Der Meis­ter star­tet mit ei­nem Sieg

Nach dem Dämp­fer in der Cham­pi­ons-Le­ague-Qua­li­fi­ka­ti­on ge­gen Midtjyl­land ge­winnt YB zum Meis­ter­schafts­auf­takt zu Hau­se ge­gen den FCZ 2:1.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseit­e - Mo­ritz Martha­ler

Ein biss­chen Frust hat­ten bei­de im Bauch. Der FCZ, der sich schon wie­der bla­miert hat­te, mit ei­nem 2:3 im Cup beim zu­letzt irr­lich­tern­den Chal­len­ge-Le­ague-Club Chi­as­so. Und die Young Boys, die noch den bit­te­ren Ge­schmack der Nie­der­la­ge bei Midtjyl­land mit sich tru­gen, in ei­nem Spiel, das vie­le von ih­nen rat­los zu­rück­liess.

Es ging al­so los in der Su­per Le­ague. Ge­gen den FCZ fin­gen sich die Ber­ner gleich wie­der ein Ge­gen­tor ein, da­zu ein frü­hes. Zü­richs As­san Cee­say hat­te ei­ne Schwä­che in der YB-Ab­wehr auf­ge­deckt: Sie kommt schlecht ge­gen die Un­ru­he an, die ein Stür­mer vom Typ «Walk­müh­le» wie Cee­say stif­tet, wenn er sich im­mer wei­ter nach vor­ne gräbt. Cap­tain Fa­bi­an Lus­ten­ber­ger schritt ge­gen den Gam­bier nicht en­er­gisch ge­nug ein, der pass­te mit Glück auf Ko­lol­li, des­sen Schuss lan­de­te ab­ge­lenkt im Tor. Ge­spielt wa­ren fünf Mi­nu­ten. Die Hand­brem­se vom Mitt­woch, sie war noch im­mer nicht ganz ge­löst.

Es gab bis vor ei­ner Wo­che ja kei­nen Grund, sich um das Wohl der Young Boys Sor­gen zu ma­chen. Die Trans­fers wa­ren über­legt, auch schwie­ri­ge­re Per­so­nal­ent­schei­de wie der­je­ni­ge um Guil­lau­me Ho­arau rie­fen kei­ne gros­se Un­ru­he her­vor, die Mann­schaft schien trotz re­kord­kur­zer Som­mer­pau­se be­reit. Die Nie­der­la­ge in Dä­ne­mark am Mitt­woch je­doch mach­te stut­zig.

Von die­sem Be­triebs­un­fall lies­sen sich die Young Boys am Sams­tag nach dem frü­hen Rück­stand nichts an­mer­ken. Sie ant­wor­te­ten mit dem Selbst­ver­ständ­nis, das sie als Meis­ter in ei­nem Heim­spiel ge­gen ei­nen sol­chen Geg­ner an den Tag le­gen müs­sen. Schon früh be­durf­te es ei­ner star­ken Pa­ra­de von FCZGo­a­lie Ya­nick Bre­cher, um den Aus­gleich durch Ulis­ses Gar­cia zu

ver­hin­dern. Chris­ti­an Fass­nacht traf den Pfos­ten, und we­nig spä­ter war der Ball dann drin: Fe­lix Mam­bim­bi hat­te ihn nach ei­nem Cor­ner und di­ver­sen Kopf­bäl­len über die Li­nie ge­drückt.

Be­reits di­ver­se Ver­letz­te

Mam­bim­bi war ei­ner von fünf Neu­en in der Start­for­ma­ti­on. Die Leis­tung vom Mitt­woch war kaum der Grund für die vie­len Wech­sel. Viel­mehr füh­ren die Young Boys schon früh in der Sai­son wie­der ei­ne um­fas­sen­de Ver­letz­ten­lis­te. Da fehl­ten am Sams­tag neu­er­dings Mi­chel Ae­bi­scher, Chris­to­pher Mar­tins, Mar­vin Spiel­mann oder Da­vid von Ball­moos.

Die Ad­duk­to­ren­pro­ble­me des Stamm­tor­warts führ­ten schon am Mitt­woch in Dä­ne­mark fast zur Aus­wechs­lung. Drei Ta­ge spä­ter war klar, dass Guil­lau­me Fai­v­re

in sei­nen ers­ten Wo­chen als neu­er YB-Er­satz­tor­wart wür­de ein­sprin­gen müs­sen. Mar­tins und Ae­bi­scher pla­gen Knie­be­schwer­den, Spiel­mann Schmer­zen am Ober­schen­kel. Ge­naue­re Un­ter­su­chun­gen ste­hen noch aus, schlim­me Bles­su­ren sind es aber bei al­len vie­ren nicht.

Nach Mam­bim­bis Aus­gleich ging es wei­ter in die ge­wünsch­te Rich­tung. Doch die Zürcher schick­ten sich so sehr in den Kampf, dass sie ih­rem Trai­ner da­mit so­gar über den Schluss­pfiff hin­aus ein Lä­cheln ins Ge­sicht zeich­ne­ten. «Wir gin­gen ans Li­mit, das ge­fällt mir», sag­te Lu­do­vic Ma­gnin.

Das ent­schei­den­de Tor ge­lang schliess­lich Fass­nacht. Schon ge­gen Midtjyl­land hat­te er Chan­cen lie­gen las­sen, am Sams­tag mach­te er da wei­ter. Bis er ei­ne Flan­ke Gar­ci­as aus kur­zer Dis­tanz

ver­wer­te­te. Die Young Boys spiel­ten nach Gelb-Rot ge­gen He­ku­ran Kry­e­ziu zu der Zeit in Über­zahl.

Die Flan­ken kom­men an

YB hat­te das Spiel ge­dreht, hat­te mehr Ball­be­sitz, die bes­se­ren Chan­cen. Und doch schweb­te über all dem die Mög­lich­keit, dass das al­les nicht so rich­tig hal­ten könn­te. Die neu for­mier­te Ab­wehr brach­te auch in die­ser Zu­sam­men­set­zung ein ge­wis­ses Ri­si­ko mit sich, die In­nen­ver­tei­di­ger Mo­ha­med Ca­ma­ra und Céd­ric Ze­si­ger wa­ren den Zürcher Kon­tern nicht im­mer ge­wach­sen. Und der FCZ hat­te nach Gelb-Rot ge­gen Ze­si­ger wie­der per­so­nel­len Gleich­stand und et­was Auf­trieb. Cee­say rutsch­te ein­mal am Ball vor­bei und in der 95. Mi­nu­te hat­te YB Glück, als der Schieds­rich­ter ei­ne viel­ver­spre­chen­de Sze­ne im Straf­raum ab­pfiff. «Auch nach die­sem Spiel gibt es Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al», hielt YB-Trai­ner Ger­ar­do Seo­a­ne fest. Der Auf­tritt bei geg­ne­ri­schen Kon­tern, oder das Zwei­kampf­ver­hal­ten könn­ten so Be­rei­che sein. Da­für ver­lie­hen auf den Aus­sen­po­si­tio­nen Hef­ti und Gar­cia dem Ber­ner An­griffs­spiel mit ih­ren gu­ten Flan­ken viel zu­sätz­li­cher Ge­fahr.

Winkt die kan­to­na­le Ge­sund­heits­be­hör­de das YB-Schutz­kon­zept durch, dür­fen die Young Boys ihr nächs­tes Heim­spiel in der Li­ga vor deut­lich mehr Zu­schau­ern aus­tra­gen als den 1000 Fans, die am Sams­tag im Sta­di­on wa­ren. Da­zwi­schen müs­sen sie sich nächs­te Wo­che in Sit­ten und dar­auf im Heim­spiel oh­ne Zu­schau­er ge­gen Ti­ra­na be­wei­sen.

Der Start in die Sai­son ist bis jetzt ein An­fah­ren am Hang. Die Hand­brem­se ge­hört da­zu.

Fotos: Pe­ter Klaun­zer (Keysto­ne)

Der Lohn für ei­ne Wil­lens­leis­tung: Chris­ti­an Fass­nacht trifft ge­gen den FCZ zum 2:1.

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