Die 180-Pro­zent Frau

Chris­ti­ne Has­ler ist so er­folg­reich als Thea­ter­mu­si­ke­rin, dass sie ihr De­büt­al­bum als Lia Sells Fish im­mer wie­der ver­schiebt. Bald soll es so weit sein. Vor­her macht sie noch die Mu­sik zum Weih­nachts­mär­chen im Stadt­thea­ter Bern.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Sport - Ma­ri­na Bolz­li

Ein Kaf­fee liegt noch drin. Dann ist Schluss für heu­te. Chris­ti­ne Has­ler (31) ist streng zu sich. «Wenn ich nach 15 Uhr noch Kaf­fee trin­ke, kann ich abends nicht schla­fen», sagt sie. Und schla­fen muss sie, denn sie hat viel zu tun, so viel, dass sie ganz hib­be­lig ist. Die End­pro­ben zum Weih­nachts­mär­chen im Ber­ner Stadt­thea­ter ste­hen an, «Don­key der Schot­te und das Pferd, das sich Ro­sie nann­te» heisst das Stück, ge­schrie­ben hat es das Au­to­ren­paar Aria­ne von Graf­fen­ried und Mar­tin Bie­ri, die Mu­sik stammt von Has­ler. «Die gröss­te Her­aus­for­de­rung war, dass die Lied­tex­te deutsch sein muss­ten. Ich drü­cke mich sonst eher vor dem Deut­schen», sagt sie, die sonst nur Eng­lisch singt, und lacht ihr an­ste­cken­des La­chen.

Über­haupt ist al­les an die­ser Frau an­ste­ckend, ihr La­chen, ihr Über­mut, ih­re Be­geis­te­rung. Und ih­re Mu­sik. Als Lia Sells Fish ist sie seit zehn Jah­ren un­ter­wegs, er­folg­reich, ei­gent­lich, ih­re Songs sind fra­gil, be­tö­rend und manch­mal auch ver­stö­rend. Wer sie ein­mal ge­hört hat, will mehr da­von. Doch noch nie gab es ein Al­bum. Im­mer wie­der hat sie eins an­ge­kün­digt, jetzt auch. «Nächs­ten Früh­ling kommt das ers­te Al­bum raus, dies­mal wirk­lich», sagt sie und lacht, «es ist schon in der Plat­ten­pres­se».

Mit Freund und Hund

Chris­ti­ne Has­ler, die al­le Ch­ri­ge nen­nen, hat ei­gent­lich nur Mu­sik im Sinn. Trotz­dem fing sie im Gym­na­si­um in So­lo­thurn erst ein­mal mit Schau­spie­lern an. «Auch da mach­te ich ei­gent­lich Thea­ter­mu­sik, ich mein­te nur, ich schau­spie­le­re.» Sie schlug dann di­ver­se Um­we­ge ein, un­ter an­de­rem jobb­te sie in ei­nem Irish Pub in Ba­sel. Schliess­lich mach­te sie den Ba­che­lor in Me­di­en­kunst in Bern – und blieb der Stadt seit­her treu. Im Brei­ten­rain wohnt sie mit Freund und Hund, ei­nem zwei­jäh­ri­gen Schä­fer, der täg­lich drei St­un­den Be­we­gung braucht. Die drei le­ben in ei­ner Woh­nung mit Stu­dio, und prak­ti­scher­wei­se spielt Chris­ti­ne Has­lers Freund Stefan Schisch­ ka­nov auch noch gleich in ih­rer Band.

Aus­ge­las­tet und frei

Des­halb ist Chris­ti­ne Has­ler hib­be­lig. So vie­le Pro­jek­te, An­fra­gen schon bis ins Jahr 2020, die Pre­mie­re am Ber­ner Stadt­thea­ter, das ers­te Mal Mu­sik für ein sol­ches Haus, da­bei war sie als Thea­ter­mu­si­ke­rin schon in Nürn­berg, in Me­xi­ko, in Por­to. Aber in der Schweiz am Stadt­thea­ter noch nie. «Zwei­mal muss­te ich ab­sa­gen», sagt sie jetzt, ganz di­rekt und un­be­schei­den, «weil ich schon für an­de­re Pro­jek­te zu­ge­sagt hat­te.» Als Frei­schaf­fen­de sei es so: «Ent­we­der du hast kei­ne Pro­jek­te und es ste­hen auch kei­ne an, oder du hast vie­le Pro­jek­te und es kom­men noch mehr.» Null oder 180 Pro­zent, nichts da­zwi­schen.

Auch das passt zu die­ser Frau, die ver­mut­lich gar nicht an­ders sein könn­te als frei­schaf­fend. «Ich kann kei­nen fes­ten Job ha­ben», sagt sie. Im Som­mer lei­tet sie in den Ber­gen ein Fe­ri­en­camp für Kin­der, an­sons­ten sind es Mu­sik­pro­jek­te. «Ich kann mich nicht be­kla­gen: Ich ver­die­ne mit dem, was ich ger­ne ma­che, mein Geld», sagt sie. Und die Thea­ter­ar­beit ma­che Spass. «Ich lie­be Ge­schich­ten. Und Theater ist schliess­lich ein­fach ei­ne an­de­re Er­zähl­form als Mu­sik.» Zu­dem kön­ne sie sich aus­to­ben, auch im Weih­nachts­mär­chen fürs Stadt­thea­ter wie­der. «Jetzt ha­be ich ge­ra­de ein Bal­kan­stück ge­schrie­ben und da­zu ru­mä­nisch ge­sun­gen, ich mei­ne, ich hät­te nie ge­dacht, dass ich mal ein Bal­kan­stück schrei­ben wür­de. Aber es hat mich ge­flasht.»

Am liebs­ten hat Chris­ti­ne Has­ler freie Hand. Auch bei ih­rer ei­ge­nen Mu­sik. Ein Haupt­grund, war­um Lia Sells Fish noch nie ein Al­bum ver­öf­fent­lich­te, ist, dass sie nie das Ge­fühl hat­te, die rich­ti­ge Band da­für zu ha­ben. Jetzt hat sie sie. «Das Bier nach der Band­pro­be zahl­te im­mer ich, weil sie ja für mich spiel­ten. Ir­gend­wann sag­ten sie: ‹Ch­ri­ge, es ist okay, du musst nicht mehr zah­len, wir sind ei­ne Band.›»

Pre­mie­re Weih­nachts­mär­chen: Fr, 7. 12., 10 Uhr, Stadt­thea­ter Bern.

«Ent­we­der du hast kei­ne Pro­jek­te und es ste­hen auch kei­ne an, oder du hast vie­le und es kom­men noch mehr.»

Chris­ti­ne Has­ler

Fo­to: Beat Ma­thys

Al­les an Chris­ti­ne Has­ler ist an­ste­ckend: Ihr La­chen, ihr Über­mut, ih­re Be­geis­te­rung.

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