Wort­ge­fech­te mit dem Prä­si­den­ten sind sein Mar­ken­zei­chen

Jim Acos­ta, Chef­kor­re­spon­dent von CNN, wur­de der Zu­gang zum Weis­sen Haus ent­zo­gen.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Ausland -

Es war wohl ab­zu­se­hen, dass es zwi­schen Do­nald Trump und Jim Acos­ta kra­chen wür­de. Der CNNJour­na­list geht dem Prä­si­den­ten schon lan­ge auf die Ner­ven. Acos­ta hält sei­ner­seits nichts von Trump. Und so krach­te es nun im Weis­sen Haus.

In der li­ve über­tra­ge­nen Pres­se­kon­fe­renz nach den Zwi­schen­wah­len be­schimpf­te Trump den Jour­na­lis­ten mi­nu­ten­lang, er nann­te ihn «ei­ne un­höf­li­che, schreck­li­che Per­son», er warf ihm vor, im­mer nur Lü­gen zu ver­brei­ten, und wies ihn an, das Mi­kro­fon ab­zu­ge­ben und sich hin­zu­set­zen. Acos­ta wei­ger­te sich, und der Streit gip­fel­te dar­in, dass ei­ne Prak­ti­kan­tin des Weis­sen Hau­ses ver­such­te, dem Jour­na­lis­ten das Mi­kro­fon weg­zu­neh­men. Für ei­nen Mo­ment zerr­ten bei­de an dem Ge­rät, wo­bei Acostas Hand kurz und eher zu­fäl­lig den Arm der Prak­ti­kan­tin be­rühr­te.

Hand­ge­men­ge als Vor­wand

Das Weis­se Haus nahm das kurz da­nach zum An­lass, um Acos­ta «bis auf wei­te­res» die Ak­kre­di­tie­rung zu ent­zie­hen, den so­ge­nann­ten Hard Pass, der ihm frei­en Zu­gang zum Pres­se­raum ge­währt. De fac­to sperr­te das Weis­se Haus da­mit ei­nen Jour­na­lis­ten aus, des­sen Auf­ga­be als «Chief Whi­te Hou­se Cor­re­spon­dent» aus­schliess­lich dar­in be­steht, aus dem Zen­trum der Macht zu be­rich­ten. Man kann das durch­aus als An­griff auf die Pres­se­frei­heit se­hen.

Die­ser dras­ti­sche Schritt war kei­ne Über­ra­schung. Vie­le Trump-Loya­lis­ten for­dern seit lan­gem, dass kri­ti­schen Re­por­tern, die für an­geb­lich lin­ke Me­di­en wie CNN ar­bei­ten, die Ak­kre­di­tie­rung ent­zo­gen wer­den soll­te. Auch Trump selbst hat dar­über laut nach­ge­dacht. Mit sei­nen An­hän­gern kom­mu­ni­ziert er oh­ne­hin nur über Twit­ter und Fox News. Das kur­ze Hand­ge­men­ge zwi­schen Acos­ta und der Prak­ti­kan­tin gab dem Weis­sen Haus da­her nun ei­nen An­lass, um ein Ex­em­pel zu sta­tu­ie­ren, auch wenn von ei­ner ech­ten phy­si­schen Kon­fron­ta­ti­on kei­ne Re­de sein konn­te. Ein Vi­deo, das das Weis­se Haus ver­öf­fent­lich­te, wur­de of­fen­bar so­gar so be­ar­bei­tet, dass Acostas Be­we­gun­gen schnel­ler und ag­gres­si­ver aus­sa­hen.

Jim Acos­ta bot sich für ei­ne sol­che Straf­ak­ti­on ge­ra­de­zu an. Der 47-Jäh­ri­ge, des­sen Va­ter einst aus Ku­ba in die USA ge­flo­hen war, hat es zu sei­nem Mar­ken­zei­chen ge­macht, Trump bei Pres­se­kon­fe­ren­zen her­aus­zu­for- dern. Er stellt da­bei oft Fra­gen, die ei­gent­lich kei­ne ech­ten Fra­gen sind, son­dern als Fra­gen for­mu­lier­te Vor­wür­fe oder An­schul­di­gun­gen. Wenn der Prä­si­dent dann ei­ne Ant­wort ver­wei­gert, re­det Acos­ta wie am Mitt­woch ein­fach wei­ter. Der jour­na­lis­ti­sche Er­kennt­nis­ge­winn sol­cher Du­el­le ist meist klein. Aber Acos­ta hat sich da­durch bei Trum­pK­ri­ti­kern den Ruf ei­nes furcht­lo­sen Kämp­fers für die Pres­se­und Mei­nungs­frei­heit er­ar­bei­tet.

Dient es der Sa­che?

Al­ler­dings sind nicht al­le Kol­le­gen in Wa­shing­ton über­zeugt, dass die Me­di­en so of­fen im La­ger der Trump-Geg­ner ste­hen soll­ten. «Das Pro­blem bei Acostas jour­na­lis­ti­scher Me­tho­de ist, dass da­bei nur sehr sel­ten ge­nug her­aus­kommt, um ent­schei­den zu kön­nen, ob er nun ein bein­har­ter Re­por­ter ist, der sich ein­fach nicht ab­wim­meln lässt, oder nur ein Selbst­dar­stel­ler», schrieb Jack Sha­fer, Me­di­en­re­dak­tor bei der In­ter­net­zeit­schrift «Po­li­ti­co». Und tat­säch­lich gibt es Re­por­ter – al­len vor­an Mag­gie Ha­ber­man von der «New York Ti­mes» und Jo­na­than Swan von «Axi­os» –, die vie­le un­an­ge­neh­me Din­ge über Trump her­aus­fin­den und be­rich­ten, oh­ne sich je öf­fent­lich mit ihm zu zof­fen.

Für Trump ist Acos­ta ei­ne Art Blitz­ab­lei­ter ge­wor­den. Bei Ver­an­stal­tun­gen er­mun­tert der Prä­si­dent sei­ne An­hän­ger ger­ne, laut auf den Re­por­ter – ei­nen der «Fein­de des Vol­kes» – ein­zu­brül­len. Und wenn Trump wie am Mitt­woch in Kra­wall­stim­mung ist, dann ruft er eben Jim Acos­ta auf, ei­ne Fra­ge zu stel­len. Er weiss sehr ge­nau, dass ein Kampf dar­aus wird, der für ein paar Stun­den von Din­gen wie ei­ner ver­lo­re­nen Wahl und ei­nem ge­feu­er­ten Jus­tiz­mi­nis­ter ab­lenkt.

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