Der Traum vom ei­ge­nen Schloss

Aar­wan­gen Der Kan­ton hat den frü­he­ren Ver­wal­tungs­sitz zum Ver­kauf aus­ge­schrie­ben – an ei­ne ge­mein­nüt­zi­ge Trä­ger­schaft. Dar­auf baut die Vi­si­on des hie­si­gen Ver­eins: Ein Zen­trum für Wirt­schaft, Kul­tur und Ge­schich­te.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Region -

Chan­tal Des­biol­les Seit sechs Jah­ren steht der Sitz der eins­ti­gen Land­vog­tei leer. Nach dem Aus­zug des Amts­ge­richts wur­den zig Ide­en ge­wälzt, um das his­to­ri­sche Bau­denk­mal in Aar­wan­gen wie­der mit Le­ben zu fül­len – und auch wie­der ver­wor­fen. Nun liegt ein um­fas­sen­des Kon­zept vor, um das Schloss aus dem 13. Jahr­hun­dert für den Obe­ra­ar­gau zu er­hal­ten und ei­ner brei­ten Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich zu ma­chen. Und der Kan­ton geht ei­nen ent­schei­den­den Schritt in Rich­tung Wie­der­be­le­bung: Er hat die Lie­gen­schaft in ei­nem of­fe­nen Ver­fah­ren zum Kauf aus­ge­schrie­ben. «Ne­ben dem ge­bo­te­nen Kauf­preis wird auch der zu­künf­ti­gen Nut­zung gros­se Be­deu­tung bei­ge­mes­sen», heisst es in der Aus­schrei­bung. Wo­bei dem Preis we­ni­ger Ge­wicht zu­fällt als der ge­sell­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Nut­zung. Ein drei­tei­li­ges Kon­zept, ei­nen Bu­si­nes­splan für die nächs­ten fünf und ein In­ves­ti­ti­ons­kon­zept auf zehn Jah­re hi- naus, kos­ten­lo­sen Zu­gang zum his­to­ri­schen Zim­mer und die Of­fen­le­gung al­ler Part­ner ei­ner Bie­ter­ge­mein­schaft ver­langt der Kan­ton un­ter an­de­rem von Kauf­in­ter­es­sen­ten. Ein­ge­bun­den wer­den müs­sen so­wohl die Vor­stel­lun­gen der Ge­mein­de wie auch je­ne der Denk­mal­pfle­ge, zu­dem soll die Nut­zung ei­nen «po­si­ti­ven Bei­trag zur Stand­ort­qua­li­tät leis­ten». Vor­aus­set­zung ist vor­ab ein ide­el­ler oder ge­mein­nüt­zi­ger Hin­ter­grund.

In­dus­trie und ih­re Ge­schich­te

Das ist Was­ser auf die Müh­len des För­der­ver­eins Schloss Aar­wan­gen, ge­grün­det vor ei­nem Jahr. Un­ter­neh­mer Pe­ter Re­gen­ass, Lan­gen­t­hals Stadt­his­to­ri­ker Si­mon Ku­ert und Aar­wan­gens Ge­mein­de­prä­si­dent Kurt Bläu­en­stein ver­fol­gen das Ziel, die To­re des Herr­schafts­sit­zes wie­der weit zu öff­nen. An­ge­führt wer­den sie durch den frü­he­ren Aar­wan­ger Ge­richts- und Ge­mein­de­prä­si­den­ten so­wie Ober­rich­ter Mar­cel Ca­vin.

Der Tra­di­ti­on des ehr­wür­di­gen Ge­mäu­ers ge­recht wer­den und ihm gleich­zei­tig neue Be­deu­tung ge­ben: Dar­auf fusst die Vi­si­on der po­ten­zi­el­len Ei­gen­tü­mer­schaft. Als Zen­trum für Obe­ra­ar­gau­er Wirt­schaft, Kul­tur und Ge­schich­te soll es ei­ner­seits die In­dus­tria­li­sie­rung in der Re­gi­on er­leb­bar ma­chen und an­de­rer­seits Zeug­nis dar­über ab­le­gen, wie sich die hie­si­gen Un­ter­neh­men heu­te im Welt­markt be­haup­ten. Fir­men­ge­schich­ten von Por­zel­lan­fa­brik, Gu­gel­mann, Ruckstuhl und Am­mann so­wie Ex­po­na­te wie me­cha­ni­sche Rech­nungs­ma­schi­nen aus der Samm­lung von Mo­tor­ex-Chef Pe­ter Re­gen­ass fin­den da­mit mit mul­ti­me­dia­len Ele­men­ten un­ter ei­nem Dach zu­sam­men. Ein Fo­rum und Wech­sel­aus­stel­lun­gen sind er­gän­zend an­ge­dacht. Am Zen­trum be­tei­lig­te Fir­men sol­len die Räu­me auch für Se­mi­na­re oder den Emp­fang von Gäs­ten nut­zen kön­nen.

Als Haus­her­rin las­sen Ca­vin und Co. Land­vög­tin Ma­dame Wil­la­ding auf­er­ste­hen, die Be­su­che­rin­nen und Be­su­cher emp­fängt und ih­nen aus der wech­sel­vol­len Ge­schich­te des Schlos­ses er­zählt. Im Erd­ge­schoss ist nebst Emp­fang, Shop und Ca­fe­te­ria mit Ter­ras­se ein Bed and Bre­ak­fast an­ge­dacht. Das Dach­ge­schoss und das Schloss­ge­län­de eig­nen sich als Raum für Fa­mi­li­en und Kin­der. Auch Le­sun­gen und Kon­zer­te wä­ren un­ter dem Dach mög­lich. Eben­so Füh­run­gen und Work­shops im «Bil­dungs­schloss» in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Bil­dungs­zen­trum Obe­ra­ar­gau. Und: Aar­wan­gen soll ein ei­ge­nes klei­nes Dorf­mu­se­um er­hal­ten.

Ei­ne Kampf­an­sa­ge

Raum für die un­ter­schied­li­chen Nut­zun­gen ist aus­rei­chend vor­han­den. Die An­la­ge er­streckt sich an der Aa­re auf über 7000 Qua­drat­me­tern, das Schloss al­lein fasst 12 000 Ku­bik­me­ter. 1964 wur­de das ein­ge­schos­si­ge Ge­fan­ge­nen­wärter­haus ge­baut. Der amt­li­che Wert für die Lie­gen­schaft liegt bei 1,8 Mil­lio­nen Fran­ken. Jüngst wur­de die Öl­hei­zung durch ei­ne Pel­le­t­hei­zung er­setzt, und das Turm­dach wird sa­niert. Was noch fehlt, ist ei­ne Lift­an­la­ge, an der sich der Kan­ton mit höchs­tens 550 000 Fran­ken be­tei­li­gen will.

Für die Initi­an­ten um Ca­vin steht ei­nes fest: «Schloss Aar­wan­gen darf nicht in frem­de Hän­de ge­lan­gen.» So kämp­fe­risch ihr Slo­gan klingt, so über­zeugt ste­hen sie hin­ter ih­rem Kon­zept. 8,7 Mil­lio­nen Fran­ken sieht das Pro­jekt­bud­get vor, wo­bei be­reits über 1 Mil­li­on Fran­ken ver­bind­lich zu­ge­sagt sind. Min­des­tens 25 Obe­ra­ar­gau­er Fir­men sol­len als Schirm­her­ren auf­tre­ten und wäh­rend fünf Jah­ren «ei­nen nam­haf­ten Bei­trag» ein­brin­gen. Be­tei­li­gen kön­nen sich auch Pri­va­te, ent­we­der als Mit­glie­der des För­der­ver­eins oder als Freund/Freun­din des Schlos­ses mit ei­nem jähr­li­chen Bei­trag. Ei­ne Stif­tung als Trä­ger­schaft und po­ten­zi­el­le Ei­gen­tü­me­rin des Schlos­ses wird in die­sen Ta­gen ge­grün­det.

Um an den De­tails zu fei­len, bleibt noch aus­rei­chend Zeit: An­ge­bo­te müs­sen bis 7. Ja­nu­ar 2019 beim kan­to­na­len Amt für Ge­bäu­de und Grund­stü­cke ein­ge­reicht wer­den.

Die La­ge si­cher­te Macht Ky­bur­gi­sche Mi­nis­te­ri­al­ad­li­ge lies­sen die An­la­ge an der Aa­re im 13. Jahr­hun­dert bau­en: um den Fluss­über­gang zu si­chern. Die Her­ren von Aar­wan­gen ge­hör­ten bis ins 14. Jahr­hun­dert zu den mäch­tigs­ten im Obe­ra­ar­gau und am ky­bur­gi­schen Hof in Burg­dorf, so steht es in der Aus­schrei­bung. 1432 kauf­te Bern Schloss und Herr­schaft Aar­wan­gen. Seit 1575 dien­te das alt­ehr­wür­di­ge Ge­mäu­er der ber­ni­schen Ver­wal­tung.

(cd)

«Das Schloss darf nicht in frem­de Hän­de ge­lan­gen!»

Der För­der­ver­ein

Zu ver­kau­fen: Das his­to­ri­sche Bau­werk aus dem 13. Jahr­hun­dert sucht neue Be­sit­zer.Fo­to: Mar­cel Bie­ri

Die Initi­an­ten (v.l.): Si­mon Ku­ert, Kurt Bläu­en­stein, Pe­ter Re­gen­ass und Mar­cel Ca­vin in Ge­sell­schaft von Ma­dame Wil­la­ding.Fo­to: PD

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