Das Steu­er­pa­ra­dies liegt jen­seits der

Steu­er­be­las­tung War­um zahlen vie­le Ber­ne­rin­nen und Ber­ner ho­he Steu­ern? Ein Kan­tons­ver­gleich zeigt: Tei­le des Mit­tel­stands wer­den pro­zen­tu­al be­steu­ert wie an­ders­wo Rei­che. Der An­teil der Nicht­steu­er­zah­ler ist hoch, der Steu­er­bei­trag der Un­ter­neh­men aber t

BZ Langenthaler Tagblatt - - Region - Ste­fan von Ber­gen

Der Kan­ton Bern kommt im na­tio­na­len Steu­er­wett­be­werb nicht vom Fleck. Am 25. No­vem­ber schei­ter­te der jüngs­te Ver­such, das schlech­te Ber­ner Ra­ting zu ver­bes­sern: Das Ber­ner Stimm­volk lehn­te ei­ne Sen­kung der kan­to­na­len Un­ter­neh­mens­steu­ern ab. Die Ber­ne­rin­nen und Ber­ner fürch­te­ten wohl, dass sie für Steu­er­aus­fäl­le zur Kas­se ge­be­ten wür­den. Und vi­el­leicht hät­te man ihnen ein fi­nan­zi­el­les Zü­cker­chen an­bie­ten müs­sen.

Aber das Bern­biet steckt in en­gen fi­nan­zi­el­len Ho­sen. Sei­nen Bür­ge­rin­nen und Bür­gern kann es kei­ne Ge­schen­ke ver­tei­len wie die Waadt, die ih­re Sen­kung

Berns un­kom­for­ta­ble La­ge im Steu­er­wett­be­werb der Kan­to­ne

Mit­tel­wert Kan­tons­steu­ern der Steu­er­pflich­ti­gen mit ei­nem steu­er­ba­ren Jah­res­ein­kom­men zwi­schen 50 000 und 100 000 Fr. (BE zw. 40 000 und 100 000 Fr.)1) sind hei­kel. Steu­er- und Ta­rif­er­hö­hun­gen sind den schon ziem­lich be­las­te­ten Ber­ne­rin­nen und Ber­nern schwer zu ver­mit­teln. Und ei­ne Steu­er­sen­kung wür­de die knap­pe Ber­ner Kan­tons­kas­se zu­sätz­lich ent­lee­ren.

Was al­so kann der Kan­ton Bern tun? Um sei­nen steu­er­li­chen Spiel­raum aus­zu­lo­ten, wä­re ei­ne ver­glei­chen­de Ana­ly­se der Steu­er­sys­te­me an­de­rer Kan­to­ne hilf­reich. Über ei­nen sol­chen Über­blick ver­fügt die Eid­ge­nös­si­sche Steu­er­ver­wal­tung aber nicht. Die­se Zei­tung hat des­halb bei den Steu­er­äm­tern der Nach­bar­kan­to­ne Freiburg, So­lo­thurn und Aar­gau so­wie bei den Kan­to­nen Zü­rich und Zug Steu­er­da­ten er­fragt und sie mit den Ber­ner Kenn­zah­len ver­gli­chen.

Wer be­zahlt Lö­wen­an­teil?

Aus ei­nem Ver­gleich der kan­to­na­len Spit­zen­steu­er­sät­ze hat die NZZ 2018 ei­ne Faust­re­gel ab­ge­lei­tet: Die ein­kom­mens­stärks­ten 20 Pro­zent der Steu­er­pflich­ti­gen brin­gen 70 Pro­zent der Kan­tons­steu­ern auf. Ent­ge­gen der ver­brei­te­ten Kla­ge vom be­las­te­ten Mit­tel­stand wä­ren es dem­nach die Wohl­ha­ben­den und Rei­chen, die den Lö­wen­an­teil der Steu­ern zahlen.

Tat­säch­lich zahlen im rei­chen Kan­ton Zug die obers­ten 17 Pro­zent der Steu­er­pflich­ti­gen über 75 Pro­zent der Kan­tons­steu­ern. So rich­tig zur Kas­se ge­be­ten wer­den Zu­ge­rin­nen und Zu­ger erst ab ei­nem steu­er­ba­ren Ein­kom­men von über 100000 Fran­ken im Jahr. Im Kan­ton Zü­rich zahlen die obers­ten 20 Pro­zent der Steu­er­pflich­ti­gen 73 Pro­zent der Steu­ern.

Be­las­te­ter Mit­tel­stand

Im Kan­ton Bern aber lie­fern die obers­ten 22 Pro­zent der Steu­er­pflich­ti­gen bloss 60 Pro­zent der Kan­tons­steu­ern ab, weil es zu we­nig gu­te Steu­er­zah­ler gibt. Der Mit­tel­stand wird al­so weit stär­ker be­steu­ert als in an­de­ren Kan­to­nen. Schon ab ei­nem steu­er­ba­ren Ein­kom­men von 40000 Fran­ken im Jahr setzt im Kan­ton Bern ei­ne ver­stärk­te Steu­er­pro­gres­si­on ein. Der obe­re Mit­tel­stand um ein steu­er­ba­res Ein­kom­men von 100 000 Fran­ken – das be­trifft auch et­wa ver­hei­ra­te­te Dop­pel­ver­die­ner – wird im Bern­biet pro­zen­tu­al be­steu­ert wie an­ders­wo Wohl­ha­ben­de und Rei­che.

Man kann das auch in Fran­ken aus­drü­cken: Personen oder Ehe­paa­re mit ei­nem steu­er­ba­ren An­teil der Steu­er­pflich­ti­gen mit steu­er­ba­rem Ein­kom­men null in% Ru­dolf Stämpf­li

Un­ter­neh­mer und Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent BLS

«Personen mit hö­he­ren Ein­kom­men wer­den von der schnell an­stei­gen­den Ber­ner Steu­er­pro­gres­si­on ab­ge­schreckt.»

Ein­kom­men zwi­schen 40000 und 100 000 Fran­ken zahlen im Kan­ton Bern im Schnitt pro Kopf 7098 Fran­ken Kan­tons­steu­ern im Jahr (sie­he Gra­fik 1). Steu­er­pflich­ti­ge mit ei­nem steu­er­ba­ren Ein­kom­men zwi­schen 50000 und 100 000 Fran­ken zahlen aber im Kan­ton Freiburg bloss 5514, im Kan­ton So­lo­thurn 4400 und im Aar­gau 3764 Fran­ken. In Zü­rich sind es noch 3219 und in Zug 2590 Fran­ken.

Sys­tem der Fehl­an­rei­ze

Für den Ber­ner Un­ter­neh­mer Ru­dolf Stämpf­li ist des­halb klar: «Der Kan­ton Bern braucht drin­gend mehr Steu­er­zah­ler mit ei­nem steu­er­ba­ren Ein­kom­men An­teil der Un­ter­neh­men (ju­ris­ti­sche Personen) an den ge­sam­ten Steu­er­ein­nah­men des Kan­tons3), in % über 100 000 Fran­ken.» Stämpf­li ist FDP-Mit­glied, Co-In­ha­ber des gleich­na­mi­gen Ber­ner Ver­lags­und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­mens so­wie Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent der Ber­ner Bahn­ge­sell­schaft BLS. Er be­schäf­tigt sich seit Jah­ren mit dem Ber­ner Steu­er­sys­tem. Und mit des­sen Fehl­an­rei­zen. «Personen mit hö­he­ren Ein­kom­men wer­den von der schnell an­stei­gen­den Ber­ner Steu­er­pro­gres­si­on eher ab­ge­schreckt», ana­ly­siert er, «Personen mit tie­fe­ren Ein­kom­men aber eher an­ge­zo­gen.»

Stämpf­lis The­se ei­ner ab­schre­cken­den Wir­kung lässt sich be­le­gen: Gut Ver­die­nen­de, die et­wa ei­nen lu­kra­ti­ven Job in der Wie viel die Un­ter­neh­men an die di­rek­ten Bun­des­steu­ern ih­res Kan­tons zahlen, in Mio. Fr.4) Ber­ner Bun­des­ver­wal­tung an­neh­men, zie­hen gar nicht erst in den Kan­ton Bern. Sie sie­deln sich gleich jen­seits der Kan­tons­gren­ze im steu­er­güns­ti­gen Zo­fin­gen AG, Mur­ten FR oder Feld­brun­nen SO an.

Die­se Zei­tung hat im ver­gan­ge­nen Som­mer die na­tio­na­le Pend­ler­sta­tis­tik des Bun­des­amts für Sta­tis­tik aus­ge­zählt und eru­iert, dass über 16 Pro­zent der in der Stadt Bern Ar­bei­ten­den aus an­de­ren Kan­to­nen zu­pen­deln. Je­der und je­de Zehn­te reist aus dem steu­er­lich güns­ti­ge­ren Nach­bar­kan­ton Freiburg zur Ar­beit in die Bun­des­stadt an. Die zweit- und die dritt­gröss­te Pend­ler­grup­pe kom­men aus den Kan­to­nen Wie viel die di­rek­ten Bun­des­steu­ern der Un­ter­neh­men um­ge­rech­net pro Ein­woh­ner des Kan­tons be­tra­gen, in Fr. So­lo­thurn und Zü­rich nach Bern.

Über­dies weist im eher länd­li­chen Kan­ton Bern nur der Gross­raum Bern ei­ne brei­te Pa­let­te von tie­fen bis ho­hen Ein­kom­men und da­mit ein über­durch­schnitt­li­ches Steu­er­sub­strat auf. Der Ver­wal­tungs­kreis Bern-Mit­tel­land, in dem 39,2 Pro­zent al­ler Steu­er­zah­ler woh­nen, lie­fert al­lein 45 Pro­zent al­ler Steu­er­ein­nah­men in die Kan­tons­kas­se ab.

15 Pro­zent Nicht­zah­ler

Un­ter­neh­mer Ru­dolf Stämpf­li ist auch am un­te­ren En­de der Ska­la ei­ne Ber­ner Steu­er­schwä­che auf­ge­fal­len. Der An­teil der Ber­ner Steu­er­pflich­ti­gen, die im Steu­er­jahr 2016 über­haupt kei­ne Steu­ern be­zahl­ten, war mit rund 15 Pro­zent hoch (sie­he Gra­fik 2). Zu die­ser Grup­pe ge­hö­ren jun­ge Leu­te in der Aus­bil­dung, So­zi­al­hil­fe­emp­fän­ger oder Al­lein­er­zie­hen­de und Al­ters­heim­be­woh­ner mit ho­hen Ab­zü­gen. Im Kan­ton So­lo­thurn zahlen nur 7,5 Pro­zent der Pflich­ti­gen kei­ne Steu­ern, in Freiburg sind es 8,5 und im Aar­gau 12,6 Pro­zent.

Für Ru­dolf Stämpf­li ist un­be­strit­ten, dass Personen mit tie­fen Ein­kom­men fi­nan­zi­ell ge­schont wer­den müs­sen. Er fin­det es den­noch be­denk­lich, dass fast ein Sechs­tel der Ber­ner Steu­er­pflich­ti­gen die Leis­tun­gen des Staa­tes «zum Null­ta­rif be­zieht».

Auch fi­nan­zi­ell be­trach­tet ei­ne Gunst­la­ge, die in Bern Be­schäf­tig­te ger­ne als Wohn­ort wäh­len: Das Städt­chen

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