Hat Meg­han Har­ry un­ter der Knut­te?

Die Re­ak­tio­nen auf die Rück­zugs­an­kün­di­gung von Prinz Har­ry und sei­ner Frau Meg­han ent­spre­chen ganz dem Kli­schee: Trifft der Mann ei­ne ge­wag­te Ent­schei­dung, hat ihn ei­ne Frau da­zu über­re­det.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseit­e - Mirjam Com­tes­se

Gibt ei­ne Frau für ei­nen Mann al­les auf, gilt das als wah­re Lie­be. Im um­ge­kehr­ten Fall gilt die Frau als do­mi­nant. War­um ist das ei­gent­lich so?

Die Ver­ant­wort­li­che war schnell ge­fun­den. Als Prinz Har­ry und sei­ne Frau Meg­han ver­gan­ge­ne Wo­che er­klär­ten, sie woll­ten künf­tig un­ab­hän­gi­ger le­ben und sich weit­ge­hend von den roya­len Pflich­ten zu­rück­zie­hen, hiess es prak­tisch uni­so­no: Meg­han steckt da­hin­ter. Prinz Har­ry macht es nur ihr zu­lie­be.

Mann soll sich durch­set­zen

Tref­fen Män­ner ei­ne le­bens­ver­än­dern­de Ent­schei­dung, blickt das Um­feld in der Re­gel auf die Frau. Vor al­lem wenn es sich um ei­ne un­po­pu­lä­re Ent­schei­dung han­delt, scheint klar: Der Mann ist nur ein Op­fer, die wah­re Bö­se ist sie.

Prinz Har­ry und Meg­han sind nur ein Bei­spiel. So soll et­wa der Ber­ner Schrift­stel­ler Fried­rich Dür­ren­matt un­ter der Fuch­tel sei­ner zwei­ten Frau Char­lot­te Kerr ge­stan­den und sich ih­ret­we­gen von lang­jäh­ri­gen Freun­den ent­frem­det ha­ben. Und im­mer wie­der hört man auch über nicht be­rühm­te Män­ner den Satz: «Seit er mit sei­ner neu­en Freun­din zu­sam­men ist, darf er nicht mehr mit sei­nen Kum­pels aus­ge­hen. Die hat ihn ganz schön un­ter der Knu­te!»

Im um­ge­kehr­ten Fall – wenn ei­ne Frau ih­ren Be­ruf, ih­re Fa­mi­lie oder ih­re Freun­din­nen für ei­nen Mann auf­gibt –, gilt dies nicht als Zei­chen von Schwä­che, son­dern als et­was Po­si­ti­ves. Wah­re Lie­be – so die Vor­stel­lung – zeigt sich bei Frau­en in Op­fer­be­reit­schaft.

Ein Bei­spiel? Meg­han Mark­le hat an­fangs für ih­ren Mann ih­re Hei­mat ver­las­sen, sie hat ih­ren Be­ruf der Schau­spie­le­rin auf­ge­ge­ben und zu ei­nem gros­sen Teil ihr Pri­vat­le­ben. Da­mals klatsch­ten al­le. Aber wenn er ihr nun ent­ge­gen­kommt, ir­ri­tiert das.

Al­te Rol­len­bil­der wir­ken

«Die bür­ger­li­chen Ge­schlech­ter­vor­stel­lun­gen sind sehr lang­le­big.»

Fa­bi­en­ne Am­lin­ger

Ber­ner Ge­schlech­ter­for­sche­rin

Die Ber­ner Ge­schlech­ter­for­sche­rin Fa­bi­en­ne Am­lin­ger er­klärt die un­ter­schied­li­che Wahr­neh­mung mit ste­reo­ty­pen Zu­schrei­bun­gen: «Ge­mäss bür­ger­li­chen, his­to­ri­schen Rol­len­vor­stel­lun­gen ist der Mann durch­set­zungs­fä­hig, die Frau lieb­lich und für­sorg­lich.» Sie soll sich sei­nen Wün­schen an­pas­sen. Pas­siert dies nicht, dann stimmt mit ihr et­was nicht – und mit dem Mann auch nicht. «Vor dem Hin­ter­grund die­ser bür­ger­li­chen Ge­schlech­ter­vor­stel­lun­gen gilt er dann als Sof­tie.»

Dass dies im Jahr 2020 im­mer noch gül­tig ist, mag er­schre­cken. Laut Fa­bi­en­ne Am­lin­ger zeigt sich dar­an: «Die bür­ger­li­chen Vor­stel­lun­gen sind sehr lang­le­big. Sie stam­men zwar aus dem 18. Jahr­hun­dert, doch in vie­len Köp­fen über­dau­ern sie bis heu­te.»

Was in der Dis­kus­si­on zu­dem ver­ges­sen geht: Es könn­te auch sein, dass die be­trof­fe­nen Män­ner gar nicht nach­ge­ben, son­dern ein­fach genau das wol­len, was auch für ih­re Frau­en stimmt. Wer dies nicht mal in Be­tracht zieht, der sieht Män­ner als Schwäch­lin­ge an, die nicht für ih­re In­ter­es­sen ein­ste­hen kön­nen. Oder zu­min­dest als et­was ein­fäl­ti­ge Ge­sel­len, die sich kei­ne Ge­dan­ken dar­über ma­chen, wie sie ihr Le­ben ge­stal­ten wol­len, bis ei­ne Frau sie da­zu zwingt.

Der Ber­ner Paarthe­ra­peut Klaus Heer macht an­de­re Er­fah­run­gen: «Vie­le Paa­re tref­fen bio­gra­fisch be­deut­sa­me Ent­schei­dun­gen ge­mein­sam und be­spre­chen die­se gründ­lich. Das macht ei­ne Ehe zu ei­ner at­trak­ti­ven Ein­rich­tung.» Man darf hof­fen, dass es bei Prinz Har­ry und sei­ner Frau Meg­han genau so ab­ge­lau­fen ist.

Lon­don Es sei ein Sieg für Prinz Har­ry und Her­zo­gin Meg­han, schrie­ben ei­ni­ge bri­ti­sche Me­di­en nach der gest­ri­gen Kri­sen­sit­zung mit der Queen. Die bei­den hät­ten Kö­ni­gin Eliz­a­beth II kei­ne an­de­re Wahl ge­las­sen, als ein­zu­kni­cken, er­klär­ten Ex­per­ten ge­gen­über der «Dai­ly Mail». Die­se ha­be ei­nen «roya­len Krieg» ver­hin­dern wol­len.

Nach dem Tref­fen und ei­nem of­fi­zi­el­len State­ment der Queen bro­del­te die Ge­rüch­te­kü­che in der Bou­le­vard­pres­se fleis­sig wei­ter. Ei­ni­ge Ex­per­ten ana­ly­sier­ten die Me­di­en­mit­tei­lung der Queen de­tail­liert und schlos­sen et­wa aus der in­for­mel­len An­spra­che der Queen auf ei­nen even­tu­el­len Ti­tel­ent­zug der bei­den Royals. Die Kö­ni­gin sprach Har­ry so­wie Meg­han näm­lich nicht, wie ei­gent­lich üb­lich, mit «Her­zog und Her­zo­gin von Sussex» an, son­dern di­rekt mit dem Vor­na­men. An­de­re Roy­al-Ex­per­ten sa­hen dar­in je­doch auch ein­fach «ei­ne Gross­mut­ter, die zu ih­rer Fa­mi­lie spricht». (sho)

Foto: Getty Images

So sieht das Vor­ur­teil aus: Meg­han gibt den Ton an, Prinz Har­ry läuft hin­ter­her.

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