Der har­te Kern

Die Nie­der­la­ge ge­gen Va­len­cia hat nebst in­di­vi­du­el­len Feh­lern auch ei­ne neue Qua­li­tät of­fen­bart.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Sport -

Dass sich der spa­ni­sche Fuss­ball­fan als heiss­blü­tig her­vor­tut, mag nicht als Nach­richt des Ta­ges durch­ge­hen. Den­noch war es er­staun­lich, wie viel Be­we­gung auf den Rän­gen des mit rund 36 000 Zu­schau­ern nicht ganz ge­füll­ten Mestal­la-Sta­di­ons herrsch­te, als Va­len­cia am Mitt­woch­abend ge­gen YB spiel­te. Die Young Boys lang­ten in ih­rer vier­ten Par­tie in der Cham­pi­ons Le­ague or­dent­lich zu, ent­spre­chend un­mu­tig äus­ser­te sich das He­im­pu­bli­kum.

All­zu oft er­reich­te die Ber­ner in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit der Vor­wurf, in in­ter­na­tio­na­len Spie­len zu schmal­brüs­tig, zu leicht­ge­wich­tig auf­ge­tre­ten zu sein. Ge­gen Va­len­cia mö­gen sie oft we­nig ge­dan­ken­schnell, be­stimmt in­di­vi­du­ell zu feh­ler­haft ans Werk ge­gan­gen sein. Aber sie ha­ben in die­sem be­ein­dru­cken­den Bau­werk kaum «Ram­pen­fie­ber» ge­zeigt – und nie zu­rück­ge­zo­gen. «Wir ha­ben den Geg­ner in Zwei­kämp­fe ver­wi­ckelt, das hat mir ge­fal­len», an­er­kann­te Trai­ner Ger­ar­do Seo­a­ne. In­ter­na­tio­na­le Här­te als Match­plan, das ist wo­mög­lich be­reits ei­ne Leh­re aus den Par­ti­en in Tu­rin und ge­gen Man­ches­ter, ganz si­cher aber ei­ne Qua­li­tät von YB in die­ser und der letz­ten Sai­son.

Der Meis­ter be­wegt sich in der Li­ga nor­ma­ler­wei­se nicht nur spie­le­risch, son­dern auch phy­sisch über dem Durch­schnitt und fin­det so auch mal in ei­ne Be­geg­nung, wenn das über her­kömm­li­che We­ge nicht ge­lingt. Da ist nicht mehr nur Ag­gres­siv­lea­der Sék­ou Sa­no­go, da ist längst auch der wuch­ti­ge Jo­ker Je­an-Pier­re Nsa­me oder der auf­säs­si­ge Ni­co­las Nga­mal­eu. Und auf den Aus­sen­po­si­tio­nen ist die ak­tu­el­le YB-Aus­ga­be – Fein­fuss Mi­ra­lem Su­le­j­ma­ni aus­ge­nom­men – so­wie­so mit Spie­lern be­setzt, die ei­ne über­durch­schnitt­li­che Was­ser­ver­drän­gung auf den Platz brin­gen: Ke­vin Mba­bus Qua­li­tät ist sei­ne Mi­schung aus Ex­plo­si­vi­tät und Kraft, das­sel­be gilt für Chris­ti­an Fass­nacht und Lo­ris Be­ni­to. «Wir ha­ben in den Zwei­kämp­fen da­ge­gen­ge­hal­ten», sag­te Be­ni­to nach dem Spiel, «um­so bit­te­rer ist es, dass nichts her­aus­ge­schaut hat.»

Kampf­star­ke Mann­schaf­ten wan­deln in in­ten­si­ven Be­geg­nun­gen im­mer auf ei­nem schma­len Grat. Und die Spiel­lei­ter ent­schei­den mit, in wel­che Rich­tung der Ba­lan­ce­akt geht. Am Mitt­woch ver­folg­te der ru­mä­ni­sche Re­fe­ree Ist­van Ko­vacs ei­ne we­nig strin­gen­te Li­nie, ver­warn­te mal kon­se­quent, dann wäh­le­risch, wäh­rend die vie­len Kar­ten in der Pha­se vor der Pau­se das Ge­sche­hen mehr an­heiz­ten als be­ru­hig­ten. Der Platz­ver­weis ge­gen Sa­no­go war dann zwin­gend, weil der be­reits ver­warn­te Ivo­rer bei sei­ner Ak­ti­on ge­gen Fran­cis Co­que­lin wenn nicht di­rekt Rot, dann be­stimmt Gel­bRot hät­te se­hen müs­sen. Pro­blem­los hät­te es auch den ver­warn­ten Nga­mal­eu tref­fen kön­nen, der in der Pha­se vor der Pau­se un­ver­min­dert über­mo­ti­viert in die Zwei­kämp­fe stieg.

Viel­leicht ist die Ge­wiss­heit, phy­sisch auf höchs­tem Ni­veau nicht mehr ein­fach weg­ge­drückt wer­den zu kön­nen, das sport­lich Wert­volls­te, was das noch im­mer sieg­lo­se YB aus die­ser Kam­pa­gne mit­neh­men kann. Der Ach­tel­fi­nal liegt nicht mehr drin, auch die Chan­cen auf Rang 3 sind ge­sun­ken. «Wir wa­ren von An­fang an rea­lis­tisch», sag­te Be­ni­to zur er­nüch­tern­den Bi­lanz von ei­nem Punkt aus vier Spie­len.

Fo­to: Keysto­neGrat­wan­de­rung: Sa­no­go nach der Ro­ten Kar­te.

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