Kin­der­por­no­gra­fie: Ver­zö­ge­rung durch Ber­ner Be­hör­den

Kop­pi­gen Der ehe­ma­li­ge Em­men­ta­ler Statt­hal­ter Mar­kus Gros­sen­ba­cher er­zähl­te An­ek­do­ten aus sei­nem frü­he­ren All­tag.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseite - Li­lo Lé­vy

Straf­be­hör­den Ein Ver­dachts­fall von Kin­der­por­no­gra­fie beim Bund ist seit bald neun Mo­na­ten un­auf­ge­klärt lie­gen ge­blie­ben. Hin­ter­grund ist ein Streit von Straf­be­hör­den in Bern, wer für die Er­mitt­lung zu­stän­dig ist. Am 26. April 2018 hat­te das FBI der Schweiz ei­nen Hin­weis ge­schickt. Ers­te Ab­klä­run­gen des Bun­des­amts für Po­li­zei er­ga­ben, dass es sich beim Ver­däch­ti­gen um ei­nen Mit­ar­bei­ter des Aus­sen­de­par­te­ments in Ita­li­en han­delt: Er soll ver­bo­te­ne Bil­der mit Nackt­auf­nah­men und se­xu­el­len Hand­lun­gen mit Kin­dern über ei­nen Bun­des­ser­ver hoch­ge­la­den ha­ben. Seit­her ist prak­tisch nichts pas­siert. Zwar ha­ben sich fünf Be­hör­den mit dem Fall be­schäf­tigt. Doch ak­tu­ell de­bat­tiert die re­gio­na­le Staats­an­walt­schaft Bern-Mit­tel­land mit der Ber­ner Staats­an­walt­schaft für be­son­de­re Auf­ga­ben noch im­mer dar­über, wer zu­stän­dig ist. Der­weil ar­bei­tet der ver­däch­tig­te Mit­ar­bei­ter ge­mäss meh­re­ren EDAQu­el­len nach wie vor auf sei­nem Pos­ten.

Sein Beruf sei gleich­sam an­spruchs­voll wie viel­fäl­tig ge­we­sen. «Ich wür­de ihn je­der­zeit wie­der wäh­len», be­kann­te Mar­kus Gros­sen­ba­cher, Alt-Re­gie­rungs­statt­hal­ter des Ver­wal­tungs­be­zir­kes Em­men­tal. Zum früh­mor­gend­li­chen Ter­min ström­ten die äl­te­ren Herr­schaf­ten zu­hauf ins Kirch­ge­mein­de­haus, um den An­lass aus der Ver­an­stal­tungs­rei­he 60 plus der Kir­che Kop­pi­gen zu ver­fol­gen. Sie wur­den nicht ent­täuscht: Ob­schon Gros­sen­ba­cher seit ge­rau­mer Zeit pen­sio­niert ist, ist das Feu­er für sei­ne Tä­tig­keit noch im­mer spür­bar.

Der Weg ins Schloss

Mit sie­ben Ge­schwis­tern in ei­nem Hei­met in Af­fol­tern auf­ge­wach­sen, war er der Na­tur im­mer zu­ge­tan. Zur Schu­le ge­gan­gen sei er mit Alt-Bun­des­rat Jo­hann Schnei­der-Am­mann. Sein Wer­de­gang ha­be ihn als Pri­mar­schü­ler, wie er lä­chelnd sagt, von der Ver­wal­tungs­leh­re in Dür­ren rothüb er die Ge­mein­de schrei­ber aus­bil­dung bisz um Re­gie­rungs­statth al­ter am tim Schloss Trach­sel­wald ge­führt. Zu Be­ginn der Leh­re ha­be ihn das Ein­ge­schlos­sen sein in ei­nem Bü­ro fast die Wän­de hoch­ge­trie­ben, be­kann­te Gros­sen­ba­cher. Wäh­rend der Er­zäh­lun­gen über sei­nen frü­he­ren Ar­beits­platz im idyl­li­schen Schloss kommt er ins Schwär­men. Gleich­zei­tig er­in­ne­re der herr­schaft­li­che Sitz doch auch an die un­schö­ne Täu­fer­ver­fol­gung. «Wäh­rend ei­nes Be­su­ches von Täu­fern aus den USA ha­be ich mich bei ihnen für die schreck­li­chen Vor­komm­nis­se ent­schul­digt», er­zähl­te Gros­sen­ba­cher. Die Täu­fer­nach­fah­ren sei­en zu Trä­nen gerührt ge­we­sen.

Neu­er Ar­beits­platz

Nach der Ver­wal­tungs­re­form vor neun­zehn Jah­ren ha­be sich dann so ei­ni­ges ver­än­dert. Sein Ar­beits­platz be­fand sich nun­mehr in Langnau. Und aus den ehe­mals 10 Ge­mein­den ha­be sich der Ver­wal­tungs­kreis Em­men­tal auf 42 Ge­mein­den ver­grös­sert. Doch un­ab­hän­gig vom ver­grös­ser­ten Wir­kungs­kreis sei­en sei­ne Ziel­set­zun­gen im­mer die glei­chen ge­blie­ben: die Nä­he zum Bür­ger und die Be­reit­schaft, mög­lichst je­der­zeit er­reich­bar zu sein. Das ha­be mit­un­ter auch zu skur­ri­len Er­leb­nis­sen ge­führt. Et­wa als ei­ne schwan­ge­re Frau te­le­fo­nisch wis­sen woll­te, ob sie sich in die­sem Zu­stand ei­gent­lich imp­fen las­sen dür­fe. Er ha­be sie an ei­nen Arzt wei­ter­ge­lei­tet. Ob bei häus­li­cher Ge­walt oder den ewig glei­chen Que­ru­lan­ten, er ha­be im­mer ver­sucht, mög­lichst de­es­ka­lie­rend zu wir­ken. «Al­ler­dings ha­ben Be­dro­hun­gen al­ler Art in den letz­ten Jah­ren si­gni­fi­kant zu­ge­nom­men.»

Die Be­las­tung

Als emo­tio­nal be­las­ten­de Tä­tig­keit nann­te Gros­sen­ba­cher die an­spruchs­vol­len Ko­or­di­na­ti­ons­auf­ga­ben bei Ka­ta­stro­phen. «Der Kon­takt mit Men­schen stand für mich im Zen­trum», be­tont der gläu­bi­ge Christ. Den Brief ei­ner be­tag­ten Frau hat er nie ver­ges­sen. Sie schrieb ihm, dass sie täg­lich für ihn be­te.

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