Haft­stra­fe re­du­ziert

Lie­be­feld Das Tö­tungs­de­likt St­ein­hölz­li be­schäf­tigt die Jus­tiz auch nach fast sie­ben Jah­ren. Ein Tür­ke, der ei­nen Lands­mann er­schos­sen hat­te, muss für fünf Jah­re und drei Mo­na­te ins Ge­fäng­nis.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseite - Chris­ti­an Zingg (sda), hus

Ein 39-jäh­ri­ger Tür­ke muss für fünf Jah­re und drei Mo­na­te ins Ge­fäng­nis. Er hat­te im De­zem­ber 2011 bei der Bus­hal­te­stel­le St­ein­hölz­li im Lie­be­feld bei ei­ner Aus­ein­an­der­set­zung ei­nen Lands­mann er­schos­sen. Da­mit ist Stra­fe nicht halb so hoch wie noch beim Ur­teil des Re­gio­nal­ge­richts.

Ein Tür­ke, der 2011 in Kö­niz bei Bern ei­nen Lands­mann und Ge­schäfts­kon­kur­ren­ten er­schoss, ist zu ei­ner Frei­heits­stra­fe von fünf Jah­ren und drei Mo­na­ten ver­ur­teilt wor­den. Das Ober­ge­richt er­klär­te ihn ges­tern der vor­sätz­li­chen Tö­tung in Not­wehr­ex­zess schul­dig. In ei­nem ers­ten An­lauf hat­te das Ober­ge­richt den 39-Jäh­ri­gen Mit­te Sep­tem­ber 2016 des­we­gen zu ei­ner acht­jäh­ri­gen Stra­fe ver­ur­teilt.

Auf Ge­heiss des Bun­des­ge­richts muss­ten die Ber­ner Rich­ter den Fall aber neu be­ur­tei­len. Das höchs­te Ge­richt hat­te dar­auf ge­pocht, dass der Be­schul­dig­te auch von der zwei­ten In­stanz be­fragt wer­de. Das Re­gio­nal­ge­richt Bern-Mit­tel­land hat­te den Be­schul­dig­ten 2015 noch zu ei­ner Frei­heits­stra­fe von elf Jah­ren und sie­ben Mo­na­ten ver­ur­teilt.

Er­bit­ter­te Kon­kur­ren­ten

Der Fall dreht sich um zwei Tür­ken, die Kon­tra­hen­ten im glei- chen Me­tier wa­ren. Am 26. De­zem­ber 2011 es­ka­lier­te der Streit bei der Bus­hal­te­stel­le St­ein­hölz­li im Lie­be­feld. Der Be­schul­dig­te gab im Kampf mit sei­nem Kon­tra­hen­ten zwei Schüs­se aus kur­zer Dis­tanz ab, ei­ner da­von traf das Op­fer töd­lich im Brust­korb.

Laut Ver­tei­di­ger han­del­te der Be­schul­dig­te in Not­wehr, «je­den­falls in ent­schuld­ba­rem Not­wehr­ex­zess». Der Mann sei vom spä­te­ren Op­fer und sei­nen Leu­ten an­ge­grif­fen wor­den. Sie hät­ten ihn un­ter an­de­rem mit Base­ball­schlä­gern trak­tiert. Er ha­be um sein Le­ben ge­fürch­tet und sich des­halb weh­ren dür­fen, ar­gu­men­tier­te der Ver­tei­di­ger. Er sei da­her frei­zu­spre­chen.

Feh­len­der Warn­schuss

Das Ober­ge­richt kam hin­ge­gen zum Schluss, dass der Mann in nicht voll ent­schuld­ba­rem Not­wehr­ex­zess ge­han­delt ha­be. Er hät­te an­ge­mes­sen ge­han­delt, wenn er zu­erst ei­nen Warn­schuss ab­ge­ge­ben hät­te. Al­ler­dings ha­be er nicht der­art un­an- ge­mes­sen ge­han­delt, wie es das Ober­ge­richt noch im ers­ten An­lauf fest­ge­stellt ha­be. Des­halb wur­de die Stra­fe – ge­gen den Wil­len der Staats­an­walt­schaft – ge­senkt.

Auf­grund der Aus­sa­gen der Be­tei­lig­ten so­wie von Zeu­gen konn­te der ge­naue Ablauf der Aus­ein­an­der­set­zung nicht re­kon­stru­iert wer­den. Auch zwei bal­lis­ti­sche Gut­ach­ten lies­sen meh­re­re Mög­lich­kei­ten of­fen, in wel­cher Po­si­ti­on der Schüt­ze ab­ge­drückt hat­te.

Wei­ter­zug of­fen

Das Ur­teil ist noch nicht rechts­kräf­tig. Der Ver­tei­di­ger zeig­te sich ge­gen­über Keysto­ne-SDA grund­sätz­lich mit der Re­duk­ti­on der Stra­fe zu­frie­den. Er liess of­fen, ob er das Ur­teil ans Bun­des­ge­richt wei­ter­zieht. Auch die Staats­an­wäl­tin kann in Lausanne ei­ne Be­schwer­de ein­rei­chen.

Ab­sit­zen muss der Be­schul­dig­te laut Ober­ge­richt noch vier Jah­re und drei Mo­na­te, denn ein Jahr sass er be­reits in Un­ter­su-

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