Leuthard will «Lex Bez­nau» si­chern

Die CVP-Ma­gis­tra­tin will heu­te im Bun­des­rat ei­ne Strah­len­schutz-Be­stim­mung durch­brin­gen, die dem AKW Bez­nau nützt. Da­bei sind ein Ge­richts­ver­fah­ren und ein Prüf­auf­trag aus dem Par­la­ment hän­gig.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Schweiz - Ste­fan Hä­ne

Macht Do­ris Leuthard in ih­ren letz­ten Ta­gen als Bun­des­rä­tin der Ax­po ein Ab­schieds­ge­schenk? Im Bun­des­rat ist heu­te laut zwei von­ein­an­der un­ab­hän­gi­gen Qu­el­len ein Ge­schäft trak­tan­diert, das dem Strom­kon­zern ein Pro­blem lö­sen wür­de, so es die Re­gie­rung ge­neh­mi­gen soll­te.

Das Pro­blem: Es liegt in je­nen Ver­ord­nun­gen, die für die Si­cher­heit von Atom­kraft­wer­ken mass­geb­lich sind. Die AKW-Be­trei­ber müs­sen un­ter an­de­rem nach­wei­sen, dass ih­re Mei­ler auch bei sehr schwe­ren Erd­be­ben nur ei­ne ge­wis­se Men­ge an ra­dio­ak­ti­ven Stof­fen an die Um­welt ab­ge­ben. Strit­tig ist nun aber, wie viel Ra­dio­ak­ti­vi­tät die Be­völ­ke­rung ma­xi­mal aus­ge­setzt sein darf, soll­te ein Erd­be­ben, wie es al­le 10 000 Jah­re zu er­war­ten ist, ein Atom­kraft­werk er­schüt­tern.

Die Atom­auf­sicht des Bun­des (En­si) und die AKW-Be­trei­ber se­hen den Grenz­wert bei 100 Mil­li­sie­vert; dies ent­spre­che der in­ter­na­tio­na­len Norm. Die Um­welt­ver­bän­de da­ge­gen le­gen ihn bei 1 Mil­li­sie­vert fest. Zur Ei­n­ord­nung: Die durch­schnitt­li­che jähr­li­che Strah­len­do­sis, die ein Mensch in der Schweiz et­wa über die na­tür­li­che Strah­lung oder me­di­zi­ni­sche Ge­rä­te auf­nimmt, be­trägt gut 5 Mil­li­sie­vert. na­ment­lich im Be­reich von 10 und 50 Mil­li­sie­vert. Ge­ra­de weil die Be­völ­ke­rung ei­nem zu­sätz­li­chen Strah­len­ri­si­ko aus­ge­setzt wür­de, brau­che es ei­ne «kla­re wis­sen­schaft­li­che und ge­sund­heits­ri­si­ko­ba­sier­te» Be­grün­dung für ei­ne Li­mi­te bei 100 Mil­li­sie­vert, schreibt die Or­ga­ni­sa­ti­on in ei­nem noch un­ver­öf­fent­lich­ten Po­si­ti­ons­pa­pier. Die Be­völ­ke­rung, gibt die Krebs­li­ga wei­ter zu be­den­ken, sei nicht ho­mo­gen: «Ge­ra­de Kin­der sind ge­gen­über Strah­len­be­las­tung viel emp­find­li­cher als Er­wach­se­ne.» ein Kom­mis­si­ons­pos­tu­lat ein­zu­rei­chen, das vom Bun­des­rat ei­nen Prüf­be­richt ver­langt. «Un­ab­hän­gi­ge Fach­ex­per­ten» sol­len die Aus­wir­kun­gen der vor­ge­se­he­nen Än­de­rung auf die Be­völ­ke­rung auf­zei­gen. Ge­meint sind da­mit nicht Fach­leu­te des En­si, das wie be­reits er­wähnt Teil des lau­fen­den Rechts­streits ist.

FDP-Stän­de­rat Da­mi­an Mül­ler spricht vor die­sem Hin­ter­grund von ei­nem «de­mo­kra­tie­po­li­tisch sehr frag­wür­di­gen» Vor­ge­hen. Die Hea­rings in der Um­welt­kom­mis­si­on mit in­vol­vier­ten Ak­teu­ren hät­ten ge­zeigt, dass ge­ra­de be­züg­lich Schutz der Be­völ­ke­rung vie­le Fra­ge­zei­chen be­stün­den und die Re­vi­si­on un­sau­ber auf­ge­gleist sei. «Das Uvek und Do­ris Leuthard müs­sen sich über­le­gen, auf wel­cher Sei­te sie ste­hen.» Der Ge­samt­bun­des­rat ent­schei­de heu­te hof­fent­lich im Sin­ne der Be­völ­ke­rung. Par­la­ment Das Stimm­volk soll über die Be­schaf­fung neu­er Kampf­flug­zeu­ge ab­stim­men, nicht aber über ei­nen be­stimm­ten Flug­zeug­typ. Der Stän­de­rat hat ges­tern ei­ne Mo­ti­on der BDPFrak­ti­on an den Bun­des­rat über­wie­sen. Der Ent­scheid fiel mit 22 zu 18 Stim­men bei 1 Ent­hal­tung knapp aus. Mit dem Vor­stoss for­dert die BDP, was der Bun­des­rat in der Zwi­schen­zeit an­ge­kün­digt hat: Das Par­la­ment soll in ei­nem Pla­nungs­be­schluss über die Be­schaf­fung und den da­für vor­ge­se­he­nen Be­trag ab­stim­men. Waf­fen­ex­por­te Die Dis­kus­si­on über Waf­fen­ex­por­te ist noch nicht zu En­de. Der Na­tio­nal­rat ver­langt, dass künf­tig das Par­la­ment die Be­wil­li­gungs­kri­te­ri­en fest­legt. Der Stän­de­rat hat ges­tern den Ent­scheid dar­über je­doch auf­ge­scho­ben. Ei­ne Mo­ti­on der BDP-Frak­ti­on, die die Zu­stän­dig­keit vom Bun­des­rat auf das Par­la­ment über­tra­gen will, soll zu­erst von der Kom­mis­si­on ge­prüft und al­len­falls an­ge­passt wer­den.

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