret rü­cken Kauf und Sa­nie­rung da­mit über die Gren­ze von 1,5 Mil­lio­nen Fran­ken, eher so­gar ge­gen 2 Mil­lio­nen Fran­ken. Für Kre­di­te in die­ser Hö­he aber ist in Hutt­wil nicht die Ge­mein­de­ver­samm­lung zu­stän­dig, dar- über kön­nen sich die Stimm­be­rech­tig­ten an der Ur­ne äus­sern. Ja, streng ge­nom­men hät­te die letz­te Ge­mein­de­ver­samm­lung ih­ren An­trag gar nicht stel­len dür­fen, denn das kann sie nur zu Ge­schäf­ten, für die sie auch zu­stän­dig ist.

Nicht über­zeugt

Das tönt nur et­was gar for­mal­ju­ris­tisch. Hät­te man der Ver­samm­lung nicht ei­nen Pla­nungs­kre­dit un­ter­brei­ten kön­nen, da­mit sie ent­schei­den kann? Die­ser lä­ge vor­aus­sicht­lich in der Kom­pe­tenz des Ge­mein­de­ra­tes, wür­de aber dem Fi­nanz­re­fe­ren­dum un­ter­ste­hen, er­läu­tert Ge­mein­de­ver­wal­ter Mar­tin Jam­pen. Da­zu kom­me, dass der Ge­mein­de­rat auch für ei­nen Pla­nungs­kre­dit ge­nau­er be­stim­men müss­te, was die Sa­nie­rung um­fas­sen soll, und auch das wür­de zu­sätz­li­che Ab­klä­run­gen nö­tig ma­chen.

Die­se will der Ge­mein­de­rat nicht leis­ten, weil er vom Ge­schäft nicht über­zeugt ist, wie er be­reits vor der letz­ten Ge­mein­de­ver­samm­lung be­kannt ge­macht hat­te. Wal­ter Rohr­bach er­in­nert an die Lie­gen­schafts­stra­te­gie, ge­mäss der er ge­mein­de­ei­ge­ne Ge­bäu­de im Fi­nanz­ver­mö­gen ver­kau­fen und nicht zu­sätz­li­che kau­fen will. Er ha­be auch ver­sucht, mit der Be­sit­zer­fa­mi­lie über den Kauf­preis zu ver­han­deln, er­gänzt der Ge­mein­de­rat, doch die­se ha­be sich da­zu nicht be­reit er­klärt. Zu­dem ha­be sie kei­ne An­ga­ben da­zu ma­chen kön­nen, zu wel­chen Prei­sen die Nut­zung nö­ti­ger An­la­gen­tei­le – zum Bei­spiel der Toi­let­ten – und Leis­tun­gen des Gast­ho­fes ver­rech­net wür­den.

Ei­ne ent­schei­den­de Rol­le bei sei­nem Ent­scheid spiel­te für den Ge­mein­de­rat zu­dem, dass die Rä­te der bei­den bur­ger­li­chen Ko­prora­tio­nen, der Bur­ger- und Herd­ge­mein­de, ei­ne Be­tei­li­gung am Saal­kauf ab­lehn­ten. Ihr ei­ge­ner fi­nan­zi­el­ler Spiel­raum sei be­grenzt, hält die Exe­ku­ti­ve fest. Sie will ih­re An­stren­gun­gen auf den Neu­bau des Kin­der­gar­tens, die Sa­nie­rung des Schwimm­ba­des so­wie die Er­rich­tung ei­nes Heil­päd­ago­gi­schen Zen­trums in Schwar­zen­bach kon­zen­trie­ren.

Ganz bei sei­ner Ab­sa­ge an die Initi­an­ten des Saal­kaufs lässt es der Ge­mein­de­rat nicht be­wen­den. Er weist sie auf das Recht hin, das ih­nen of­fen­steht: Sie kön­nen ei­ne In­itia­ti­ve er­grei­fen. Die­se muss von ei­nem Zehn­tel der Stimm­be­rech­tig­ten – al­so rund 350 Per­so­nen – un­ter­zeich­net wer­den.

Doch wie ist es mit den ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Fol­gen ei­nes Ver­zichts auf den Saal­kauf, die auch der Ge­mein­de­rat nicht ab­strei­tet? Wal­ter Rohr­bach zeig­te sich zu­ver­sicht­lich, dass die­ser nicht gleich ein En­de der öf­fent­li­chen Nut­zung be­deu­tet. Im­mer­hin be­zah­le die Ge­mein­de da­für ei­nen jähr­li­chen In­kon­ve­ni­enz­bei­trag von 40 000 Fran­ken. «Ein neu­er Be­sit­zer des Gast­ho­fes ist viel­leicht froh um die­sen Bat­zen.»

Ge­nug Al­ter­na­ti­ven

Mit ei­ner mög­li­chen Schlies­sung hat sich der Ge­mein­de­rat im Rah­men ei­nes Work­shops eben­falls be­fasst, wie Rohr­bach er­klärt. Er sei zum Schluss ge­kom­men, dass es ge­nug Al­ter­na­ti­ven ge­be, wenn auch nicht so prak­ti­sche wie den Städt­li­saal. Dies gel­te be­son­ders, wenn man sich nicht auf das Städt­chen be­schrän­ke, son­dern re­gio­nal den­ke und zum Bei­spiel den Cam­pus Per­spek­ti­ven und das Kirch­ge­mein­de­haus Wys­sa­chen mit ein­be­zie­he.

Noch nicht zum Vor­ge­hen des Ge­mein­de­ra­tes äus­sern will sich auf An­fra­ge die­ser Zei­tung Ul­rich An­li­ker. Der ehe­ma­li­ge Ge­mein­de­prä­si­dent un­ter­stützt die Be­sit­zer­fa­mi­lie beim Ver­kauf und stell­te ei­nen An­trag an der letz­ten Ge­mein­de­ver­samm­lung. Er will zu­erst die schrift­li­chen Un­ter­la­gen stu­die­ren und dann über das wei­te­re Vor­ge­hen ent­schei­den.

«Ein neu­er Be­sit­zer des Gast­ho­fes ist viel­leicht froh um die­sen Bat­zen.»

Wal­ter Rohr­bach Ge­mein­de­prä­si­dent, zum Bei­trag, den die Ge­mein­de für die Nut­zung des Saals be­zahlt.

Ge­mein­de­ver­samm­lung: Mitt­woch, 5. Dez., 20 Uhr, im Städt­li­saal des Ho­tels Klei­ner Prinz.

Fo­to: Tho­mas Pe­ter

Wal­ter Rohr­bach er­klär­te ges­tern, wes­halb sich die Exe­ku­ti­ve ge­gen den Er­werb des Saals aus­spricht.

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