Dank der Freun­din auf den Gip­fel

Der Wan­del von Beat Feuz vom schlam­pi­gen Ge­nie zum zwei­fa­chen Wen­gen-Sie­ger ist eng mit Le­bens­ge­fähr­tin Ka­trin Tri­endl ver­bun­den. Der Em­men­ta­ler sagt: «Oh­ne sie hät­te ich vi­el­leicht auf­ge­hört.»

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseit­e - Philipp Rind­lis­ba­cher

In Wen­gen will Beat Feuz im­mer hoch hin­aus, in­so­fern passt sei­ne An­rei­se per Hub­schrau­ber. Dass aus dem Em­men­ta­ler, einst ein schlam­pi­ges Ge­nie mit lau­si­gen Fit­ness­wer­ten, ein zwei­fa­cher Lau­ber­horn-Sie­ger ge­wor­den ist, ver­dankt er auch Ka­trin Tri­endl. Er sagt: «Oh­ne sie hät­te ich wohl auf­ge­hört.»

Es war ein­mal ein jun­ger Mann aus ei­ner Bau­ern­fa­mi­lie, die schuf­ten muss­te fürs täg­li­che Brot. Der jun­ge Mann aber, ab­wech­selnd Ski­ju­wel und Jahr­zehnt­ta­lent ge­nannt, tat nur das Nö­tigs­te. Lie­ber stiess er sich die Hör­ner ab ne­ben der Pis­te. Ass Fon­due vor dem Ren­nen. Zeig­te sein Bäuch­lein. Liess sei­ne lau­si­gen Fit­ness­wer­te lau­sig blei­ben.

Beat Feuz war ein Ski­fah­rer, dem auf zwei Lat­ten al­les in den Schoss zu fal­len schien. Der drei­mal Ju­nio­ren-Welt­meis­ter wur­de und über­zeugt da­von war, dass schon al­les gut kom­men wür­de.

Das ist es. Trotz ei­ni­gen Irr­we­gen. Feuz hat elf Ren­nen ge­won­nen, zwei da­von in Wen­gen. Er ist kein Mül­ler oder Cu­che ge­wor­den, die ih­ren Kör­per schin­de­ten und von Klimm­zü­gen und Lie­ge­stüt­zen träum­ten. Aber er hat sich ge­wan­delt, hat ge­lernt, wie ein Spit­zen­sport­ler zu le­ben. Manch Coach und Be­ra­ter mag ihm ge­hol­fen ha­ben, Ein­fluss je­doch nahm vor­ab sei­ne Le­bens­ge­fähr­tin Ka­trin Tri­endl. Feuz sagt: «Sie hat mir die Au­gen ge­öff­net.»

Ken­nen ge­lernt ha­ben sich Tri­endl und Feuz 2006 an der Ju­nio­ren-WM in Qué­bec. Hier die Mus­ter­ath­le­tin aus dem Ti­rol, glei­cher­mas­sen fleis­sig wie ehr­gei­zig, da das schlam­pi­ge Ge­nie aus dem Em­men­tal, dem selbst die De­vi­se Di­enst nach Vor­schrift zu viel war. Zwei kom­plett un­ter­schied­li­che Sport­ler sei­en sie ge­we­sen, mit un­ter­schied­li­chen Wert­vor­stel­lun­gen, meint Feuz. Aber eben, es sind Ge­gen­sät­ze, die an­zie­hen. Bald wur­den Tri­endl und Feuz ein Paar, und es ist sein frü­he­rer Trai­ner Sepp Brun­ner, heu­te in Di­ens­ten der Ös­ter­rei­cher, der sagt: «Die Ka­trin hat das

Den­ken von Beat ver­än­dert. Sie hat aus ihm ei­nen ech­ten Ath­le­ten ge­macht.»

Heim­li­cher Per­so­nal Coach

Tri­endl wird wie ihr Part­ner bald 33. Als Ski­fah­re­rin war sie dis­zi­pli­niert, in den Ren­nen aber stell­te sie sich selbst ein Bein, weil sie es zu gut ma­chen woll­te. Auf­grund ei­ner Knie­ver­let­zung hör­te sie auf, liess sich zur Phy­sio­the­ra­peu­tin aus­bil­den. Und schlüpf­te in die Rol­le des heim­li­chen Per­so­nal Trai­ners. Noch heu­te wirkt sie als Mo­ti­va­to­rin, als An­trei­be­rin; sie lockt Feuz aus der Re­ser­ve. «Beat ist nie ein Fit­ness­freak ge­we­sen, und er wird nie ei­ner sein. Aber ich ha­be ihm klar­ge­macht, was wich­tig für den Kör­per und die Ge­sund­heit ist.»

So be­gann Feuz et­wa, sich aus­ge­wo­ge­ner zu er­näh­ren. Und rea­li­sier­te in ge­mein­sa­men Kon­di­ti­ons­trai­nings, wie viel Luft nach oben er hat­te. «Dank Ka­trin schaue ich auf Din­ge, die ich frü­her nicht be­ach­tet hat­te», sagt er. Vor al­lem aber sei ihm sei­ne Part­ne­rin stets mit Rat und Tat zur Sei­te ge­stan­den, nicht zu­letzt in den Jah­ren 2012 und 2013, als die Kar­rie­re am sei­de­nen Fäd­chen hing, er sich die Sinn­fra­ge stell­te. «Es war schwie­rig mit mir in die­ser Zeit. Ka­trin hielt mich aus, rich­te­te mich auf. Vi­el­leicht hät­te ich oh­ne sie auf­ge­hört.»

Ih­ren Job in ei­ner Inns­bru­cker Sport­pra­xis hat Tri­endl ge­kün­digt. Ei­ne Zeit lang küm­mer­te sie sich aus­schliess­lich um ih­ren Le­bens­ge­fähr­ten, der da­mals von ei­nem «Ge­schenk von mir an mich» sprach. Nun ist Re­né van En­ge­len für Feuz ver­ant­wort­lich; er war Tri­endls Ar­beits­kol­le­ge ge­we­sen; sie hat ih­ren Ein­fluss wal­ten las­sen, da­mit er bei Swiss-Ski un­ter­kommt.

Weh­lei­di­ger Pa­ti­ent

Ge­blie­ben ist die Rund­um­be­treu­ung da­heim im ös­ter­rei­chi­schen Ald­rans. «Spürt Beat et­was, kann ich ihn fünf Mi­nu­ten spä­ter prä­ven­tiv be­han­deln. Das ist si­cher ein Vor­teil.» Elf Ope­ra­tio­nen hat Feuz hin­ter sich, wenn­gleich die Knie­pro­ble­me klei­ner ge­wor­den sind, gibt es im­mer wie­der Ta­ge, an de­nen er star­ke Schmer­zen be­kun­det. «Wenn die Freun­din dich be­han­deln kann, ist das Lu­xus», meint der Sch­angnau­er. In der Alt­jahrs­wo­che wur­de er mit ge­bro­che­ner Hand und zu­sam­men­ge­bun­de­nen Fin­gern in Bor­mio Zwei­ter und Drit­ter, was vie­les aus­sagt über sei­ne Schmerz­re­sis­tenz. Und doch hält sich Feuz für ei­nen weh­lei­di­gen Pa­ti­en­ten. Er sagt: «Wenn Ka­trin drückt, wer­de ich zum Jam­me­ri.» Sie meint: «Ich darf bei je­der Haus­frau här­ter drü­cken als bei ihm.»

Ih­ren Ein­fluss auf Feuz’ Er­fol­ge mag Tri­endl nicht über­be­wer­ten, wo­mög­lich blockt sie des­halb vie­le In­ter­viewan­fra­gen ab. Sie ist die Per­fek­tio­nis­tin, bei der al­les pas­sen muss, ihr Part­ner ist der lo­cke­re Typ, der Un­ge­ra­des ste­hen las­sen kann. «Beat ist un­or­ga­ni­sier­ter, aber ein ru­hi­ger Pol. Ich bin ei­ne Pla­ne­rin, aber un­ge­dul­di­ger.» Kurz: Sie pusht ihn, er bremst sie.

Für ih­ren Freund or­ga­ni­siert und ko­or­di­niert Tri­endl Ter­mi­ne, sie ist die Schnitt­stel­le zum Ma­nage­ment und den Me­di­en. Wäh­rend der Lau­ber­horn­Ren­nen ist das In­ter­es­se am Welt­meis­ter von 2017 be­son­ders gross, manch­mal wünscht Feuz, sich aus dem Ziel­raum ins Ho­tel «bea­men» zu kön­nen. Und so schirmt Tri­endl ih­ren Liebs­ten auch mal ab. Wo­bei sie die­ses Jahr erst ab Don­ners­tag vor Ort sein wird. Feuz flog vor­ges­tern mit dem Hub­schrau­ber von Inns­bruck via Bad Ra­gaz nach Wen­gen. Statt sechs St­un­den mit Au­to und Zug dau­er­te die An­rei­se knapp 90 Mi­nu­ten – Feuz spricht von wert­vol­ler Ener­gie­er­spar­nis.

In Wen­gen ist er der gros­se Fa­vo­rit, 2012 und 2018 sieg­te er. Wie kein Zwei­ter ver­mag Feuz den Schal­ter um­zu­le­gen, wenn es zählt. Es ist ei­ne Qua­li­tät, ob wel­cher Tri­endl im­mer wie­der staunt, «so­gar bei Ge­sell­schafts­spie­len wird er bes­ser, wenn es eng wird».

Zu­wei­len du­el­lie­ren sich Feuz und Tri­endl, seit 2018 El­tern von Clea, im Ten­nis. Sie schlägt sau­be­rer, aber er ge­winnt. An­ders sieht es beim Lang­lau­fen aus, chan­cen­los sei er, sagt der 32-Jäh­ri­ge. Als sei­ne Gat­tin den Napf-Ma­ra­thon in den Em­men­ta­ler Al­pen ab­sol­vier­te, wur­de Feuz’ Atem schon vom Zu­schau­en schwer.

Tri­endl sagt, Feuz mö­ge es noch im­mer, ge­müt­lich auf dem So­fa zu sit­zen. «Aber er weiss jetzt, wann es Zeit ist, auf­zu­ste­hen.»

«Beat wird nie ein Fit­ness­freak sein. Aber ich ha­be ihm klar­ge­macht, was wich­tig ist für die Ge­sund­heit.»

Foto: chp

Foto: Chris­ti­an Pfan­der

Beat Feuz beim Aus­la­den in Wen­gen: Der zwei­fa­che Lau­ber­horn-Sie­ger ist per Hub­schrau­ber von Inns­bruck ins Ber­ner Ober­land ge­bracht wor­den.

Foto: Keysto­ne

Zwei, die per­fekt har­mo­nie­ren: Ka­trin Tri­endl und Beat Feuz.

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