Er­heb­li­che Män­gel bei Post­re­vi­so­rin KPMG auf­ge­deckt

Postautoaffäre Die Buch­prü­fe­rin der Post, die KPMG, hat bei der Re­vi­si­on der Jah­res­rech­nun­gen von Post­au­to laut der zu­stän­di­gen Auf­sicht ih­re Ar­beit nicht ge­tan. Ge­gen zwei Per­so­nen läuft ein Ver­fah­ren.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseite - And­reas Val­da

Post­au­to-Af­fä­re Im Zu­sam­men­hang mit den Sub­ven­ti­ons­be­trü­ge­rei­en bei Post­au­to Schweiz ist auch die Re­vi­si­ons­fir­ma KPMG un­ter Be­schuss ge­ra­ten. Zu Recht, wie sich zeigt: Die Eid­ge­nös­si­sche Re­vi­si­ons­auf­sichts­be­hör­de (RAB) wirft der KPMG «teil­wei­se er­heb­li­che Män­gel» in der Re­vi­si­ons­ar­beit vor.

Die Män­gel be­tref­fen die Prü­fungs­hand­lun­gen der KPMG zur Er­fas­sung von Sub­ven­tio­nen, zur Beur­tei­lung mög­li­cher Ge­set­zes­ver­stös­se und zur Beur­tei­lung der Ar­bei­ten der post­in­ter­nen Re­vi­si­on. Ge­gen zwei Per­so­nen hat die RAB ein En­force­men­tVer­fah­ren ein­ge­lei­tet. Da­bei soll die Fra­ge be­ur­teilt wer­den, ob die­se bei­den Per­so­nen noch Ge­währ für ei­ne ein­wand­freie Prüf­tä­tig­keit bil­den. Die RAB be­ur­teil­te die Re­vi­si­on der Jah­res­rech­nung von Post­au­to und der Kon­zern­rech­nung der Schwei­ze­ri­schen Post für die je­weils fünf letz­ten ab­ge­schlos­se­nen Ge­schäfts­jah­re. Für die RAB war nicht aus­ge­schlos­sen, dass es auch bei den Di­enst­leis­tun­gen der KPMG zu Qua­li­täts­män­geln ge­kom­men ist.

Es wa­ren fau­le Aus­re­den. Dies zeigt das Er­geb­nis ei­ner neun­mo­na­ti­gen Un­ter­su­chung der Re­vi­si­ons­auf­sicht (RAB) in Sa­chen Postautoaffäre. Un­ter­sucht wur­de die KPMG als ex­ter­ne Re­vi­so­rin der Post. Sie prüft seit Jah­ren nicht nur die Bü­cher des Kon­zerns, son­dern auch je­ne der Toch­ter­ge­sell­schaft Post­au­to. Den­noch schaff­te es Letz­te­re, seit 2007 Hun­dert­tau­sen­de von wi­der­recht­li­chen Bu­chun­gen zu ma­chen und für über hun­dert Mil­lio­nen Fran­ken un­recht­mäs­sig Sub­ven­tio­nen zu be­zie­hen. Im Fe­bru­ar flog sie auf.

Im März sag­te die KPMG, sie sei für die recht­li­che Über­prü­fung ver­buch­ter Sub­ven­tio­nen nicht zu­stän­dig ge­we­sen. Dem wi­der­sprach da­mals das Bun­des­amt für Ver­kehr, und dem wi­der­sprach ges­tern auch die Re­vi­si­ons­auf­sicht. In ei­ner Mit­tei­lung steht: «Im Rah­men ei­ner Ad-hocÜber­prü­fung hat die RAB teil­wei­se er­heb­li­che Män­gel fest­ge­stellt. Die­se be­tref­fen ins­be­son­de­re die Prü­fungs­hand­lun­gen von KPMG zur Er­fas­sung der Sub­ven­tio­nen.»

Die KPMG hat­te sich im Früh­jahr auch auf den Stand­punkt ge­stellt, sie müs­se die Wirk­sam­keit ei­ner in­ter­nen Kon­trol­le nicht be­ur­tei­len. In je­der grös­se­ren Fir­ma ist die­se Kon­trol­le die ers­te In­stanz, um Be­trü­ge­rei­en zu ent­de­cken. Bei den Post­au­to­T­rick­se­rei­en ver­sag­te sie. Die KPMG er­klär­te wort­reich, sie sei nur «für die Be­stä­ti­gung der Exis­tenz ei­nes ge­eig­ne­ten Sys­tems», nicht aber «für die Prü­fung der Wirk­sam­keit des in­ter­nen Kon­troll­sys­tems» ver­ant­wort­lich. Auch hier wi­der­spricht die Auf­sicht: «Die er­heb­li­chen Män­gel be­tref­fen ins­be­son­de­re auch die Beur­tei­lung der Ar­bei­ten der post­in­ter­nen Re­vi­si­on.» Am meis­ten Zünd­stoff birgt aber der drit­te Be­fund der Re­vi­si­ons­auf­sicht. Er be­trifft den Plan der Post, un­recht­mäs­sig be­zo­ge­ne Sub­ven­tio­nen mit ei­ner Spe­zi­al­buch­hal­tung zu ver­schlei­ern. Er wur­de 2012 oder 2013 ge­fasst, als in­tern klar war, dass die bis­he­ri­ge Pra­xis auf­zu­flie­gen droh­te. Mit dem Pro­jekt Im­pre­sa woll­te Post­au­to ein ver­schach­tel­tes Netz von Toch­ter­fir­men in­stal­lie­ren, die ein­an­der Leis­tun­gen in Rech­nung ge­stellt hät­ten. So hät­te die Her­kunft von Sub­ven­tio­nen ver­schlei­ert wer­den kön­nen. Die Kon­zern­lei­tung der Post war im Bild, wie Mails zeig­ten, die der «Blick» pu­bli­zier­te.

Nun zeigt sich, dass die KPMG in die­ses Pro­jekt ein­ge­weiht war. In der Mit­tei­lung ges­tern steht: «Im Rah­men des Pro­jekts Im­pre­sa eva­lu­ier­te Post­au­to Schweiz un­ter Mit­wir­kung von KPMG, wie die Ge­win­ne aus Sub­ven­tio­nen aus dem Re­gio­nal­ver­kehr ge­si­chert wer­den kön­nen.» Auch in die­sem Punkt ver­sag­te die KPMG. «Die er­heb­li­chen Män­gel be­tref­fen ins­be­son­de­re auch die Beur­tei­lung mög­li­cher Ge­set­zes­ver­stös­se im Zu­sam­men­hang mit dem Pro­jekt Im­pre­sa», so die Auf­sicht.

KPGM ver­tei­digt Mit­ar­bei­ter

Die KPMG will die Be­fun­de nicht kom­men­tie­ren. Man ha­be «zu­kunfts­ge­rich­te­te Mass­nah­men in die We­ge ein­ge­lei­tet, um die Qua­li­tät zu stär­ken». Sie be­teu­ert aber, sie sei nur für ak­ti­en­recht­li­che Prü­fung zu­stän­dig ge­we­sen, nicht aber «für die Prü­fung der sub­ven­ti­ons­recht­li­chen Be­richt­er­stat­tung». Da­für sei das Bun­des­amt für Ver­kehr zu­stän­dig.

Die RAB hat ge­gen zwei Buch­prü­fer der KPMG ein Ver­fah­ren er­öff­net, das zei­gen soll, ob sie «noch Ge­währ für ei­ne ein­wand­freie Prüf­tä­tig­keit bie­ten». Die­se dis­tan­ziert sich nicht: «Wir un­ter­stüt­zen sie bei der Wah­rung ih­rer In­ter­es­sen.»

Die Post sag­te, sie se­he sich be­stärkt dar­in, die Re­vi­si­ons­ge­sell­schaft zu wech­seln. Ver­ant­wor­tungs­und Haf­tungs­kla­gen wür­den ge­prüft. Ei­ne in die Un­ter­su­chung ein­ge­weih­te Per­son sag­te, an der Buch­prü­fung der Post­au­to AG hät­ten «nicht die bes­ten Leu­te ge­ar­bei­tet, weil die Re­vi­si­on ein Un­ter­neh­men be­traf, das laut Re­vi­si­ons­auf­sichts­ge­setz nicht von öf­fent­li­chem In­ter­es­se» sei.

Fo­to: Re­to Oesch­ger

Als die Post prüf­te, wie sie die Ge­win­ne aus Sub­ven­tio­nen im Re­gio­nal­ver­kehr si­chern kann, wirk­te die KMPG mit.

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