Schä­rers Wett­lauf mit der Zeit

Snow­board Micha­el Schä­rer hat an den Olym­pi­schen Spie­len mit Rang 6 im Big Air bril­liert. Im Mo­ment kämpft sich der Spie­zer nach ei­ner Ver­let­zung zu­rück.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseite - Ste­phan Dietrich

Schnee­sport Der Ber­ner Ober­län­der Snow­boar­der Micha­el Schä­rer peilt trotz schwe­rer Schul­ter­ver­let­zung die WM­Teil­nah­me An­fang Fe­bru­ar in Park Ci­ty an.

Es ist der ent­schei­den­de Sprung. Micha­el Schä­rer steht an den Olym­pi­schen Spie­len in Pyeong­chang oben an der stei­len Ram­pe. Kurz dar­auf wird er über den Big-Air-Ki­cker sau­sen, Sal­tos und Schrau­ben vor­füh­ren und si­cher im Schnee lan­den. Rang 6 und ein olym­pi­sches Di­plom sind für den Spie­zer ver­dien­ter Lohn für ei­nen star­ken Fi­nal­wett­kampf. Erst spä­ter stellt sich her­aus, dass Schä­rer zu die­sem Zeit­punkt be­reits gra­vie­rend ver­letzt ist. Im ers­ten Sprung hat er sich ei­ne Seh­ne in der lin­ken Schul­ter ge­ris­sen, ex­akt an der­sel­ben Stel­le wie zwei Jah­re zu­vor.

Ge­duld ist ge­fragt

«Ja, es hat weh­ge­tan. Aber ich ha­be auf die Zäh­ne ge­bis­sen», er­zählt Schä­rer. Den Fi­nal woll­te er da­mals un­be­dingt durch­zie­hen. Da er die Sprün­ge zwei und drei si­cher stand, lohn­te sich das Ri­si­ko. Noch heu­te schwärmt der 21-Jäh­ri­ge vom Wett­kampf. «Olym­pi­sche Spie­le wa­ren im­mer mein grosses Ziel, und sie blei­ben es auch für die Zu­kunft.» Kein Ge­dan­ke an Rück­tritt, trotz schwe­rer Ver­let­zung. «Bei mei­ner ers­ten Ver­let­zung war das an­ders. Da­mals dach­te ich kon­kret dar­über nach, mei­ne Kar­rie­re zu be­en­den.» Dies­mal stell­te sich die Sinn­fra­ge nicht. «Ich ha­be nach Olym­pia vie­le auf­mun­tern­de Wor­te er­hal­ten. Mein Auf­tritt in Pyeong­chang hat ei­ni­ges aus­ge­löst.» Das hilft auf dem Weg zu­rück. Im März wur­de Micha­el Schä­rer ope­riert. Es folg­ten vie­le Stun­den Phy­sio­the­ra­pie, die er teil­wei­se wäh­rend sei­ner Zeit im Sport-WK in Magg­lin­gen in An­spruch neh­men konn­te. Der Hei­lungs­pro­zess ver­läuft gut, aber Schä­rer will sich Zeit las­sen. Im Mo­ment be­fin­det sich der Ber­ner Ober­län­der noch im Kraft­auf­bau. Vor ei­ner Wo­che er­folg­te sein ers­tes Schnee­trai­ning. «Ge­duld ist ge­fragt», sagt Schä­rer. In die­ser Sai­son wird er nicht mehr vie­le Wett­kämp­fe be­strei­ten. Rea­lis­tisch ist ein Come­back im März.

Hoch­ge­steck­tes Ziel

Vi­el­leicht wird es so­gar et­was frü­her. Im Hin­ter­kopf hat der Snow­boar­der näm­lich die Welt­meis­ter­schaf­ten. Die­se fin­den An­fang Fe­bru­ar im ame­ri­ka­ni­schen Park Ci­ty statt. Trotz Ver­nunft, trotz ge­frag­ter Ge­duld will Schä­rer die Teil­nah­me an den Ti­tel­kämp­fen nicht aus­schlies­sen: «Ich weiss, dass der Zeit­plan bis zur WM sehr knapp ist. Des­halb wer­de ich si­cher kein un­nö­ti­ges Ri­si­ko ein­ge­hen. Soll­te ich aber bis Fe­bru­ar in Form kom­men, ist die WM ein Ziel. Ganz klar.»

Schä­rer ist sich aber be­wusst, dass die ak­tu­el­le Sai­son nicht ent­schei­dend ist. Die nächs­ten Olym­pi­schen Spie­le fin­den 2022 in Pe­king statt. Bis da­hin bleibt ge­nü­gend Zeit, neue Tricks ein­zu­üben. Viel wich­ti­ger ist es, ge­sund zu blei­ben.

Fo­to: Keysto­ne

Der Hö­hen­flug an den Olym­pi­schen Spie­len hat bei Micha­el Schä­rer Lust auf mehr ge­macht.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.