Fik­ti­on be­dient sich der Rea­li­tät

BZ Langenthaler Tagblatt - - Magazin -

Re­gis­seur und Dreh­buch­au­tor Tho­mas Roth tat bei sei­nem Werk ei­nen küh­nen Griff ins Ar­chiv. Dies, in­dem er für die «Tatort»-Fol­ge «Wahre Lü­gen» die tat­säch­li­chen Er­eig­nis­se rund um den mys­te­riö­sen Tod des frü­he­ren ös­ter­rei­chi­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ters Karl Lüt­gen­dorf ver­wen­de­te und da­mit der Ge­schich­te ei­nen his­to­risch-po­li­ti­schen An­strich ver­pass­te.

Der ho­he Po­li­ti­ker war En­de der Sieb­zi­ger­jah­re ver­däch­tigt wor­den, in il­le­ga­le Waf­fen­ge­schäf­te ver­wi­ckelt zu sein. Im Ok­to­ber 1981 wur­de er in sei­nem Au­to tot auf­ge­fun­den – er­schos­sen. Die Be­hör­den gin­gen da­mals von ei­nem Selbst­mord aus. Rest­los auf­ge­klärt ist die­ser Fall je­doch bis heu­te nicht. So viel zur Rea­li­tät. Im Film sa­hen Kri­mi­fans, wie ei­ne in­ves­ti­ga­ti­ve Jour­na­lis­tin tot auf­ge­fun­den wur­de. Er­schos­sen und in ih­rem Au­to im idyl­li­schen Wolf­gang­see ver­senkt. Auf ih­rer Su­che nach der Tä­ter­schaft fan­den Kommissar Mo­ritz Eis­ner (Ha­rald Krass­nit­zer) und sei­ne Kol­le­gin Bi­bi Fell­ner (Ade­le Neu­hau­ser) rasch ein­mal her­aus, dass die Jour­na­lis­tin il­le­ga­len Waf­fen­ge­schäf­ten auf der Spur war und sich da­bei auch für den Fall Lüt­gen­dorf in­ter­es­siert hat­te.

Of­fen­bar war das nicht übe­r­all gut an­ge­kom­men. Mich da­ge­gen über­zeug­ten die bei­den Kom­mis­sa­re, die sich in den Streit­ge­sprä­chen we­der von der ar­ro­gan­ten Di­rek­to­rin noch von ih­rem bla­sier­ten und selbst­herr­lich auf­tre­ten­den Se­kre­tär ein­schüch­tern lies­sen. Vom ho­hen Ross her­un­ter for­der­te die Di­rek­to­rin die Kom­mis­sa­re im In­ter­es­se der Staats­si­cher­heit auf, le­dig­lich den Tod der Jour­na­lis­tin zu klä­ren, kei­ne Er­mitt­lun­gen zum Fall Lüt­gen­dorf an­zu­stel­len oder Nach­for­schun­gen zu tä­ti­gen.

An­ge­sichts die­ser An­ord­nung rutsch­te mir spon­tan der Aus­druck «dum­me Gans» her­aus. Hin­ter­her war mir be­wusst ge­wor­den, dass sich das Fe­der­vieh durch mei­nen in­tui­ti­ven Ge­fühls­aus­bruch be­lei­digt füh­len könn­te. Dies auch aus Sicht ei­ni­ger Tier­schüt­zer. Al­so ha­be ich mich im In­ter­es­se der in­ne­ren Si­cher­heit im Ge­hei­men für mei­nen ver­ba­len Fehl­tritt ent­schul­digt – aber nur bei der Gans.

«An­ge­sichts die­ser An­ord­nung rutsch­te mir der Aus­druck ‹Dum­me Gans› her­aus.»

Jürg Mo­si­mann Der ehe­ma­li­ge Spre­cher der Kan­tons­po­li­zei Bern mel­det sich in un­re­gel­mäs­si­gen Ab­stän­den zum «Tatort» zu Wort.

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