Jetzt macht die So­zi­al­ar­beit de­fi­ni­tiv Schu­le

Rogg­wil Die Ge­mein­de setzt ab 2019 auf ei­ne re­gio­na­le Schul­so­zi­al­ar­beit. An­dern­orts be­reits be­schlos­sen, hat die Ju­gend­ar­beit ihr neu­es An­ge­bot auch der Stadt of­fe­riert.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseite - Kath­rin Holzer

Rogg­wil Mit dem Pro­jekt Scho­ki­to hat Rogg­wil schon 2017 den ers­ten Schritt Rich­tung Schul­so­zi­al­ar­beit ge­tan. Nach Ablauf des Pi­lots schafft die Ge­mein­de jetzt ei­ne fi­xe 35­Pro­zent­Stel­le für die Schul­so­zi­al­ar­beit. Wo­bei sich die Rogg­wi­ler ein neu­es, re­gio­na­les An­ge­bot der of­fe­nen Kin­der­ und Ju­gend­ar­beit Obe­ra­ar­gau (Tok­jo) zu­nut­ze ma­chen, das 2019 ver­suchs­wei­se auch Lot­z­wil und Ma­dis­wil ein­füh­ren wer­den.

«Die Zei­ten ha­ben sich ge­än­dert», mahn­te Bil­dungs­kom­mis­si­ons­prä­si­dent Adri­an Glur (SVP) al­le An­we­sen­den, de­ren ei­ge­ne Schul­zeit schon ein paar Jah­re oder gar Jahr­zehn­te zu­rück­liegt. Dass Leh­rer, Schü­ler und auch El­tern zu­wei­len auf die Hil­fe von Fach­kräf­ten an­ge­wie­sen sind, strei­tet seit den Mob­bing­vor­fäl­len vor drei Jah­ren oh­ne­hin kaum noch ei­ner ab in Rogg­wil. Wohl auch dar­an mag es ge­le­gen ha­ben, dass die Schul­so­zi­al­ar­beit am Mon­tag­abend kei­ner­lei Dis­kus­sio­nen aus­lös­te in der gut ge­füll­ten Au­la. Mit nur ei­ner Ge­gen­stim­me ha­ben die 98 an­we­sen­den Stimm­be­rech­tig­ten de­ren Ein­füh­rung durch­ge­winkt.

Be­reits per 1. Ja­nu­ar wird die re­gio­na­le Schul­so­zi­al­ar­beit als neu­es An­ge­bot des Trä­ger­ver­eins of­fe­ne Kin­der- und Ju­gend­ar­beit Obe­ra­ar­gau (Tok­jo) ih­ren Be­trieb auf­neh­men im Dorf. Mit ei­nem An­stel­lungs­pen­sum von 35 Pro­zent wird ei­ne Fach­per­son fix vor Ort sein, um Schü­ler, Lehr­kräf­te und El­tern zu be­ra­ten, prä­ven­tiv Ein­fluss zu neh­men und auch als Ver­mitt­le­rin zu wir­ken. Die jähr­lich wie­der­keh­ren­den Kos­ten für die Ge­mein­de mit ih­ren zwei Schul­häu­sern und gut 370 Schul­kin­dern be­lau­fen sich auf 28 320 Fran­ken. Es sei ei­ne wei­te­re In­ves­ti­ti­on ins Bil­dungs­we­sen, die sich aber zwei­fels­frei loh­nen wer­de, zeig­te sich Adri­an Glur vom Nut­zen über­zeugt. Zu­mal man in Rogg­wil mit der Ein­füh­rung der Schul­so­zi­al­ar­beit nicht gänz­lich neu­es Ter­rain be­tritt.

Schon im Früh­ling 2017 hat die Ge­mein­de ge­mein­sam mit Wy­nau und Aar­wan­gen Scho­ki­to lan­ciert: ein Ko­ope­ra­ti­ons­pro­jekt von Tok­jo und der Schoi­oFa­mi­li­en­hil­fe in Lan­gen­thal. Ver­tre­ter der Fach­stel­len fan­den sich seit­her re­gel­mäs­sig auf den Schul­hausarea­len ein als An­sprech­per­so­nen für die Kin­der und Ju­gend­li­chen. In Rogg­wil und Wy­nau kam zu­dem ei­ne ge­ziel­te Un­ter­stüt­zung auch für die Lehr­per­so­nen und die Schul­lei­tung hin­zu. «Das zwei­jäh­ri­ge Pi­lot­pro­jekt hat sei­ne Wir­kung nicht ver­fehlt», so Glur. Wäh­rend Wy­nau und vor­aus­sicht­lich auch Aar­wan­gen wei­ter­hin auf Scho­ki­to set­zen, hat sich der Rogg­wi­ler Ge­mein­de­rat aber ein­stim­mig

«Das zwei­jäh­ri­ge Pi­lot­pro­jekt Scho­ki­to hat sei­ne Wir­kung nicht ver­fehlt.» Adri­an Glur Ge­mein­de­rat.

für das neue An­ge­bot von Tok­jo ent­schie­den.

Auch Ma­dis­wil an Bord

Die Va­ri­an­te Scho­ki­to mit zwei in­vol­vier­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen wä­re für Rogg­wil mit jähr­lich 42 000 Fran­ken nicht nur deut­lich teu­rer aus­ge­fal­len. Es war vor al­lem auch der re­gio­na­le An­satz, den Glur beim neu­en Mo­dell als grosses Plus her­vor­hob. So kön­nen die In­fra­struk­tur­kos­ten für die Ge­mein­de an­ge­sichts der vor­han­de­nen Bü­ro­räum­lich­kei­ten von Tok­jo auf ei­nem Mi­ni­mum ge­hal­ten wer­den. Ge­ra­de ein­mal 1000 Fran­ken wer­den vor­aus­sicht­lich an­fal­len für das Um­nut­zen ei­nes vor­han­de­nen Grup­pen­raums als Be­ra­tungs­zim­mer und den Kauf ei­nes Dru­ckers für Do­ku­men­te mit sen­si­blen Da­ten. Auch er­mög­li­che die re­gio­na­le Di­enst­leis­tung von Tok­jo ein ra­sches Han­deln im Ernst­fall, ver­wies Glur auf an­de­re Dör­fer, die das neue An­ge­bot eben­falls nut­zen. «Wenns wie­der mal brennt, kön­nen wir Fach­leu­te aus den Nach­bar­ge­mein­den bei­zie­hen.»

Tat­säch­lich hät­ten wei­te­re Ge­mein­den be­reits be­schlos­sen, von der Schul­so­zi­al­ar­beit von Tok­jo Ge­brauch zu ma­chen, be­stä­tigt Stel­len­lei­ter Tho­mas Bert­schin­ger. So kommt die­se ab Ja­nu­ar auch in der Schul­ge­mein­de Lot­z­wil und ab Au­gust eben­so in Ma­dis­wil zur An­wen­dung – bei­der­orts vor­erst in ei­nem zwei­jäh­ri­gen Pi­lot, wes­halb die Be­schlüs­se dort in der Kom­pe­tenz der Ge­mein­de­rä­te la­gen. Was Ma­dis­wil be­trifft, be­deu­tet die Ein­füh­rung der Schul­so­zi­al­ar­beit zu­gleich ei­ne Aus­wei­tung des Tok­jo-Wir­kungs­be­reichs: Die Ge­mein­de ist an­ders als Rogg­wil und Lot­z­wil nicht Trä­ge­rin der re­gio­na­len Ju­gend­ar­beit.

In Be­ar­bei­tung beim Abi­kus

Of­fen ist, in­wie­fern die re­gio­na­le Schul­so­zi­al­ar­beit auch für Lan­gen­thal ei­ne Lö­sung sein könn­te. Das The­ma ist in der Stadt be­kannt­lich hef­tig um­strit­ten. Nach­dem sich das Par­la­ment 2012 für die Ein­füh­rung ei­ner Schul­so­zi­al­ar­beit aus­ge­spro­chen hat­te, wur­den die­se Plä­ne von den zwi­schen­zeit­lich er­stark­ten bür­ger­li­chen Frak­tio­nen be­reits 2013 wie­der ver­wor­fen. Erst letz­ten Früh­ling hat man sich schliess­lich auf ei­ne «Ent­las­tung der Lehr­kräf­te» bei der Be­glei­tung schwie­ri­ger Schul­kin­der ge­ei­nigt, in de­ren Vor­der­grund ei­ne bes­se­re Nut­zung be­reits be­ste­hen­der An­ge­bo­te ste­hen soll.

Tok­jo ha­be der Stadt so­wohl das Mo­dell Scho­ki­to als auch die neue re­gio­na­le Schul­so­zi­al­ar­beit of­fe­riert, sagt Stel­len­lei­ter Bert­schin­ger. Es lie­ge nun am Amt für Bil­dung, Kul­tur und Sport, das wei­te­re Vor­ge­hen zu de­fi­nie­ren. Die Krux dürf­te sein, dass die Um­set­zung in Lan­gen­thal ge­mäss Par­la­ments­be­schluss bud­get­neu­tral er­fol­gen muss. Der

po­li­ti­sche Auf­trag wer­de der­zeit be­ar­bei­tet, sagt Amts­vor­ste­her Da­ni­el Ott.

Wei­ter ist man dies­be­züg­lich in Hutt­wil, wo sich die Exe­ku­ti­ve letz­te Wo­che für die Ein­füh­rung ei­nes drei­jäh­ri­gen Pi­lot­pro­jekts spä­tes­tens ab 1. Ja­nu­ar 2020 aus­ge­spro­chen hat (wir be­rich­te­ten). Hand­lungs­be­darf sieht man aber auch in den an­de­ren bei­den Sub­zen­tren der Re­gi­on. Nach­dem in Her­zo­gen­buch­see die Ein­füh­rung der Schul­so­zi­al­ar­beit auf­grund fi­nan­zi­el­ler Über­le­gun­gen in der Ver­gan­gen­heit mehr­mals zu­rück­ge­stellt wor­den war, hat der Ge­mein­de­rat Mit­te No­vem­ber ei­nem ent­spre­chen­den Pro­jekt­kre­dit nun zu­ge­stimmt. Eben­so in Nie­der­bipp steht die Schul­so­zi­al­ar­beit mitt­ler­wei­le weit oben auf der po­li­ti­schen Trak­tan­den­lis­te, wie Bil­dungs­kom­mis­si­ons­prä­si­dent Chris­toph Mey­er (FDP) be­stä­tigt. Ei­ne ent­spre­chen­de Ar­beits­grup­pe be­fin­de sich im Auf­bau.

Fo­to: Ste­fan An­de­regg

Auch Prä­ven­ti­on ist Be­stand­teil der klas­si­schen Schul­so­zi­al­ar­beit, wie sie et­wa in It­ti­gen längst im Schul­all­tag in­te­griert ist.

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