Wo ist Asia Bi­bi?

Nicht mehr im Ge­fäng­nis, aber noch im Land? Über den Ver­bleib der Chris­tin wird ge­rät­selt.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Ausland -

Asia Bi­bi, die acht Jah­re lang in der To­des­zel­le von Mul­tan sass, hat das Ge­fäng­nis ver­las­sen; in der Nacht zum Don­ners­tag wur­de die Chris­tin un­ter stren­gen Si­cher­heits­vor­keh­run­gen nach Is­la­ma­bad aus­ge­flo­gen. Wo sie sich nun auf­hält, hält die Re­gie­rung al­ler­dings streng ge­heim, und des­halb blü­hen die Ge­rüch­te.

Man­che glau­ben fest dar­an, sie ha­be mit ih­rer Fa­mi­lie be­reits das Land ver­las­sen, Rich­tung Eu­ro­pa oder USA. Doch der Spre­cher des Aus­sen­mi­nis­te­ri­ums, Mo­ham­mad Fai­sal, de­men­tier­te sol­che Mel­dun­gen. Die Re­gie­rung be­kräf­tig­te am Don­ners­tag, dass Bi­bi noch in Pa­kis­tan sei.

Wie es um ih­re Zu­kunft steht, bleibt da­mit ein Rät­sel. Zwar sitzt die fünf­fa­che Mut­ter of­fen­bar nicht mehr in ei­ner Zel­le, wie ihr nach Eu­ro­pa ge­flüch­te­ter An­walt ver­si­cher­te. Doch sie wird wei­ter um ihr Le­ben ban­gen müs­sen, so­fern sie nicht doch heim­lich aus­ser Lan­des ge­bracht wur­de. Soll­te es so sein, dann ver­sch­lei- ert die Re­gie­rung ih­re Flucht, um Zeit zu ge­win­nen in der Macht­pro­be mit den Ra­di­ka­len, die Bi­bi am Gal­gen se­hen wol­len.

Die Re­gie­rung von Pre­mier Im­ran Khan be­treibt seit ei­ner Wo­che ein bei­spiel­lo­ses Ver­wirr­spiel um das Schick­sal der Chris­tin. Nach ei­nem Nach­bar­schafts- streit war ihr vor­ge­wor­fen wor­den, sie ha­be den Pro­phe­ten be­lei­digt. Man mach­te ihr den Pro­zess. Nach dem dra­ko­ni­schen Blasphemiegesetz in Pa­kis­tan droht je­dem, der in ei­nem sol­chen Fall schul­dig ge­spro­chen wird, die To­des­stra­fe. Doch vor ei­ner Wo­che ent­schie­den die Ver- fas­sungs­rich­ter, dass Bi­bi nicht ge­hängt wer­den dür­fe, weil die Be­weis­la­ge dies nicht zu­las­se.

Der Zorn der Hard­li­ner

Es wur­de ih­re so­for­ti­ge Frei­las­sung an­ge­ord­net, zu der es al­ler­dings zu­nächst nicht kam, weil re­li­giö­se Hard­li­ner in vie­len Städ­ten Stras­sen­pro­tes­te or­ga­ni­sier­ten, High­ways blo­ckier­ten und zur Re­bel­li­on ge­gen den Ar­mee­chef auf­rie­fen. Sie ver­lang­ten aus­ser­dem, dass nicht nur Bi­bi, son­dern auch die drei Rich­ter ster­ben müss­ten. Dar­auf­hin han­del­te die pa­kis­ta­ni­sche Re­gie­rung mit den Het­zern ei­ne Ver­ein­ba­rung aus, die da­zu führ­te, dass Bi­bi zu­nächst ein­mal im Ge­fäng­nis blieb und kei­ne Aus­sicht auf ei­ne Aus­rei­se hat­te. Ein Spre­cher der Hard­li­ner er­klär­te am Don­ners­tag er­zürnt, dass die Re­gie­rung mit der Frei­las­sung die Über­ein­kunft mit den De­mons­tran­ten ge­bro­chen ha­be.

In­zwi­schen hat die Re­gie­rung Hun­der­te Fest­nah­men ver­fügt ge­gen an­geb­li­che Auf­rüh­rer im Fall Bi­bi. Ob sie tat­säch­lich zu Straf­ver­fol­gun­gen füh­ren wer­den, blieb zu­nächst of­fen. Ei­ner­seits steht die Re­gie­rung un­ter dem Druck von Hard­li­nern, die der Staat einst sel­ber stark ge­macht hat. Jetzt sind sie nur noch schwer in den Griff zu be­kom­men. An­de­rer­seits hat der Fall Bi­bi star­ke in­ter­na­tio­na­le Kri­tik aus­ge­löst in ei­ner Zeit, da die Re­gie­rung fi­nan­zi­ell in Not ist. Is­la­ma­bad braucht drin­gend ein Ret­tungs­pa­ket des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds.

Die mör­de­ri­sche Het­ze im Fall Bi­bi dürf­te Is­la­ma­bad kaum da­bei hel­fen, Gunst und Ver­trau­en der Welt­ge­mein­schaft zu­rück­zu­ge­win­nen. Könn­te Bi­bi aus­rei­sen, wä­re das si­cher ein Zei­chen, das die Staa­ten­ge­mein­schaft be­grüs­sen wür­de. Doch droh­te in die­sem Fal­le auch, dass die Wort­füh­rer der Is­la­mis­ten neu­en Zorn auf den Stras­sen schü­ren.

Fo­to: Keysto­neDe­mons­tran­ten for­dern den Tod von Asia Bi­bi.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.