Volk soll sich zur Por­zi äus­sern

Die Mit­wir­kung zur Ent­wick­lung des his­to­ri­schen Por­zi­are­als ist ge­star­tet.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseit­e - To­bi­as Gr­an­wehr In­for­ma­tio­nen zur öf­fent­li­chen Mit­wir­kung zum Por­zi­are­al un­ter Stadt-raum.ch

An ei­ner In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung der Stadt wur­de ori­en­tiert, wie es mit dem Por­zi­are­al wei­ter­ge­hen soll. Mit die­sem An­lass be­ginnt nun ei­ne Mit­wir­kung, in der sich bis En­de Fe­bru­ar al­le In­ter­es­sier­ten ein­brin­gen sol­len. «Al­le Ei­gen­tü­mer, Par­tei­en, In­ter­es­sen- und An­spruchs­grup­pen sol­len ei­ne mög­lichst dif­fe­ren­zier­te Beur­tei­lung zu den Trans­for­ma­ti­ons­prin­zi­pi­en ab­ge­ben», sag­te Stadt­prä­si­dent Reto Mül­ler (SP). Die Duck­schAn­li­ker-Grup­pe als grösste Ei­gen­tü­me­rin des Por­zi­are­als be­kräf­tig­te ih­re Ab­sich­ten: «Un­se­re Vi­si­on ist ein mo­der­nes und viel­fäl­ti­ges Quar­tier.» Nach wie vor ist die Por­zel­lan­fa­brik Lan­gen­thal AG ei­ne gros­se Mie­terin auf dem Are­al. Ge­mäss Ducksch-An­li­ker-Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied Gi­an Kämpf hat die Por­zel­lan­fa­brik al­ler­dings ei­nen be­trächt­li­chen Teil ih­rer ge­mie­te­ten Flä­che un­ter­ver­mie­tet oder sie ist un­ge­nutzt. Des­halb wol­le Ducksch An­li­ker die­sen Um­stand mit der Por­zi be­rei­ni­gen, sag­te Kämpf. Da­durch könn­ten neue Nut­zun­gen an­ge­dacht wer­den.

Geht es um das Lan­gen­tha­ler Por­zi­are­al, ist Wan­del der­zeit das gros­se Schlag­wort. «Der Wan­del be­ginnt», teil­te die Ducksch-An­li­ker-Grup­pe am Mon­tag mit. Das Lan­gen­tha­ler Ar­chi­tek­tur­un­ter­neh­men ist gröss­ter Ei­gen­tü­mer der In­dus­trie­bra­che und will die­se be­le­ben. Ein ge­plan­ter Schritt in die­se Rich­tung ist, dass Ducksch An­li­ker sei­nen Haupt­sitz 2021 auf das Por­zi­are­al ver­le­gen will (vgl. gest­ri­ge Aus­ga­be).

Auch die Stadt will ei­nen Wan­del des Ge­biets, auf dem einst Hun­der­te von Ar­bei­tern in der Por­zel­lan­pro­duk­ti­on tä­tig wa­ren. Sie hat neun so­ge­nann­te Trans­for­ma­ti­ons­prin­zi­pi­en aus­ar­bei­ten las­sen. Ziel ist ein Quar­tier mit ho­her Nut­zungs­qua­li­tät und Viel­falt. Die­se Prin­zi­pi­en des Wan­dels sol­len letzt­lich in ei­ne grund­ei­gen­tü­mer­ver­bind­li­che Re­ge­lung über­führt wer­den.

Kon­tro­ver­se Mei­nun­gen

Ei­ni­gen dau­ert die­ser Wan­del aber viel zu lan­ge. Das zeig­te sich an ei­ner In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung der Stadt. Dort wur­de dar­über ori­en­tiert, wie es mit dem Por­zi­are­al wei­ter­ge­hen soll. Mit die­sem An­lass be­ginnt nun ei­ne Mit­wir­kung, in der sich bis En­de Fe­bru­ar al­le In­ter­es­sier­ten ein­brin­gen sol­len. «Al­le Ei­gen­tü­mer, Par­tei­en, In­ter­es­sen- und An­spruchs­grup­pen sol­len ei­ne mög­lichst dif­fe­ren­zier­te Beur­tei­lung zu den Trans­for­ma­ti­ons­prin­zi­pi­en ab­ge­ben», er­klär­te Stadt­prä­si­dent Reto Mül­ler (SP) den An­we­sen­den.

Der Ge­mein­de­rat ha­be ge­merkt, dass die Mei­nun­gen be­züg­lich Are­al­ab­sich­ten so­wohl bei den Grund­ei­gen­tü­mern wie auch bei der Be­völ­ke­rung kon­tro­vers und di­vers sei­en, so Mül­ler. Des­halb hat sich die Exe­ku­ti­ve ent­schie­den, in ei­ner frei­wil­li­gen Mit­wir­kung Kri­tik und Rück­mel­dun­gen ab­zu­ho­len, «um Pla­ner­teams mit den rich­ti­gen Grund­la­gen und Zie­len auf den Weg zu schi­cken».

In der an­ge­reg­ten Dis­kus­si­ons­run­de wur­den ver­schie­de­ne Aspek­te an­ge­spro­chen, über die in der Ver­gan­gen­heit schon mehr­fach ge­strit­ten wur­de. Zum Bei­spiel, ob wirk­lich Hoch­häu­ser auf dem Are­al ge­baut wer­den sol­len. Ar­chi­tekt Ma­nu­el Al­be­ra­ti, der an der Test­pla­nung mit­ge­ar­bei­tet hat­te, er­klär­te: Es sei ein Miss­ver­ständ­nis, dass die Test­pla­nung Hoch­häu­ser for­de­re. «Das Por­zi­are­al könn­te ein mög­li­cher Stand­ort sein. Wir ha­ben an­ge­schaut, ob und in wel­cher Form sol­che ver­träg­lich wä­ren. Wir ka­men zum Schluss, dass zwei städ­te­bau­lich mög­lich, aber nicht es­sen­ti­ell sind», so Al­be­ra­ti. Letzt­lich sei der Ent­scheid aber ein po­li­ti­scher.

An­we­send wa­ren wie er­war­tet di­ver­se Stadt­rä­te. Ja­nosch Fank­hau­ser (SVP) woll­te von Stadt­prä­si­dent Mül­ler wis­sen, wel­chen Zeit­ho­ri­zont der Ge­mein­de­rat se­he, bis ei­ne bau­recht­li­che Grund­ord­nung vor­lie­ge. Mül­ler woll­te ihm kei­nen kon­kre­ten Zeit­punkt nen­nen. Er­fah­run­gen zei­gen je­doch, dass die­ser Pro­zess noch min­des­tens zwei Jah­re dau­ern wird. Fank­hau­ser war gar nicht be­geis­tert und sprach da­von, dies sei über­haupt nicht ei­gen­tü­mer­freund­lich. Ein wei­te­rer An­we­sen­der ent­geg­ne­te dar­auf­hin: «Die In­ves­to­ren ha­ben ge­wusst, dass sie ein ehe­ma­li­ges In­dus­trie­are­al ge­kauft ha­ben, das nicht ein­fach so um­ge­nutzt wer­den kann, son­dern ein po­li­ti­scher Pro­zess da­für nö­tig ist.»

Stadt­rat Die­go Cla­va­det­scher (FDP) wie­der­um ver­trat die Mei­nung, die­se Mit­wir­kung sei al­les an­de­re als lai­en­ge­recht. Ihm sei nicht klar, wie sich die Be­völ­ke­rung in den Pro­zess ein­brin­gen kön­ne. Er kön­ne mit die­sen Trans­for­ma­ti­ons­prin­zi­pi­en nichts an­fan­gen. Der Stadt­prä­si­dent er­mun­ter­te ihn und al­le Par­tei­en, grund­sätz­lich ih­re po­li­ti­sche Mei­nung kund­zu­tun und bei kon­kre­ten Fra­gen ei­ne der drei an­ge­kün­dig­ten Sprech­stun­den in An­spruch zu neh­men.

Ar­chi­tekt Fritz Schär, der eben­falls an der Test­pla­nung mit­ge­wirkt hat­te, er­läu­ter­te: Es sei zwar ein Pro­jekt zur Ent­wick­lung des Por­zi­are­als aus­ge­ar­bei­tet wor­den. «Das Are­al wird aber nie so aus­se­hen wie in die­sem Pro­jekt», so Schär. Die­ses ha­be le­dig­lich da­zu ge­dient, nach­zu­wei­sen, was um­ge­setzt wer­den kön­ne. Das Ziel sei al­so der Er­kennt­nis­ge­winn ge­we­sen.

Mie­ter kön­nen blei­ben

Gi­an Kämpf, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied der Ducksch-An­li­kerG­rup­pe, be­kräf­tig­te die Ab­sich­ten der Ei­gen­tü­mer­schaft: «Un­se­re Vi­si­on ist ein mo­der­nes und viel­fäl­ti­ges Quar­tier.» Es sol­le ein­zig­ar­tig blei­ben und sich gleich­zei­tig wei­ter­ent­wi­ckeln. Man wol­le An­rei­ze schaf­fen für neue Nut­zer, sag­te Kämpf. «Das Are­al wird sich ent­wi­ckeln, ob man es will oder nicht.» Das Ziel müs­se sein, dies ge­mein­sam zu tun. Für Ducksch An­li­ker ist das Schlüs­sel­pro­jekt in na­her Zu­kunft der Um­zug der Fir­ma auf das Por­zi­are­al. Gleich­zei­tig sag­te er das, was wohl die meis­ten Mie­ter am meis­ten um­treibt: «Sie müs­sen nicht weg.»

Auf po­li­ti­scher Ebe­ne dürf­te ge­mäss Sta­pi Mül­ler der Bahn­hof Süd bald zum The­ma wer­den. Die BLS will ihn be­hin­der­ten­ge­recht um­bau­en. Zu­dem steht ei­ne Ver­le­gung der Hal­te­stel­le in­ner­halb des Are­als zur De­bat­te. Die Dis­kus­si­on zeig­te, dass dies um­strit­ten ist. Mül­ler kün­dig­te an, dass der Stadt­rat noch in die­sem Früh­jahr über ei­nen Pro­jek­tie­rungs­kre­dit für die Bahn­ho­fer­schlies­sung de­bat­tie­ren kann. Die Fra­ge der Ver­schie­bung des Bahn­hofs kön­ne al­so po­li­tisch se­pa­rat von der Areal­ent­wick­lung dis­ku­tiert wer­den.

Foto: Beat Ma­thys

In der Por­zel­lan­fa­brik Lan­gen­thal AG gibt es nur noch Bü­ros und ei­nen La­den. Leer­ste­hen­de Räu­me auf dem Are­al sol­len künf­tig ge­nutzt wer­den.

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