So kann der Ber­ner Bär sei­ne fi­nan­zi­el­len Fes­seln lo­ckern

Fi­nanz­po­li­tik ist im Kan­ton Bern ein har­tes Pflas­ter. Das hat die an der Ur­ne ab­ge­lehn­te Steu­er­sen­kung ein­mal mehr ge­zeigt. Den­noch gibt es Hand­lungs­spiel­raum.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseite - San­dra Rut­schi

Nach dem Nein des Stimm­volks zur Steu­er­ge­setz­re­vi­si­on be­hält der Kan­ton Bern sei­ne re­kord­ho­hen Steu­ern für ge­winnstar­ke Fir­men. Und ze­men­tiert da­mit das Bild des Kan­tons, der sei­ne Steu­er­zah­ler schröpft.

Es ist aber nicht nur ein Image, son­dern Tat­sa­che: Berns Fi­nanz­kraft liegt fünf Pro­zent un­ter dem Schwei­zer Durch­schnitt. Um mit­hal­ten zu kön­nen, muss der Kan­ton noch haus­häl­te­ri­scher mit sei­nen Mit­teln um­ge­hen, als er es eh schon macht.

Da­bei gibt es in der Ber­ner Fi­nanz­po­li­tik vie­le Bau­stel­len, die sich ge­gen­sei­tig blo­ckie­ren. So sind die Steu­ern nicht nur für ge­winnstar­ke Fir­men, son­dern auch für Pri­vat­per­so­nen sehr hoch. Wich­ti­ge In­ves­ti­tio­nen wie et­wa den Fach­hoch­schul­cam­pus in Bern kann der Kan­ton sich nur leis­ten, wenn er sich neu ver­schul­det. Da­bei sind die Schul­den be­reits be­trächt­lich. Und trotz Spar­pa­ke­ten wach­sen die Aus­ga­ben kon­ti­nu­ier­lich.

Um die­sen gor­di­schen Kno­ten zu lö­sen, gibt es kein ein­fa­ches Re­zept. Aber im­mer­hin po­li­ti­schen Spiel­raum. «Die bei­den Po­le im Kan­ton Bern blo­ckie­ren sich. Die ei­ne Hälf­te will par­tout nicht spa­ren, die an­de­re un­be­dingt die Steu­ern sen­ken», sagt EVP-Gross­rat Hans Kip­fer (Münsin­gen). Er hofft, dass das Nein an der Ur­ne die Kom­pro­miss­be­reit­schaft ver­bes­sert. Und Micha­el Köpf­li (GLP, Woh­len) ap­pel­liert an die zahl­lo­sen In­ter­es­sen­grup­pen im weit­läu­fi­gen Kan­ton, das gros­se Gan­ze im Au­ge zu be­hal­ten.

Man­che Kno­ten sind so ver­wor­ren, dass sie fes­ter wer­den, so­bald man an ei­nem Seil zieht. Der Gor­di­sche Kno­ten, so heisst es in der grie­chi­schen Sa­ge, ver­band die Deich­sel des Streit­wa­gens des phry­gi­schen Kö­nigs Gor­di­os mit dem Zug­joch. Und er war so kunst­voll ge­knüpft, dass nie­mand ihn lö­sen konn­te.

Ähn­lich ver­zwickt ist zur­zeit die ber­ni­sche Fi­nanz­po­li­tik. Das zeigt et­wa die Ab­stim­mung vom 25. No­vem­ber, an der das Ber­ner Stimm­volk ei­ne Steu­er­sen­kung für Fir­men ab­lehn­te. Die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on in Bern ist auch ab­ge­se­hen da­von ein kom­ple­xes Klün­gel: Trotz Spar­pa­ke­ten wach­sen die Aus­ga­ben, gleich­zei­tig sind die Steu­ern sehr hoch. Wich­ti­ge In­ves­ti­tio­nen ste­hen an, doch der Kan­ton hat ei­gent­lich zu vie­le Schul­den, als dass er sich die­se leis­ten könn­te. Und dar­über hin­aus er­hält Bern künf­tig we­ni­ger Geld aus dem na­tio­na­len Fi­nanz­aus­gleich. Ab 2020 wer­den es 45 Mil­lio­nen Fran­ken we­ni­ger sein. Da­nach gibt es je­des Jahr we­ni­ger Geld, bis der Be­trag 2026 schliess­lich um 140 Mil­lio­nen Fran­ken ge­kürzt ist.

Das sind düs­te­re Aus­sich­ten für ei­nen Kan­ton, der fi­nan­zi­ell be­reits eng drin ist. In fünf Be­rei­chen ist der Hand­lungs­be­darf be­son­ders gross: bei den Fir­men­steu­ern, den Ein­kom­mens­steu­ern, dem Aus­ga­ben­wachs­tum, bei den Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen und bei den In­ves­ti­tio­nen. Wer an die­sen Sei­len des gor­di­schen Kno­tens zieht, be­ein­flusst auch die an­de­ren Stri­cke.

Seil 1:

Die Fir­men­steu­ern

Mit der Steu­er­sen­kung für ge­winnstar­ke Fir­men ver­such­ten Re­gie­rung und Gros­ser Rat, ei­nes der Sei­le des Fi­nanz­kno­tens zu lo­ckern. Das Stimm­volk hat sie zu­rück­ge­pfif­fen. Das bringt den Vor­teil, dass künf­tig 103 Mil­lio­nen Fran­ken mehr in der Kas­se sind als ge­plant. Fi­nanz­di­rek­to­rin Bea­tri­ce Si­mon (BDP) sag­te im In­ter­view mit die­ser Zei­tung, dass da­durch vi­el­leicht ein wei­te­res Ent­las­tungs­pa­ket im Zu­sam­men­hang mit dem feh­len­den Geld aus dem Fi­nanz­aus­gleich ent­fällt.

Der Ent­scheid hat aber auch den Nach­teil, dass Bern für fi­nanz­star­ke Fir­men im Ver­gleich zu an­de­ren Kan­to­nen un­at­trak­tiv bleibt. Ei­ni­ge Fir­men prü­fen nun zu­min­dest ei­nen Teil­um­zug. Was schlimms­ten­falls tie­fe­re Steu­er­ein­nah­men zur Kon­se­quenz hät­te.

Kommt hin­zu, dass die Be­steue­rung für Fir­men wei­ter­hin ein Brenn­punkt bleibt: Wenn das Re­fe­ren­dum zu­stan­de kommt, ent­schei­det die Schwei­zer Stimm­be­völ­ke­rung nächs­tes Jahr über die Steu­er- und AHV-Vor­la­ge des Bun­des. Mit der Vor­la­ge wür­de die Schweiz auf in­ter­na­tio­na­len Druck hin Steu­er­pri­vi­le­gi­en für in­ter­na­tio­nal tä­ti­ge Fir­men auf­he­ben. Der Kan­ton Bern nimmt zwar re­la­tiv we­ni­ge Steu­er­er­trä­ge von sol­chen Un­ter­neh­men ein. Doch der Steu­er­wett­be­werb un­ter den Kan­to­nen dürf­te sich da­durch wei­ter ver­schär­fen, Bern noch wei­ter zu­rück­rut­schen. Zur­zeit liegt er auf dem viert­letz­ten Platz.

Für bür­ger­li­che Fi­nanz­po­li­ti­ker sind tie­fe­re Fir­men­steu­ern des­halb nicht vom Tisch. Sie nen­nen aber an­de­re An­sät­ze. Micha­el Köpf­li (GLP, Woh­len) könn­te sich ei­ne Er­hö­hung der im Kan­ton Bern seit der Volks­ab­stim­mung von 2012 sehr tie­fen Mo­tor­fahr­zeug­steu­ern vor­stel­len, um die tie­fe­ren Ge­winn­steu­ern bes­ser ge­gen­zu­fi­nan­zie­ren.

Ei­nen ent­spre­chen­den Vor­schlag hat der Gros­se Rat letz­tes Jahr zwar ab­ge­lehnt. Nun liegt die For­de­rung aber wie­der­um als Mo­ti­on auf dem Tisch – ge­schrie- ben von Ver­tre­tern von GLP, BDP und FDP.

Seil 2:

Die Ein­kom­mens­steu­ern

«Wir müs­sen ge­samt­haft im Steu­er­be­reich et­was ma­chen», fin­det hin­ge­gen Da­ni­el Bich­sel (SVP, Zol­lik­ofen), Prä­si­dent der Fi­nanz­kom­mis­si­on (Fi­ko). Denn auch bei den Ein­kom­mens­steu­ern liegt Bern in den hin­ters­ten Rän­gen – was mit ein Grund da­für sein könn­te, dass das Stimm­volk tie­fe­re Fir­men­steu­ern ab­ge­lehnt hat. Das Par­la­ment hat denn auch ei­nen Vor­stoss über­wie­sen, der ei­ne Steu­er­sen­kung für na­tür­li­che Per­so­nen for­dert.

Es gä­be ei­ne re­la­tiv sim­ple Mög­lich­keit, die Steu­ern im Kan­ton Bern zu sen­ken: Im Rah­men des Vor­an­schlags könn­te der Kan­ton je­des Jahr sei­ne Steu­er- an­la­ge an­pas­sen – so, wie dies die Ge­mein­den tun. «Der Ent­scheid kä­me nicht an die Ur­ne, und er hät­te kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Ge­mein­den», sagt Bich­sel. «Aber man woll­te in Bern bis­her im­mer ge­zielt ei­ne In­ter­es­sen­grup­pe be­güns­ti­gen.» Zu­letzt hat der Kan­ton Bern 2008 die An­la­ge von 3,06 auf 2,96 ge­senkt. Seit 2009 liegt sie nun wie­der bei 3,06.

«Ei­ne län­ger­fris­ti­ge Sen­kung wä­re bes­ser. Und kaum ei­ne Pri­vat­per­son hat da­mals wirk­lich et­was von die­ser Steu­er­sen­kung ge­spürt», sagt Béatri­ce Stucki (SP, Bern), die Vi­ze­prä­si­den­tin der Fi­ko.

«Da­zu hät­te der Kan­ton die Steu­ern tie­fer sen­ken müs­sen. Und das kann er sich nicht leis­ten, denn wir ha­ben ein Ein­nah­me­pro­blem.» Mit di­ver­sen Steu­er­sen­kun­gen – et­wa bei den Mo­tor­fahr­zeug- oder den Hand­än­de­rungs­steu­ern – hät­ten Par­la­ment und Stimm­be­völ­ke­rung dem Kan­ton Bern Mit­tel ent­zo­gen. «Es ist un­säg­lich, dass die Bür­ger­li­chen wei­ter­hin Steu­er­sen­kun­gen ver­lan­gen.»

Das Grund­pro­blem: Ge­ne­rell liegt die Fi­nanz­kraft Berns trotz ho­her Steu­ern 5 Pro­zent un­ter dem Schwei­zer Durch­schnitt. Zwar ar­bei­tet der Kan­ton schon heu­te güns­ti­ger als ver­gleich­ba­re Kan­to­ne. Um mit dem Durch­schnitt mit­hal­ten zu kön­nen, müss­te er aber noch haus­häl­te­ri­scher mit sei­nen Mit­teln um­ge­hen, wie ei­ne Stu­die des Wirt­schafts­in­sti­tuts BAK Ba­sel im Rah­men des letz­ten Spar­pa­kets zeig­te.

Kommt hin­zu, dass Bern so­wohl öko­no­misch als auch de­mo­gra­fisch we­ni­ger stark wächst als an­de­re Kan­to­ne und so

«Es ist un­säg­lich, dass die Bür­ger­li­chen wei­ter­hin Steu­er­sen­kun­gen für Un­ter­neh­men ver­lan­gen.»

Béatri­ce Stucki (SP, Bern) Vi­ze­prä­si­den­tin der Fi­nanz­kom­mis­si­on

schlei­chend wei­ter ins Hin­ter­tref­fen ge­rät.

Seil 3:

Die Aus­ga­ben

Der Kan­ton hat aber nicht nur ein Ein­nah­me-, son­dern auch ein Aus­ga­ben­pro­blem. Im Ver­gleich zu 2010 wird er 2020 vor­aus­sicht­lich 1,2 Mil­li­ar­den Fran­ken mehr aus­ge­ben, wie die Re­gie­rung eben­falls im Rah­men des Spar­pa­kets dar­leg­te. Für 2019 ist ein Auf­wand von 11,3 Mil­li­ar­den Fran­ken bud­ge­tiert, 2022 sol­len es be­reits 11,6 Mil­li­ar­den sein.

Viel Hand­lungs­spiel­raum hat der weit­läu­fi­ge Kan­ton mit sei­nen ho­hen In­fra­struk­tur­kos­ten al­ler­dings nicht: Ihm macht vor al­lem die de­mo­gra­fi­sche Ent­wick­lung zu schaf­fen. Mehr als drei Vier­tel des Aus­ga­ben­wachs­tums fal­len in vier Be­rei­chen an: bei den An­ge­bo­ten für Men­schen mit ei­nem Pfle­ge-, Be­treu­ungs­oder be­son­de­ren Bil­dungs­be­darf, bei der Spi­tal­ver­sor­gung, bei der Volks­schu­le so­wie beim öf­fent­li­chen Ver­kehr. «Wenn es mehr So­zi­al­hil­fe- und Er­gän­zungs­leis­tungs­be­zü­ger gibt, kann auch die Re­gie­rung nichts ge­gen hö­he­re Aus­ga­ben un­ter­neh­men», sagt Da­ni­el Bich­sel. Al­ler­dings gel­te es, je­den Be­reich kri­tisch zu hin­ter­fra­gen.

Das mach­te die Re­gie­rung im Rah­men des letz­ten Spar­pa­kets. Sie schlug et­li­che Mass­nah­men in den stark wach­sen­den Be­rei­chen vor. Al­ler­dings schmerzt es, dort zu spa­ren. Oder beim Per­so­nal, für das der Kan­ton im­mer mehr Geld aus­gibt, das aber im Ver­gleich zu an­de­ren öf­fent­li­chen Ver­wal­tun­gen oder zu Lehr­kräf­ten in an­de­ren Kan­to­nen noch im­mer Lohn­rück­stän­de hat.

Seil 4:

Die Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen

Spa­ren und ver­zich­ten schmerzt vor al­lem, wenn es ei­nen sel­ber trifft. Da stel­len sich die Ber­ne­rin­nen und Ber­ner im­mer wie­der sel­ber ein Bein. «Die bei­den Po­le im Kan­ton Bern blo­ckie­ren sich. Die ei­ne Hälf­te will par­tout nicht spa­ren, die an­de­re un­be­dingt die Steu­ern sen­ken», sagt Hans Kip­fer (EVP, Münsin­gen). Er stell­te bei der letzt­jäh­ri­gen Fi­nanz­de­bat­te Kom­pro­miss­an­trä­ge, kam da­mit aber nicht durch.

Nicht nur die Po­le, son­dern auch die im gros­sen Kan­ton zahl­rei­chen und sehr un­ter­schied­li­chen Re­gio­nen wür­den ei­ne wich­ti­ge Rol­le spie­len, fin­det GLP-Gross­rat Köpf­li. «Es gibt übe­r­all klei­ne, aber gut or­ga­ni­sier­te Lob­bys, die sich ge­gen­sei­tig un­ter­stüt­zen.» Er denkt an Grund­buch­äm­ter im Ober­land, die Kleinst­ge­mein­den oder auch an die Land­wirt­schaft, die dann je­weils vom Spar­ham­mer ver­schont blei­ben. «Es herrscht das Prin­zip: Hilfst du mir bei den Gel­dern fürs Schloss Burg­dorf, helf ich dir bei dei­ner Gar­ten­bau­schu­le.» Vor al­lem die Bür­ger­li­chen müss­ten hier ih­re In­ter­es­sen zu­rück­stel­len, fin­det Köpf­li, der in fi­nanz­po­li­ti­schen Fra­gen sonst meis­tens auf der Sei­te der Bür­ger­li­chen steht.

Das gel­te auch bei den Steu­ern. Hier sei­en die Mo­tor­fahr­zeug­steu­er und die Hand­än­de­rungs­steu­er ge­senkt und bei der Neu­be­wer­tung der Lie­gen­schaf­ten ein sehr tie­fer Re­fe­renz­wert ein­ge­setzt wor­den. «Aber nie­mand zieht des­we­gen nach Bern. Viel­mehr nimmt es uns den Hand­lungs­spiel­raum, dort et­was zu un­ter­neh­men, wo es wirk­lich wich­tig ist und wahr­ge­nom­men wird: bei den Ein­kom­mens- und Ge­winn­steu­ern.»

Seil 5:

Die In­ves­ti­tio­nen

Es gibt an­de­re We­ge als die Steu­ern, ei­nen Kan­ton at­trak­tiv zu hal­ten. Le­bens­qua­li­tät, gu­te Schu­len und in­ter­es­san­te Jobs ge­hö­ren da­zu. Da will Bern vor­wärts­ma­chen: Über 300 In­ves­ti­tio­nen ste­hen in den nächs­ten Jah­ren an. Dar­un­ter sind Gross­pro­jek­te wie der Fach­hoch­schul­cam­pus in Bern und der Bil­dungs­cam­pus Burg­dorf, die Ver­kehrs­sa­nie­run­gen im Em­men­tal und im Obe­ra­ar­gau oder die Bau- ten für den Me­di­zi­nal­stand­ort Bern. Laut Fi­nanz­di­rek­to­rin Si­mon feh­len für die bis 2028 ge­plan­ten In­ves­ti­tio­nen 500 bis 700 Mil­lio­nen Fran­ken.

Das Pro­blem: Der Kan­ton hat zu ho­he Schul­den, um neue ma­chen zu dür­fen. Denn sei­ne In­ves­ti­ti­ons­rech­nung kennt ei­ne re­la­tiv ri­go­ro­se Schul­den­brem­se. Um sich neu ver­schul­den zu dür­fen, muss der Kan­ton ei­ne Schul­den­quo­te von un­ter 12 Pro­zent auf­wei­sen. Ak­tu­ell sind es 16,1 Pro­zent. Das heisst, er müss­te die in der Rech­nung an­fal­len­den und nicht selbst fi­nan­zier­ten In­ves­ti­tio­nen in den Bud­gets der kom­men­den Jah­re kom­pen­sie­ren. Mit ei­nem Fonds möch­te die Re­gie­rung Geld bei­sei­te­stel­len, um dies zu er­mög­li­chen. Doch die Mehr­heit des Gros­sen Ra­tes äus­ser­te sich in der letz­ten Ses­si­on sehr kri­tisch ge­gen­über dem «Spe­zi­al­käs­se­li» und ver­hin­der­te, dass 55 Mil­lio­nen Fran­ken der Na­tio­nal­bank für die­sen re­ser­viert wer­den.

Ei­ne Be­für­wor­te­rin war Béatri­ce Stucki. «Ein Fonds ist der ein­zi­ge Weg, Gel­der zweck­ge­bun­den zu re­ser­vie­ren, um not­wen­di­ge In­ves­ti­tio­nen fi­nan­zie­ren zu kön­nen.» Ih­re Par­tei wä­re auch be­reit, die Schul­den­brem­se zu lo­ckern. Et­wa in­dem man die­se län­ger­fris­tig an­le­gen und die Kom­pen­sa­ti­on über ei­ne län­ge­re Zeit er­stre­cken wür­de. Mög­lich wä­re be­reits heu­te, im Nach­hin­ein bei den je­wei­li­gen Rech­nun­gen mit ei­ner Drei­fünf­tel­mehr­heit auf ei­ne Kom­pen­sa­ti­on der feh­len­den Fi­nan­zie­rung zu ver­zich­ten und so neue Schul­den in Kauf zu neh­men. «Aber die bür­ger­li­che Mehr­heit wür­de da nie­mals mit­ma­chen. Dar­an ha­be ich den Glau­ben ver­lo­ren», sagt sie.

Al­ler­dings sind so­wohl Da­ni­el Bich­sel als auch Micha­el Köpf­li emp­fäng­lich, über ei­ne An­pas­sung zu de­bat­tie­ren. «Es wä­re sinn­voll, die Schul­den­brem­se ei­ner Mehr­jah­res­be­trach­tung zu un­ter­wer­fen», sagt Bich­sel. Da­zu braucht es al­ler­dings ei­ne Ver­fas­sungs­än­de­rung. Und er hat Ver­ständ­nis da­für, dass die Re­gie­rung lie­ber Pla­nungs­si­cher­heit möch­te, als sich auf ein qua­li­fi­zier­tes Mehr bei den Rech­nun­gen ver­las­sen zu müs­sen.

Ge­sucht sind Kom­pro­mis­se und Krea­ti­vi­tät

Hans Kip­fer sieht im Nein des Stimm­volks zur Steu­er­sen­kung nicht nur den Schiff­bruch für die bis­he­ri­ge Steuerpolitik. Son­dern auch ei­nen Licht­blick für die ge­sam­te Fi­nanz­po­li­tik: «Vi­el­leicht ver­bes­sert das nun die Be­reit­schaft zu Kom­pro­mis­sen.» Im­mer­hin hat auch den sa­gen­um­wo­be­nen Gor­di­schen Kno­ten schliess­lich je­mand ge­löst: Alex­an­der der Gros­se.

Wie er das mach­te, dar­über gibt es zwei Ver­sio­nen: Er soll das Seil mit dem Schwert zer­schla­gen ha­ben, lau­tet ei­ne. Für Bern ist eher die zwei­te Ver­si­on zu emp­feh­len: Laut die­ser zog Alex­an­der ei­nen Na­gel her­aus – und schon konn­te er die Deich­sel des Wa­gens vom Joch lö­sen. Bei gor­di­schen Kno­ten sind al­so auch Qu­er­den­ken und Krea­ti­vi­tät ge­fragt. Auch hier hät­te der Kan­ton Bern Luft nach oben.

«Die bei­den Po­le blo­ckie­ren sich. Die ei­ne Hälf­te will par­tout nicht spa­ren, die an­de­re un­be­dingt die Steu­ern sen­ken.»

Hans Kip­fer (EVP, Münsin­gen)

Mit­glied der Fi­nanz­kom­mis­si­on

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