Wer wei­ter mit Öl hei­zen will, soll ei­nen Ma­lus zah­len

Ob in Bern oder in Zü­rich: Die SRG darf Ra­dio ma­chen, wo sie will. Der Stän­de­rat macht ihr kei­ne Vor­ga­ben zu ih­ren Stand­or­ten. Doch bald könn­ten dem Un­ter­neh­men 170 Mil­lio­nen Fran­ken feh­len.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseit­e - Clau­dia Blu­mer Ben­ja­min Bi­toun

Kan­ton Bern Der Re­gie­rungs­rat und der Grosse Rat wol­len, dass in Zu­kunft mög­lichst al­le Haus­be­sit­zer ih­re Öl­hei­zung mit ei­ner kli­ma­freund­li­che­ren Va­ri­an­te er­set­zen. Wer doch wei­ter mit Öl hei­zen will, den könn­ten beim Kauf ei­ner neu­en An­la­ge bald noch zu­sätz­li­che Kos­ten er­war­ten. Der Grosse Rat hat ei­ne Mo­ti­on der BDP gut­ge­heis­sen, die ei­nen «Um­welt­be­trag» von 4000 Fran­ken für neue Öl­hei­zun­gen for­dert. Dies soll al­ter­na­ti­ve Hei­zungs­sys­te­me – die no­ta­be­ne mit Kan­tons­gel­dern sub­ven­tio­niert wer­den – noch at­trak­ti­ver ma­chen. (qsc)

Ei­ne De­bat­te ist das nicht mehr ge­we­sen. Vier Stän­de­rä­te äus­ser­ten sich ges­tern noch­mals zu den Vor­stös­sen, die der SRG den Um­zug des Ra­dio­stu­di­os von Bern nach Zü­rich ver­bie­ten woll­ten. Da­nach wur­den die par­la­men­ta­ri­schen Initia­ti­ven dis­kus­si­ons­los ver­senkt. Es gab nicht ein­mal mehr ei­nen an­ders­lau­ten­den An­trag, ei­ne Ab­stim­mung war nicht nö­tig. Zwan­zig Mi­nu­ten für ein Ge­schäft, zu dem noch im Som­mer halb­tä­gi­ge Sit­zun­gen ab­ge­hal­ten wur­den.

Das Seil­zie­hen zwi­schen der SRG und ih­ren Kri­ti­kern hat­te ein Jahr ge­dau­ert. Kurz nach ge­won­ne­ner No-Bil­lag-Ab­stim­mung kün­dig­te die SRG-Spit­ze an, den Haupt­teil des Ber­ner Ra­dio­stu­di­os nach Leut­schen­bach ver­le­gen zu wol­len. Als der Ver­wal­tungs­rat die Plä­ne im Sep­tem­ber 2018 tat­säch­lich ab­seg­ne­te, reich­ten Par­tei­prä­si­den­ten von links bis rechts par­la­men­ta­ri­sche Initia­ti­ven ein, um die Zü­gel­plä­ne zu ver­hin­dern. Kon­kret woll­ten sie ins Ge­setz schreiben, dass der Haupt­ra­dio­stand­ort der SRG Bern sein muss. Ei­ne ana­lo­ge Be­stim­mung woll­ten die Initi­an­ten für die West­schweiz, wo die SRG ei­ne Zen­tra­li­sie­rung in Lau­sanne plant. Nun sind die Vor­stös­se mit dem gest­ri­gen Stän­de­rats­ent­scheid de­fi­ni­tiv erledigt.

Tak­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on?

«Wir sind er­leich­tert», sag­te SRG-Spre­cher Edi Es­ter­mann. Noch im Ju­ni hat­te der Na­tio­nal­rat ein Zü­gel­ver­bot mit Zwei­drit­tel­mehr be­für­wor­tet, was die SRG un­ter Druck setz­te. We­ni­ge Wo­chen spä­ter mo­di­fi­zier­te sie ih­re Plä­ne, die neue SRF-Di­rek­to­rin Nat­ha­lie Wapp­ler kün­dig­te an, dass ge­wis­se Flagg­schiffsen­dun­gen wie das «Echo der Zeit» oder die Fach­re­dak­tio­nen wei­ter­hin in Bern blei­ben wür­den.

Mit dem gest­ri­gen Stän­de­rats­ent­scheid ist die­ser Druck nun weg – zu­min­dest für den Mo­ment. Ih­re po­li­ti­sche See­len­ru­he wer­de die SRG nicht fin­den, kün­dig­te der Frei­bur­ger CVP-Stän­de­rat Beat Von­lan­then an. Er wer­de der Un­ter­neh­mens­spit­ze sehr ge­nau auf die Fin­ger schau­en, ob sie das Ver­spre­chen, die we­sent­li­chen Tei­le der Ra­dio­in­for­ma­ti­on in Bern zu be­las­sen, auch tat­säch­lich ein­hal­te. Al­les an­de­re wä­re ein un­ver­zeih­li­cher Ver­trau­ens­bruch, sagt auch die Grü­ne-Prä­si­den­tin Re­gu­la Rytz. Sie war Initi­an­tin ei­ner der ab­ge­lehn­ten par­la­men­ta­ri­schen Initia­ti­ven.

Mit­ar­bei­ter des Ra­dio­stu­di­os be­fürch­ten in­des ge­nau das: dass die SRG ih­re Um­zugs­plä­ne le­dig­lich aus tak­ti­schen Grün­den re­la­ti­viert hat­te, um das Par­la­ment zu be­sänf­ti­gen. Und dass die Zen­tra­li­sie­rung in Zü­rich nun doch vor­an­ge­trie­ben wer­de. Sie stüt­zen sich da­bei auf ein in­ter­nes In­for­ma­ti­ons­schrei­ben und auf Aus­sa­gen von Mit­glie­dern der Chef­re­dak­ti­on.

Neu­er Streit um Ge­büh­ren

Aus­ge­stan­den ist die Wo­che für die SRG noch nicht. Für heu­te ist im Na­tio­nal­rat ei­ne par­la­men­ta

«Ich wer­de der SRGSpit­ze ge­nau auf die Fin­ger schau­en, ob sie das Ver­spre­chen auch tat­säch­lich ein­hält, die we­sent­li­chen Tei­le der Ra­dio­in­for­ma­ti­on in Bern zu be­las­sen.»

Beat Von­lan­then

Stän­de­rat (CVP, FR)

ri­sche Initia­ti­ve von Gre­gor Rutz (SVP, ZH) trak­tan­diert, der die Me­di­en­ab­ga­be­pflicht für Un­ter­neh­men strei­chen will. Die na­tio­nal­rät­li­che Fern­mel­de­kom­mis­si­on emp­fiehlt den Vor­stoss mit kom­for­ta­bler Mehr­heit zur An­nah­me, die Stän­de­rats­kom­mis­si­on lehnt ihn da­ge­gen ab. Es droht dem­nach ei­ne neu­er­li­che Patt­si­tua­ti­on zwi­schen Na­tio­nalund Stän­de­rat wie be­reits bei der Fra­ge um die SRG-Stand­or­te.

Die Initia­ti­ve von Na­tio­nal­rat Rutz hät­te dras­ti­sche Fol­gen: Wenn die Un­ter­neh­mens­ab­ga­be tat­säch­lich ge­stri­chen wür­de, fehl­ten 170 Mil­lio­nen von ins­ge­samt rund 1,3 Mil­li­ar­den Fran­ken jähr­lich in der Ge­büh­ren­kas­se, was für die SRG und die pri­va­ten ge­büh­ren­fi­nan­zier­ten Sen­der ein­schnei­dend wä­re. Jetzt schon plant die SRG be­kannt­lich Spar­mass­nah­men, ei­ner­seits we­gen der Pla­fo­nie­rung der Ge­büh­ren bei 1,2 Mil­li­ar­den Fran­ken, an­der­seits aber auch we­gen des dras­ti­schen Rück­gangs der Wer­be­ein­nah­men.

Un­ge­wis­se Zu­kunft für das Ber­ner Ra­dio­stu­dio: Mit dem Ent­scheid des Stän­de­rats ist der Wi­der­stand ge­gen ei­nen Um­zug nach Zü­rich ge­bro­chen.

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