Mei­kirch: Mann wur­de in Beth­le­hem ge­tö­tet

Der To­te, den die Po­li­zei in Mei­kirch fand, ist in Bern-Beth­le­hem ge­tö­tet wor­den. In der Sied­lung, wo das Op­fer als Im­mo­bi­li­en­be­wirt­schaf­ter ar­bei­te­te, ist die Trau­er gross.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseit­e - Ste­pha­nie Jun­go

Stadt Bern Der Mann, des­sen Lei­che die Po­li­zei in Mei­kirch fand, wur­de in Bern Beth­le­hem ge­tö­tet. Dort, wo er auch ge­ar­bei­tet hat. Die Trau­er im Quar­tier ist gross.

Ein Hoch­haus in Beth­le­hem. Ei­ne äl­te­re Frau, be­packt mit Ein­kaufs­ta­schen, stie­felt auf den Ein­gang zu. Aus der ro­ten Den­ner-Ta­sche ra­gen weis­se Ro­sen, ein­ge­packt in Plas­tik. Hin­ter der Ein­gangs­tür rei­hen sich Dut­zen­de Brief­käs­ten an­ein­an­der. Die Frau öff­net die nächs­te Tür, stellt ih­re Ta­schen ab, nimmt die Ro­sen und hält ei­nen Mo­ment in­ne. Im Ein­gangs­be­reich, ge­gen­über den Lif­ten, sta­peln sich auf ei­nem Tisch Blu­men, fla­ckern Ker­zen. Die äl­te­re Frau legt ih­re Ro­sen da­zu und ver­schwin­det in ei­nem der Lif­te.

In der Mit­te des Ti­sches lä­chelt ein Mann von ei­nem Foto. Es ist der To­te, den die Po­li­zei An­fang Wo­che in Mei­kirch ge­fun­den hat (wir be­rich­te­ten). Er ar­bei­te­te als Im­mo­bi­li­en­be­wirt­schaf­ter bei der Ei­gen­tü­me­rin des Hoch­hau­ses in Beth­le­hem, war oft im Ge­bäu­de un­ter­wegs, kann­te vie­le, die dort wohn­ten. Mit den Ker­zen und Blu­men er­in­nern Be­woh­ne­rin­nen und Be­woh­ner des Hau­ses und Freun­de des Op­fers an ihn, ein Kon­do­lenz­buch liegt eben­falls auf. Beim To­ten han­delt es sich um den Mann, der seit ver­gan­ge­nem Don­ners­tag ver­misst wor­den war. Das be­stä­tig­te die Kan­tons­po­li­zei ges­tern. Der 46-jäh­ri­ge Mann wur­de Op­fer ei­nes Ge­walt­ver­bre­chens. Die Men­schen, die im Hoch­haus ein und aus ge­hen,

sind trau­rig, vie­le von ih­nen be­grei­fen nicht, wie so et­was pas­sie­ren konn­te. «Was ist nur los mit der Welt?», fragt ein Mann, der mit wäss­ri­gen Au­gen vor dem Tisch steht. Be­son­ders zu schaf­fen macht ih­nen, dass der mut­mass­li­che Tä­ter bei ih­nen im Hoch­haus ge­wohnt ha­ben soll. Ei­ni­ge der Be­woh­ner hät­ten ihn ge­kannt.

Zu den Ta­tum­stän­den äus­sert sich die Kan­tons­po­li­zei nicht. Sie schreibt le­dig­lich, dass der mut­mass­li­che Tä­ter ge­stän­dig ist. Es han­delt sich um ei­nen 54-jäh­ri­gen Mann. Wei­ter steht in der Mit­tei­lung, dass das Op­fer Stich­ver­let­zun­gen auf­wies. Ob die­se zum Tod führ­ten, wer­de der­zeit un­ter­sucht. Zum Ver­bre­chen kam es be­reits ver­gan­ge­nen Don­ners­tag in ei­nem Mehr­fa­mi­li­en­haus in Bern-Beth­le­hem. Der Tä­ter brach­te die Lei­che mit ei­nem Au­to nach Mei­kirch und leg­te sie in ei­nem Wald­stück bei Gräch­wil ab.

Ei­fer­sucht als Mo­tiv?

Das Ver­bre­chen rückt das Hoch­haus im Wes­ten Berns in den Fo­kus der Me­di­en. Es wird spe­ku­liert über Mo­tiv und Hin­ter­grün­de, Fotos vom Op­fer und des mut­mass­li­chen Tä­ters kur­sie­ren. Der «Blick» will her­aus­ge­fun­den ha­ben, dass der Tä­ter aus Ei­fer­sucht han­del­te. Sei­ne Ex-Frau soll ei­ne Be­zie­hung mit dem Op­fer ge­habt ha­ben. Die Tren­nung ha­be der 54-Jäh­ri­ge nie über­wun­den. Die Frau sei im Som­mer aus der ge­mein­sa­men Woh­nung im Hoch­haus aus­ge­zo­gen und soll nun in der Nä­he woh­nen.

Tren­nungs­schmerz, Ei­fer­sucht: Vie­le der Be­woh­ne­rin­nen und Be­woh­ner mö­gen sich nicht zu den Ge­rüch­ten äus­sern. Ei­ni­ge sind wü­tend, wol­len nichts von den Ge­schich­ten in den Me­di­en wis­sen, be­zwei­feln, ob das al­les wahr sei. «Je­mand sagt et­was, und al­le, die es wei­ter­erzäh­len, er­fin­den noch et­was da­zu», meint ein Mann und läuft da­von.

«Was ist nur mit der Welt los?»

Be­woh­ner des Hoch­hau­ses,

wo das Op­fer be­ruf­lich tä­tig war

Foto: Ra­pha­el Mo­ser

Be­woh­ner ge­den­ken des To­ten.

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