Weil er schwul ist: Va­ter schnei­det Sohn die Keh­le auf

Die Bur­ger­ge­mein­de sorgt da­für, dass bes­ser über die Gr­ab­hü­gel im Un­ter­hard in­for­miert wird.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseit­e -

Ober­ge­richt Ein schwu­ler jun­ger Mann soll von sei­nem ira­ki­schen Va­ter mit ei­nem Mes­ser schwer ver­letzt wor­den sein. Ge­gen den Va­ter läuft ein Straf­ver­fah­ren we­gen ver­such­ter vor­sätz­li­cher Tö­tung, er sitzt in Un­ter­su­chungs­haft. Da­ge­gen hat er sich nun mit ei­ner Be­schwer­de ans Ober­ge­richt ge­wehrt – er be­haup­tet, dass das, was der Sohn er­zählt, nicht stim­me.

«Aus dem Schat­ten ans Licht» hiess ei­ne Aus­stel­lung im Mu­se­um Lan­gen­thal. Sie stell­te 2009 die Fun­de aus den Gr­ab­hü­geln im Un­ter­hard vor. Die­se wa­ren zum Vor­schein ge­kom­men, als die SBB et­wa ein Jahr­zehnt vor­her die Neu­bau­stre­cke für die Bahn 2000 er­stell­ten. Dass das Kul­tur­denk­mal vom Ar­chäo­lo­gi­schen Di­enst des Kan­tons Bern er­forscht wer­den konn­te, be­vor es wei­chen muss­te, war ei­ne der Auf­la­gen, die das Bahn­un­ter­neh­men er­fül­len muss­te.

Die Hü­gel stam­men aus der äl­te­ren Ei­sen­zeit, die zwi­schen 800 und 450 vor Chris­tus da­tiert

wird. Sie sind ei­ne der be­deu­tends­ten Ne­kro­po­len, die aus die­ser Epo­che im schwei­ze­ri­schen Mit­tel­land über­lie­fert sind. Doch es wur­den nicht nur Fun­de ge­bor­gen und do­ku­men­tiert, auch in der Land­schaft wur­de das Kul­tur­denk­mal er­hal­ten.

Nur ei­ner ist echt

Ein Hü­gel lag ne­ben dem Bahnare­al. Er wur­de nicht aus­ge­gra­ben und zu­sätz­lich in öst­li­cher Rich­tung mit zwei Hü­geln er­gänzt. Die­se er­in­nern an die­je­ni­gen, die auf dem heu­ti­gen Bahnare­al la­gen. Wo­für sie ste­hen, er­klär­te der Archäo­lo­gi­sche Di­enst

auf ei­ner In­for­ma­ti­ons­ta­fel bei der Brü­cke über die Neu­bau­stre­cke. Die­se stand seit­her im­mer im Son­nen­licht – und das ist ihr nicht gut be­kom­men. Wäh­rend die Fund­stü­cke aus dem Schat­ten der Gr­ab­hü­gel rund zwei­ein­halb Jahr­tau­sen­de über­dau­er­ten, ist die Ta­fel be­reits nach gut zehn Jah­ren aus­ge­bleicht. Der Archäo­lo­gi­sche Di­enst will sie des­halb er­set­zen. Für die Fi­nan­zie­rung konn­te er die Bur­ger­ge­mein­de Lan­gen­thal ge­win­nen.

«Wir sind uns der Be­deu­tung die­ses Kul­tur­gu­tes auf dem Land un­se­res Bur­ger­ho­fes be­wusst», sagt Pe­ter Sieg­rist, der Prä­si­dent

der Bur­ger­ge­mein­de. Die Ta­fel wird von den Archäo­lo­gen kom­plett über­ar­bei­tet und als senk­rech­te Ste­le er­stellt.

Lan­ge Zeit in Ge­brauch

Aus dem Schat­ten ans Licht be­för­dert hat­ten die Gra­bungs­tech­ni­ker Ge­fäs­se, Schmuck und Waf­fen, die den Ver­stor­be­nen bei­ge­ge­ben wor­den wa­ren. Wie sich zeig­te, dien­te der Be­gräb­nis­platz nicht nur den Men­schen aus der äl­te­ren Ei­sen­zeit, son­dern auch den Rö­mern und den Men­schen im Früh­mit­tel­al­ter. Erst im 7. Jahr­hun­dert nach Chris­tus wur­de er auf­ge­ge­ben. In sei­ner

Nä­he wur­den zu­dem Spu­ren ei­ner Sied­lung aus der jün­ge­ren Ei­sen­zeit ge­fun­den: ein Pfos­ten­haus mit Kel­ler­gru­be, ei­ne Gru­be und ein Ofen. Sie wer­den zwi­schen 450 vor Chris­tus und der Zei­ten­wen­de da­tiert.

Die Hü­gel müs­sen je­doch auch fach­ge­recht un­ter­hal­ten wer­den. Auch da­für ist die Bur­ger­ge­mein­de künf­tig be­sorgt: Der neue Päch­ter des Bur­ger­ho­fes, Jo­sef Oder­matt, wird sie von Hand mä­hen. Die Bur­ger­ge­mein­de ver­gü­tet ihm die­se Ar­beit. Die Kos­ten be­zif­fert Pe­ter Sieg­rist auf ei­nen ein­ma­li­gen vier­stel­li­gen Be­trag für die neue Ta­fel und jähr­lich et­wa 1000 Fran­ken fürs Mä­hen. Da­mit das ein­zig­ar­ti­ge Kul­tur­gut künf­tig im bes­ten Licht er­strahlt.

Nut­zen für Fra­gi­le Suis­se

Der Bur­ger­rat hat wei­ter be­schlos­sen, den von den Bur­ge­rin­nen und Bur­gern nicht ab­ge­hol­ten Bur­ger­nut­zen 2019 der Or­ga­ni­sa­ti­on Fra­gi­le Suis­se zu­kom­men zu las­sen. Die Or­ga­ni­sa­ti­on führt auch ei­ne Grup­pe in Lan­gen­thal. Sie setzt sich für Men­schen mit ei­ner Hirn­ver­let­zung und de­ren An­ge­hö­ri­ge ein.

Jürg Ret­ten­mund

Foto: Archäo­lo­gi­scher Di­enst des Kan­tons Bern

Die drei ei­gen­ar­ti­gen Hü­gel ne­ben der Bahn 2000 im Lan­gen­tha­ler Un­ter­hard sind Gr­ab­hü­gel aus der äl­te­ren Ei­sen­zeit zwi­schen 800 und 450 vor Chris­tus.

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