Ge­sprä­che in Stock­holm we­cken Hoff­nung

Die Bür­ger­kriegs­par­tei­en ha­ben sich auf ei­nen Ge­fan­ge­nen­aus­tausch ge­ei­nigt.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Ausland -

In Schwe­den ha­ben am Don­ners­tag die ers­ten Frie­dens­ge­sprä­che seit 2016 für den vom Krieg ver­heer­ten Je­men be­gon­nen. Schon al­lein dass die Ver­hand­lun­gen zwi­schen der in­ter­na­tio­nal an­er­kann­ten Re­gie­rung von Prä­si­dent Abd Rab­buh Man­sur al-Ha­di und den Huthi-Re­bel­len zu­stan­de ge­kom­men sind, gilt west­li­chen Di­plo­ma­ten als Er­folg.

Der UNO-Son­der­ge­sand­te Mar­tin Grif­fiths war ei­gens nach Sa­naa ge­reist, um die Hut­hiDe­le­ga­ti­on an Bord ei­nes von Ku­wait ge­stell­ten Flug­zeugs am Di­ens­tag nach Stock­holm zu be­glei­ten – die Huthi fürch­te­ten, die von Sau­di­ara­bi­en und den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten ge­führ­te Mi­li­tär­ko­ali­ti­on könn­te die Ma­schi­ne sonst ab­fan­gen und zur Lan­dung zwin­gen; die Ko­ali­ti­on kon­trol­liert den Luf­t­raum über dem Je­men. Im Sep­tem­ber noch war ein ers­ter An­lauf Grif­fiths’ für Ge­sprä­che ge­schei­tert, weil die Huthi nicht nach Genf ge­reist wa­ren.

Ei­nen ers­ten Er­folg konn­te Grif­fiths zu Be­ginn der Ge­sprä­che in Rim­bo ver­mel­den: Die bei­den Sei­ten stimm­ten ei­nem zu­vor aus­ge­han­del­ten Ge­fan­ge­nen­aus­tausch zu, dem ers­ten seit Be­ginn des Krie­ges im Herbst 2014. Laut dem In­ter­na­tio­na­len Ko­mi­tee vom Ro­ten Kreuz könn­ten 5000 bis 8000 Ge­fan­ge­ne da­von pro­fi­tie­ren.

In ei­nem Bei­trag für die «New York Ti­mes» schreibt Grif­fiths von «ei­nem Hoff­nungs­schim­mer für den Frie­den». Er hof­fe, dass sich die Par­tei­en am En­de der Run­de auf den Grund­riss ei­ner po­li­ti­schen Lö­sung ei­ni­gen könn­ten. Al­ler­dings war nicht klar, ob es di­rek­te Ge­sprä­che der bei­den De­le­ga­tio­nen ge­ben wird.

Ein um­fas­sen­des Ab­kom­men oder ei­ne lan­des­wei­te Waf­fen­ru­he sind nicht Ge­gen­stand, viel­mehr soll es um ver­trau­ens­bil­den­de Mass­nah­men ge­hen. So wur­den 50 schwer ver­letz­te Huthi nach Oman aus­ge­flo­gen. Grif­fiths will er­rei­chen, dass der Flug­ha­fen von Sa­naa für den kom­mer­zi­el­len Ver­kehr ge­öff­net wird; die Mi­li­tär­ko­ali­ti­on hat ihn im Som­mer 2016 ge­sperrt. Mo­ham­med Ali al-Houthi, de fac­to Prä­si­dent im Nor­den, droh­te, den Flug­ha­fen auch für Hilfs­flü­ge und UNO-Ma­schi­nen zu schlies­sen, falls es kei­ne Ei­ni­gung ge­be.

US-Kri­tik an Sau­di­ara­bi­en

Noch schwie­ri­ger dürf­te der Ver­such wer­den, ei­ne dau­er­haf­te Waf­fen­ru­he für die Ha­fen­stadt Ho­deidah zu schlies­sen, über die der Gross­teil al­ler Hilfs- und Le­bens­mit­tel­lie­fe­run­gen ins Land kommt. Die UNO will die Kon­trol­le über den Ha­fen über­neh­men; die Huthi ha­ben er­klärt, sie wür­den das ak­zep­tie­ren. Al­ler­dings ver­lan­gen die je­me­ni­ti­sche Re­gie­rung, ver­tre­ten von Aus­sen­mi­nis­ter Kha­led al-Yama­ni, und die Mi­li­tär­ko­ali­ti­on, dass sich die Huthi auch aus der Stadt und von der ge­sam­ten West­küs­te des Lan­des zu­rück­zie­hen. Seit Mo­na­ten warnt die UNO, dass sich die schwers­te hu­ma­ni­tä­re Kri­se der Welt zu ei­ner ge­wal­ti­gen Hun­gers­not aus­wei­ten wird, soll­te die Ver­sor­gung über Hou­d­eidah durch Kämp­fe un­ter­bro­chen wer­den.

Grif­fiths sag­te, zu kei­nem an­de­ren Zeit­punkt ha­be es ei­nen so gros­sen in­ter­na­tio­na­len Druck auf die Kon­flikt­par­tei­en ge­ge­ben, ei­ne Lö­sung zu fin­den. Vor al­lem in den USA wächst nach dem Mord an dem Jour­na­lis­ten Ja­mal Khas­hog­gi der Druck auf Sau­di­ara­bi­en. Im Se­nat gibt es Be­stre­bun­gen, per Ge­setz jeg­li­che USUn­ter­stüt­zung für die Mi­li­tär­ko­ali­ti­on zu stop­pen. Wa­shing­ton lie­fert Waf­fen und Mu­ni­ti­on, be­tankt sau­di­sche Flug­zeu­ge und stellt Auf­klä­rungs­da­ten be­reit.

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