Fast ei­ne Mil­li­on Fran­ken für die Sa­nie­rung der Kir­chen­mau­er

Die Kir­chen­mau­er ist stark an­ge­schla­gen, es dro­hen so­gar Tei­le her­aus­zu­bre­chen. Nun ha­ben die Stimm­be­rech­tig­ten fast ei­ne Mil­li­on Fran­ken für die Sa­nie­rung und den teil­wei­sen Neu­auf­bau be­wil­ligt.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseite - Se­bas­ti­an We­ber

Thun­stet­ten Das Pro­blem ist schon vie­le Jah­re be­kannt: Die Kir­chen­mau­er in Thun­stet­ten be­fin­det sich in ei­nem schlech­ten Zu­stand. Schuld ist der flä­chen­de­cken­de Ze­ment­ver­putz, der vor rund 30 Jah­ren auf der Mau­er an­ge­bracht wur­de. Die­ser sorg­te da­für, dass das Was­ser nicht ab­flies­sen konn­te und das Bau­werk stän­dig feucht blieb. Mitt­ler­wei­le dro­hen so­gar Tei­le der Mau­er her­aus­zu­bre­chen. Für die Sa­nie­rung und den teil­wei­sen Neu­auf­bau ha­ben die Stimm­be­rech­tig­ten ei­nen Kre­dit von 955 000 Fran­ken ge­neh­migt. Kei­ne Kos­ten ver­ur­sa­chen dürf­te da­für die Archäo­lo­gie. Und das, ob­wohl die Archäo­lo­gen ne­ben der Kir­che auf al­te Grä­ber ge­stos­sen sind.

Er ist kri­tisch: der Zu­stand der al­ten Kir­chen­mau­er in Thun­stet­ten. Und das nicht erst seit ges­tern. Schon als er vor elf Jah­ren in den Ge­mein­de­rat ge­kom­men sei, ha­be man Be­scheid ge­wusst, sagt Ge­mein­de­prä­si­dent Beat Sieg­rist (SP). Das Pro­blem: Auf der Mau­er war vor un­ge­fähr dreis­sig Jah­ren ein flä­chen­de­cken­der Ze­ment­ver­putz auf­ge­bracht wor­den. «Aus heu­ti­ger Sicht war das ein Feh­ler», be­stä­tigt Bau­ver­wal­ter Da­ni­el Du­bach. Denn der Ver­putz bil­de­te auf der Aus­sen­sei­te ei­ne luft- und was­ser­dich­te Bar­rie­re. Das Was­ser, das durch die In­nen­sei­te ein­drang, konn­te des­halb nicht aus der Mau­er ab­flies­sen. «Sie blieb stän­dig feucht», sagt Du­bach. Zu­dem dran­gen Sal­ze aus dem Ze­ment­ver­putz in die Mau­er. Die Fol­ge da­von: Der Kalk­mör­tel, der die St­ei­ne zu­sam­men­hielt, wur­de über die Jah­re kom­plett zer­stört. Das be­stä­tig­ten auch die vor­gän­gi­gen Son­die­rungs­ar­bei­ten. «Zu­rück blieb nur noch Sand», so Sieg­rist.

Ei­ne Na­gel­wand

Ent­spre­chend litt auch die Sta­bi­li­tät der Mau­er. «Die er­for­der­li­che Trag­si­cher­heit ist nicht mehr ge­ge­ben», teil­te der Ge­mein­de­rat in der Bot­schaft zur Ge­mein­de­ver­samm­lung mit. Ist es gar ge­fähr­lich? Nein, ver­si­chert Da­ni­el Du­bach. «Die Mau­er wird nicht vom ei­nen auf den an­de­ren Tag um­fal­len.» Re­agie­re man jetzt aber nicht, wä­re es mög­lich, dass Tei­le der Mau­er her­aus­bre­chen könn­ten. Denn im obe­ren Be­reich, ent­lang der Lie­gen­schaft Kirch­gas­se 8, wur­den zwei Ver­for­mun­gen fest­ge­stellt, die über die Jah­re ste­tig zu­ge­nom­men ha­ben. Mitt­ler­wei­le ha­be sich das Bau­werk um bis zu 90 Zen­ti­me­ter ver­scho­ben, sagt Beat Sieg­rist. Zeit al­so, zu han­deln. Das Pro­jekt, das am Mitt­woch­abend den 55 an­we­sen­den Stimm­be­rech­tig­ten prä­sen­tiert wur­de, sieht vor, den ver­form­ten Teil der Mau­er kom­plett ab­zu­bre­chen und neu auf­zu­bau­en. Dies auf ei­ner Län­ge von 12,5 Me­tern. Die Mau­er wird dort Stück für Stück ab­ge­ris­sen. Un­mit­tel­bar da­hin­ter wird fort­lau­fend ei­ne Na­gel­wand auf­ge­baut. Dies, um den gan­zen Hang zu stüt­zen. Die Kir­che selbst wür­de durch den Ab­bau der Mau­er zwar nicht ins Rut­schen ge­ra­ten, sagt Sieg­rist. Das ha­be der Geo­lo­ge ih­nen so ver­si­chert. Trotz­dem wol­le man erst gar kein Ri-

«Die Mau­er wird nicht vom ei­nen auf den an­de­ren Tag um­fal­len.» Da­ni­el Du­bach Bau­ver­wal­ter.

si­ko ein­ge­hen und den Hang mit ei­ner Na­gel­wand sta­bi­li­sie­ren.

Der rest­li­che, über 100 Me­ter lan­ge Teil der Mau­er wird sa­niert: Die Ze­ment­mör­tel­tei­le wer­den ent­fernt, die teils be­schä- dig­ten Ab­deck­plat­ten er­setzt, re­pa­riert und ge­rei­nigt, die Mau­er mit ei­ner Kalk­mör­tel­mi­schung ver­fugt und ver­putzt. Längs der gan­zen Mau­er wer­den zu­dem Si­cker­pa­ckun­gen mit Kies zur Ent­wäs­se­rung er­stellt.

Mensch­li­che Kno­chen

Der Ge­mein­de­rat, der für die Son­die­rungs­ar­bei­ten ei­nen Kre­dit von et­wa 25 400 Fran­ken ge­spro­chen hat, rech­net für das Pro­jekt mit Kos­ten von 955 000 Fran­ken. Ei­ne stol­ze Sum­me für die Sa­nie­rung ei­ner Kir­chen­mau­er. Sie er­klä­re sich auch da­mit, dass man für den Wie­der­auf­bau der Mau- er die al­ten St­ei­ne ver­wen­den müs­se, sagt Du­bach. Ei­ne ein­fa­che Be­ton­mau­er zum Bei­spiel war auf­grund der Auf­la­gen der Denk­mal­pfle­ge kei­ne Op­ti­on. Und nicht zu­letzt schlägt auch der Bau der Na­gel­wand zu Bu­che. Die Denk­mal­pfle­ge hat ei­nem Ge­such der Ge­mein­de ent­spro­chen und ei­nen Bei­trag von 150 200 Fran­ken in Aus­sicht ge­stellt.

Kei­ne Kos­ten ver­ur­sa­chen dürf­te hin­ge­gen die Archäo­lo­gie. Und das, ob­wohl der Archäo­lo­gi­sche Di­enst des Kan­tons Bern bei sei­nen Boh­run­gen in der Nä­he der Kir­che auf mensch­li­che Kno­chen ge­stos­sen war. Mitt­ler- wei­le hät­ten die Archäo­lo­gen die 3,5 Me­ter un­ter dem Bo­den ge­le­ge­nen Grä­ber aber un­ter­sucht und sei­en zum Schluss ge­kom­men, die­se dort zu be­las­sen, er­zählt Ge­mein­de­prä­si­dent Sieg­rist. «Es gibt of­fen­bar kein In­ter­es­se, sie aus­zu­gra­ben.» In der Nä­he der Mau­er sei­en zu­dem kei­ne Kno­chen mehr ge­fun­den wor­den, er­gänzt Du­bach. Wes­halb auch der Bau der Na­gel­wand die Grä­ber nicht tan­gie­ren wer­de.

Die Ge­mein­de­ver­samm­lung hat den Kre­dit oh­ne Ge­gen­stim­men be­wil­ligt. Die Ar­bei­ten wer­den vor­aus­sicht­lich im Früh­ling be­gin­nen.

Fo­to: Beat Ma­thys

Im obe­ren Be­reich der Mau­er ist der Zu­stand be­son­ders schlecht.

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