Sta­pi in kul­tu­rel­ler Spen­dier­lau­ne

Das Bür­ger­ko­mi­tee hoff­te ver­ge­bens: Der Kan­ton will das Feld di­rekt an der Au­to­bahn de­fi­ni­tiv zu ei­nem Platz für aus­län­di­sche Fah­ren­de aus­bau­en.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseite - Ste­phan Kün­zi

Stadt Bern «Wir kön­nen uns das leis­ten», sag­te Berns grü­ner Stadt­prä­si­dent Alec von Graf­fen­ried ges­tern, als er das an­ge­streb­te Wachs­tum der städ­ti­schen Kul­tur­för­de­rungs­bei­trä­ge um sie­ben Pro­zent be­grün­de­te. Ab 2020 will die Stadt 32 Mil­lio­nen Fran­ken pro Jahr in die Kul­tur in­ves­tie­ren. In die­sem To­tal­be­trag ent­hal­ten ist al­les – die 18,6 Mil­lio­nen Fran­ken, mit der die Stadt Kon­zert Thea­ter Bern sub­ven­tio­niert, ge­nau­so wie ein paar Hun­dert Fran­ken für den Club­auf­tritt ei­ner Rock­band.

32 Mil­lio­nen Fran­ken sind für ei­ne Stadt von Berns Grös­se ein gross­zü­gi­ger Kul­tur­bei­trag. Man hat für sehr vie­les of­fe­ne Oh­ren: Die Gros­se Hal­le der Reit­schu­le bei­spiels­wei­se er­hält von der Stadt neu 20 000 Fran­ken mehr als bis­her, weil die Be­set­zung durch ei­ne Grup­pe «Wohl­stands­ver­wahr­los­ter» An­fang Jahr ge­zeigt ha­be, dass dem Kom­merz an die­sem Ver­an­stal­tungs­ort en­ge Gren­zen ge­setzt sei­en.

Von der Spen­dier­lau­ne der Kul­tur­för­de­rung pro­fi­tiert et­wa das Thea­ter­fes­ti­val Aua­wir­le­ben, des­sen Sub­ven­tio­nie­rung fast ver­dop­pelt wird – auf 600 000 Fran­ken pro Jahr. Den fi­nan­zi­el­len Ret­tungs­an­ker wirft die Stadt über­dies für das Film­ar­chiv Licht­spiel aus.

Ar­min Mür­ner war ges­tern Nach­mit­tag ei­nen Mo­ment lang sprach­los. Eben hat­te er von die­ser Zei­tung er­fah­ren, dass der Kan­ton Ernst macht mit sei­nen Plä­nen für Wi­le­rol­ti­gen: Im März soll der Gros­se Rat 3,3 Mil­lio­nen Fran­ken be­wil­li­gen, da­mit auf dem Feld hin­ter dem Au­to­bahn­park­platz ein fi­xer Tran­sit­platz für aus­län­di­sche Fah­ren­de ge­baut wer­den kann.

Mür­ner mach­te aus sei­ner Ent­täu­schung kei­nen Hehl. Nach den po­si­ti­ven Er­fah­run­gen mit dem be­fris­te­ten Platz in Brügg sei er da­von aus­ge­gan­gen, dass es nun auch in Wi­le­rol­ti­gen «in die­se Rich­tung ge­he», so der Kopf des Bür­ger­ko­mi­tees, das sich dem Kampf ge­gen den Platz ver­schrie­ben hat. Dann wä­ren die Fah­ren­den mal in Brügg, mal in Gam­pe­len und mal auch in Wi­le­rol­ti­gen zu Gast, die Last wä­re gleich­mäs­si­ger auf die Ge­mein­den ver­teilt. Nun, da der Kan­ton in Wi­le­rol­ti­gen of­fen­sicht­lich bei sei­nen ur­sprüng­li­chen Ab­sich­ten bleibt, steht für ihn fest: «Wir müs­sen zu­se­hen, wie wir uns weh­ren wol­len.»

We­nig er­freut zeig­te sich auch Ge­mein­de­prä­si­dent Hin­nerk Sem­ke. Dass die Re­gie­rung zu­han­den des Gros­sen Ra­tes das Geld für ei­nen fi­xen Platz frei­ge­ge­ben hat­te, über­rasch­te ihn nicht. Das ha­be sich nach den bis­he­ri­gen Ge­sprä­chen mit den Ver­ant­wort­li­chen beim Kan­ton, so ab­ge­zeich­net.

Mehr Mü­he mach­te ihm die Grös­se des ge­plan­ten Plat­zes. In ih­rer Mit­tei­lung an die Me­di­en hat­te die Re­gie­rung von ei­ner Flä­che von 8500 Qua­drat­me­tern ge­spro­chen, das ist et­was grös­ser als ein Fuss­ball­feld. Und vor al­lem: Er wer­de «min­des­tens 36 Stell­plät­ze für rund 108 bis 180 Per­so­nen bie­ten» – das, so Sem­ke, sei zu viel für ein klei­nes Dorf wie Wi­le­rol­ti­gen. Ak­tu­ell be­wegt sich die Ein­woh­ner­zahl bei 350 Leu­ten. Bei Voll­be­le­gung wer­den al­so noch­mals halb so vie­le da­zu­kom­men.

Un­ver­han­del­ba­re Punk­te

Die zu­stän­di­ge Re­gie­rungs­rä­tin Evi Al­le­mann (SP) ver­tei­digt den Be­schluss ih­res Gre­mi­ums trotz al­lem. Dass der Kan­ton in Wi­le­rol­ti­gen statt mit ei­nem be­fris­te­ten mit ei­nem fi­xen Platz plant, führt sie auf ei­nen Auf­trag aus dem Gros­sen Rat zu­rück. Sie blickt zu­rück in die Sep­tem­ber­ses­si­on 2016, da­mals stand ein fi­xer Tran­sit­platz in Mei­nis­berg zur De­bat­te. Er soll­te 9,3 Mil­lio­nen kos­ten, was dem Par­la­ment zu teu­er war. Es wies das Ge­schäft zu­rück und ver­lang­te ei­ne güns­ti­ge­re Va­ri­an­te – «dem», sagt Al­le­mann, «kom­men wir mit der Vor­la­ge nach».

Ge­nau­so un­ver­han­del­bar ist für Al­le­mann die Grös­se. Zu­mal sie gleich re­la­ti­viert: Der Platz wer­de ja nicht im­mer voll sein. Man rech­ne mit drei bis fünf Leu­ten pro Wohn­wa­gen, und an­ge- sichts des ste­ten Wech­sels wer­de die Zahl im­mer va­ri­ie­ren.

Nun die Be­gleit­grup­pe

Gleich­zei­tig er­klärt die Re­gie­rungs­rä­tin, dass der Tran­sit­platz ein­ge­zäunt wer­den wird. Die Fah­ren­den kön­nen ihn al­so nur über die Au­to­bahn er­rei­chen und wie­der über die Au­to­bahn ver­las­sen. Zu­dem lie­ge er weit­ab des Dor­fes und stö­re auch des­halb kaum.

Dass der Kan­ton am Feld an der Au­to­bahn fest­hält, hat laut Al­le­mann auch da­mit zu tun, dass das dem Bund ge­hö­ren­de Land ver­füg­bar und für 30 Jah­re zu ei­nem Bau­rechts­zins von 0 Fran­ken zu ha­ben ist. Wi­le­rol­ti­gen wer­de in der nun an­lau­fen­den De­tail­pla­nung mit­re­den kön­nen, stellt sie in Aus­sicht. Pas­sie­ren soll dies im Rah­men ei­ner Be­gleit­grup­pe, in der die Be­hör­den Ein­sitz neh­men.

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