«Ich wä­re ein gu­ter Bild­fäl­scher»

Ko­mi­ker Ot­to Waal­kes malt auch. Nun stellt er sei­ne Bil­der erst­mals in der Schweiz aus.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Magazin - In­ter­view Ma­ri­na Bolz­li

Herr Waal­kes, Sie ha­ben ur­sprüng­lich in Ham­burg Kunst stu­diert.

Ja, aber die nah­men nur Kunst­päd­ago­gen auf, da­bei woll­te ich freie Ma­le­rei stu­die­ren. Um das Stu­di­um zu fi­nan­zie­ren, war ich da­mals schon un­ter­wegs mit mei­ner Gi­tar­re in klei­nen Lo­ka­len in Ham­burg, dar­un­ter hat das Stu­di­um auf Dau­er et­was ge­lit­ten.

Hat Ih­nen das Stu­di­um ge­fal­len?

Kunst­leh­rer zu wer­den, war schon ei­ne idea­le Vor­stel­lung, zu­min­dest für mei­ne El­tern. Ich bin in der Klas­se ge­ses­sen und ha­be die Tech­ni­ken der al­ten Meis­ter ge­lernt.

Es fällt ja auf, dass sie ganz vie­le Tech­ni­ken be­herr­schen, weil Sie für fast je­des ih­rer Bil­der ei­ne an­de­re imi­tie­ren.

Ich wä­re ein gu­ter Bild­fäl­scher, nicht wahr? Aber das ist ja an­geb­lich ver­bo­ten.

Sie wä­ren ein gu­ter Bild­fäl­scher?

Ja ja, der Bel­t­rac­chi (Wolf­gang Bel­t­rac­chi, ver­ur­teil­ter deut­scher Kunst­fäl­scher, Anm. d. Red.) müss­te sich ganz warm an­zie­hen.

Jetzt ma­chen Sie aber nicht Bild­fäl­schun­gen, son­dern Par­odi­en be­kann­ter Mo­ti­ve.

Das sind kei­ne Par­odi­en, das sind Hom­ma­gen. Iden­ti­fi­ka­ti­on und Ir­ri­ta­ti­on ver­schmel­zen mit­ein­an­der. Der Be­trach­ter denkt: Oh, das ist ein be­kann­tes Mo­tiv, tritt nä­her her­an – und merkt: Oh, der Ot­ti­fant ist mit im Spiel. So wer­den die al­ten Meis­ter plötz­lich wie­der in­ter­es­sant. Jetzt hab ich mir zum Bei­spiel Dalí vor­ge­nom­men. «Dalí’s Night­ma­re»: Der Ma­e­s­tro ist voll­kom­men ver­dutzt, als er da noch ei­nen Ot­ti­fan­ten auf Dalí-Bei­nen ent­deckt.

Ha­ben Sie denn nicht zu gros­sen Re­spekt vor den al­ten Meis­tern?

Doch, ich ha­be gros­sen Re­spekt vor den Meis­tern. Das ist ja ei­ne Hom­mage mit Wei­ter­füh­rung. Die Par­odie ist für mich ja die auf­rich­tigs­te Form der Ver­eh­rung. Gell. Und da sind ja noch Ih­re Frö­lein Da Ca­po, Ma­rio Ca­pi­ta­nio, die stel­len ja auch aus. Das sind al­les Mu­si­ker, ne?

Sie sind ja auch Mu­si­ker.

Ja, schon ewig. Ich hab in ei­ner Band ge­spielt mit 14, 15 Jah­ren, und auch jetzt tre­te ich noch auf mit mei­nen Frie­sen­jungs. Als Front­mann spie­le ich Gi­tar­re und sin­ge. Ich hab auch als So­list viel, viel Mu­sik ge­macht. Von Pop bis Klas­sik, das ha­be ich auch stun­den­lang ge­übt, klas­si­sche Gi­tar­re.

Es gibt ja fast kei­nen Kul­tur­be­reich, in dem Sie nicht ak­tiv sind. Wel­cher ist für Sie der wich­tigs­te?

Das Wich­tigs­te ist für mich die Re­so­nanz beim Pu­bli­kum. Die Be­stä­ti­gung. Ich bin so ge­fall­süch­tig. Beim Ma­len ist die Kon­zen­tra­ti­on sehr stark ge­for­dert, ganz oh­ne kör­per­li­che Stra­pa­zen. Das macht na­tür­lich Spass.

Und wann ma­len Sie?

Mei­ne Frei­zeit ist mei­ne Mal­zeit. Ich ma­le – oder spie­le Gi­tar­re. Ich steh auf, geh ins Ate­lier und fan­ge an. Die Mo­ti­ve fal­len mir meist mor­gens ein. Ich weiss gar nicht,

war­um. w Ich ge­he gern und viel auf Kunst­aus­stel­lun­gen. Ge­ra­de

war w ich in Mün­chen. Da hab ich ei­nen Jaw­lens­ky (Ale­xej von Jaw­lens­ky, rus­sisch-deut­scher Ma­ler, Anm. d. Red.) ge­se­hen, den muss­te ich so­fort um­set­zen: «Der Tän­zer». Wun­der­schö­nes Mo­tiv. Und so lass ich mich im­mer in­spi­rie­ren. Die Ver­bin­dung zu sol­chen Vor­bil­dern ent­steht fast un­will­kür­lich.

Seit wann ma­len sie sol­che Bil­der?

Das mach ich ver­stärkt seit ein paar Jah­ren. Ge­malt hab ich ei­gent­lich im­mer schon. Und plötz­lich stel­le ich auch in Mu­se­en aus. Mei­ne Kunst ist viel­leicht noch nicht mas­sen­kom­pa­ti­bel, wird aber doch von ei­ner re­la­tiv gros­sen Zu­schau­er­schaft ak­zep­tiert. Und der Ot­ti­fant be­glei­tet mich ja schon fast mein Le­ben lang.

Der Ot­ti­fant ist be­rühmt …

Ach, der Ot­ti­fant ist ei­gent­lich das Re­sul­tat ei­nes miss­glück­ten Selbst­por­täts. Ich woll­te mich zeich­nen von der Sei­te, ei­ne Pro- fil­zeich­nung. Das Er­geb­nis war furcht­bar. Dann hab ich die Na­se ein biss­chen ver­län­gert, die Au­gen et­was ver­grös­sert, die Oh­ren ver­klei­nert, Bein­chen drun­ter, Rüs­sel, zack! Fer­tig war der Ot­ti­fant. In der Schü­ler­zei­tung hab ich den schon ge­zeich­net.

Ihr Va­ter war ja nicht Kunst­ma­ler, aber …

Er war Ma­ler­meis­ter, Ta­pe­zie­rer. Der hat auch im­mer ge­zeich­net. Wir hat­ten kei­ne Zei­chen­stif­te. Aber wir hat­ten Ta­pe­ten­stif­te. Und ich hat­te die Rück­sei­ten der Ta­pe­ten­mus­ter­hef­te. Die wa­ren weiss. Des­halb hat­ten ich im­mer Pa­pier. Und ich konn­te viel zeich­nen.

Wer­den Sie auch in Bern das Kunst­mu­se­um be­su­chen? Selbst­ver­ständ­lich! Das ist das Ers­te, was ich ma­chen wer­de.

«Der Ot­ti­fant ist ei­gent­lich das Re­sul­tat ei­nes miss­glück­ten Selbst­por­träts.»

Ot­to Waal­kes

Fo­to: Get­ty

Ot­to Waal­kes be­tont, dass sei­ne Bil­der kei­ne Par­odi­en sei­en, son­dern ei­ne Hom­mage an die gros­sen Meis­ter.Fo­to: PD

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