Al­bert Rös­ti geht neue We­ge

Der zu­rück­tre­ten­de SVP-Prä­si­dent soll im Ge­spräch für ei­nen Sitz im Ver­wal­tungs­rat bei der Ber­ner Kran­ken­kas­se KPT sein. Par­tei­in­tern ern­tet Al­bert Rös­ti des­we­gen Kri­tik.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseit­e - Qu­en­tin Schlap­bach

Der schei­den­de SVP-Par­tei­prä­si­dent ist im Ge­spräch für ei­nen Ver­wal­tungs­rats­sitz bei der Ber­ner Kran­ken­kas­se KPT. Sein Man­dat bei der GVB ist ab­ge­lau­fen.

Die Par­tei­spit­ze der na­tio­na­len SVP traf sich am ver­gan­ge­nen Frei­tag im thur­gaui­schen Bad Horn zu ei­ner wich­ti­gen Ta­gung. Die Fra­ge, die al­le be­weg­te: Wer wird Nach­fol­ger des ab­tre­ten­den Par­tei­prä­si­den­ten Al­bert Rös­ti? Der Ber­ner SVP-Na­tio­nal­rat hat­te im De­zem­ber über­ra­schend ver­kün­det, dass er nicht mehr zur Wie­der­wahl an­tre­ten wer­de. Er selbst sprach da­bei von ei­nem frei­wil­li­gen Ent­scheid.

Kom­mis­si­on ge­wech­selt

Die SVP-na­he Zeit­schrift «Welt­wo­che» stellt die Frei­wil­lig­keit von Rös­tis Ab­gang nun aber in­fra­ge. Letz­te Wo­che war im Ma­ga­zin von Ver­le­ger und SVP

Ge­schäfts­füh­rer der Bü­ro Dr. Rös­ti Gm­bH, SVP-Par­tei­prä­si­dent

Na­tio­nal­rat Ro­ger Köp­pel zu le­sen, dass Rös­tis be­ruf­li­che Am­bi­tio­nen bei wich­ti­gen Ent­schei­dungs­trä­gern in­ner­halb der Par­tei – ins­be­son­de­re bei SVPÜber­va­ter Chris­toph Blo­cher und Frak­ti­ons­chef Tho­mas Ae­schi – für Un­mut sorg­ten. Rös­ti soll näm­lich im Ge­spräch für ei­nen Ver­wal­tungs­rats­sitz bei der Ber­ner Kran­ken­kas­se KPT sein. Dort könn­te er bald der Nach­fol­ger von Par­tei­kol­le­ge und Ex-Na­tio­nal­rat Ul­rich Gie­zen­dan­ner wer­den, der in ab­seh­ba­rer Zeit als Vi­ze­prä­si­dent der KPT zu­rück­tre­ten soll.

Auf An­fra­ge be­stä­tigt Rös­ti das Ge­rücht – al­ler­dings nur in­di­rekt. «Ich kann be­stä­ti­gen, dass mir si­gna­li­siert wur­de, dass der­einst ein Ver­wal­tungs­rats­man­dat bei der KPT neu zu be­set­zen sein wer­de», schreibt er in ei­ner Stel­lung­nah­me. Die po­li­ti­sche Grund­la­ge für die An­nah­me ei­nes sol­chen Man­da­tes hat Rös­ti jüngst be­reits ge­legt. Er wech­sel­te auf die neue Le­gis­la­tur hin in die na­tio­nal­rät­li­che Kom­mis­si­on für so­zia­le Si­cher­heit und Ge­sund­heit. Dort fal­len die weg­wei­sen­den Ent­schei­de in der Schwei­zer Ge­sund­heits­po­li­tik.

Lob­by-Man­dat bei der GVB

«Über mei­ne Ge­schäfts­zah­len ge­be ich kei­ne Aus­kunft.»

Al­bert Rös­ti

Meh­re­re SVP-Ver­tre­ter be­stä­tig­ten nun ge­gen­über der «Welt­wo­che», dass Blo­cher und Co. Rös­ti si­gna­li­sier­ten, dass «Pöst­chen in Ver­wal­tungs­rä­ten von Kran­ken­ver­si­che­rern» nicht mit dem SVP-Par­tei­prä­si­di­um kom­pa­ti­bel sei­en. Al­ler­dings ver­fügt Rös­ti be­reits heu­te über meh­re­re be­zahl­te Man­da­te, et­wa beim Dach­ver­band der Schwei­zer Brenn­stoff­händ­ler Swis­soil oder beim Schwei­ze­ri­schen Was­ser­wirt­schafts­ver­band. Dar­über ha­be die Par­tei bis­her «gross­zü­gig» hin­weg­ge­se­hen, schreibt die «Welt­wo­che».

Über sein ei­ge­nes Be­ra­tungs­un­ter­neh­men bie­tet Rös­ti auch Lob­by­dienst­leis­tun­gen für Fir­men an. Er selbst sagt aber, dass er ak­tu­ell kei­ne sol­chen Man­da­te mehr be­treue. Sein En­ga­ge­ment bei der Ge­bäu­de­ver­si­che­rung Bern (GVB) sei En­de 2019 ab­ge­lau­fen. Wie viel der ehe­ma­li­ge Ge­ne­ral­se­kre­tär der Volks­wirt­schafts­di­rek­ti­on des Kan­tons Bern für die­sen Auf­trag in den ver­gan­ge­nen Jah­ren aus­be­zahlt be­kam, will er nicht ver­ra­ten. «Über mei­ne Ge­schäfts­zah­len ge­be ich kei­ne Aus­kunft», sagt Rös­ti. Auch die GVB, die mehr­heit­lich im Be­sitz des Kan­tons Bern ist, will zu In­hal­ten und Kon­di­tio­nen von Rös­tis Man­dat kei­ne Aus­kunft ge­ben.

Wie viel der best­ge­wähl­te Ber­ner Na­tio­nal­rat als vi­el­leicht zu­künf­ti­ger Vi­ze­prä­si­dent der KPT ver­die­nen wird, ist hin­ge­gen trans­pa­rent. Jähr­lich schüt­tet die Kran­ken­kas­se an ih­re sie­ben­köp­fi­ge Füh­rungs­rie­ge 341 000 Fran­ken aus – da­von rund 65 000 Fran­ken an den Vi­ze­prä­si­den­ten. Im Ver­gleich zum un­be­zahl­ten Kno­chen­job als SVP-Par­tei­prä­si­dent ist das ein kla­rer Auf­stieg – zu­min­dest fürs Porte­mon­naie.

Foto: Adri­an Mo­ser

Al­bert Rös­ti will wie­der mehr Zeit für pri­va­te Ge­schäf­te ha­ben.

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