BZ Langenthaler Tagblatt

Schnei­der-Am­manns Gast­bei­trag er­staunt FDP

Macht der Frei­sinn ei­ne Kehrt­wen­de beim Rah­men­ab­kom­men?

- Free Democratic Party (Germany) · Switzerland · European Union · The Swiss government · World Bank · World Trade Organization

Hus­sein Har­i­ri, der 1987 ein Flug­zeug ent­führ­te und ei­nen Flight At­ten­dant tö­te­te, wur­de nicht be­gna­digt.

Jo­hann Schnei­der­Am­mann, Al­tBun­des­rat seit An­fang 2019, er­staun­te am Wo­che­n­en­de mit ei­nem Gast­bei­trag in der NZZ. Dar­in kri­ti­siert der Frei­sin­ni­ge das Ver­hand­lungs­er­geb­nis des in­sti­tu­tio­nel­len Rah­men­ab­kom­mens zwi­schen der Schweiz und der EU. Nicht nur müss­ten ge­wis­se Punk­te nach­ver­han­delt wer­den, schreibt er, son­dern es müs­se auch die grund­sätz­li­che Fra­ge der staat­li­chen Sou­ve­rä­ni­tät the­ma­ti­siert wer­den.

Seit Mo­na­ten wird über das in­sti­tu­tio­nel­le Rah­men­ab­kom­men of­fi­zi­ell nicht mehr ge­spro­chen. Erst nach dem Ent­scheid zur Be­gren­zungs­in­itia­ti­ve am kom­men­den Sonn­tag sol­len die Ver­hand­lun­gen wei­ter­ge­hen.

Schnei­der­Am­manns In­ter­ven­ti­on er­staunt, weil sich die FDP von al­len Re­gie­rungs­par­tei­en am deut­lichs­ten hin­ter das En­de 2018 pu­bli­zier­te Ver­hand­lungs­er­geb­nis ge­stellt hat­te. Im Fe­bru­ar 2019 ent­schied sich die FDP­Frak­ti­on zu ei­nem kla­ren Ja zum Ver­hand­lungs­er­geb­nis beim in­sti­tu­tio­nel­len Rah­men­ab­kom­men.

Nun tritt Alt­Bun­des­rat Schnei­der­Am­mann me­di­en­wirk­sam auf die Brem­se. War­um so pro­mi­nent, und war­um ge­ra­de jetzt? Viel­leicht sei ge­ra­de der Zeit­punkt wich­tig, sagt Hans­Ul­rich Big­ler, Alt­Na­tio­nal­rat der FDP und Di­rek­tor des Schwei­ze­ri­schen Ge­wer­be­ver­bands. «Jetzt wird er noch ge­hört. Nach der Ab­stim­mung wer­den sich auch an­de­re da­zu äus­sern.» Je­den­falls de­cke sich die Meinung von Schnei­der­Am­mann neu­er­dings voll­um­fäng­lich mit je­ner des Ge­wer­be­ver­bands, stellt Big­ler zu­frie­den fest. Der Ge­wer­be­ver­band ist in der Re­gel EU

Jo­hann Schnei­der-Am­mann tritt auf die Brem­se. kri­ti­scher als die an­de­ren gros­sen Wirt­schafts­ver­bän­de.

Mar­kiert Schnei­der­Am­manns Stel­lung­nah­me ei­ne Um­kehr der FDP im Eu­rop­a­dos­sier? «Es gibt kei­nen neu­en Be­schluss in die­ser Fra­ge», sagt Frak­ti­ons­chef Beat Wal­ti. In frü­he­ren Ge­sprä­chen mit dem da­ma­li­gen Bun­des­rat Schnei­der­Am­mann ha­be er des­sen kri­ti­sche Hal­tung im­mer her­aus­ge­spürt.

Na­tio­nal­rat Hans­Pe­ter Port­mann wur­de vom Bei­trag in der NZZ über­rascht, wie er sagt. Port­mann ist Mit­glied der Aus­sen­po­li­ti­schen Kom­mis­si­on und dort Dos­sier­füh­rer der FDP­De­le­ga­ti­on. Er ha­be nichts gewusst vom Vor­ha­ben Schnei­der­Am­manns, eben­so we­nig wie an­de­re FDP­Frak­ti­ons­mit­glie­der.

Kein Spiel­raum für FDP

Je­den­falls brin­ge Schnei­der­Am­mann ein be­rech­tig­tes An­lie­gen ein, sagt Port­mann. «Je­des bi­la­te­ra­le Ver­hält­nis bringt ei­nen Sou­ve­rä­ni­täts­ver­lust mit sich. Nie­mand weiss das bes­ser als Jo­hann Schnei­der­Am­mann, der in Gre­mi­en der Welt­bank, der WTO und an­de­ren sass. Dort gibt es auch kei­ne Streit­bei­le­gung vor ei­nem schwei­ze­ri­schen Ge­richt, und nie­mand stört sich da­ran. Es ist aber ei­ne Tat­sa­che, dass wir mit sol­chen In­sti­tu­tio­nen und Ver­trä­gen ein Stück Sou­ve­rä­ni­tät auf­ge­ben.»

Ga­ran­ti­en heisst Zu­ge­ständ­nis­se in Punk­ten, die der Schweiz wich­tig sind: beim Lohn­schutz, bei der Uni­ons­bür­ger­richt­li­nie und bei den staat­li­chen Bei­hil­fen. «Bis­her dach­ten wir im­mer, der Lohn­schutz sei die gröss­te Knack­nuss», sagt Port­mann. Doch mitt­ler­wei­le zeich­ne sich ab, dass die Ver­hand­lun­gen bei der Uni­ons­bür­ger­richt­li­nie noch zä­her wür­den. Und dort ge­be es für die FDP kei­nen Spiel­raum. «Nur wenn wir von der EU ei­ne Ga­ran­tie be­kom­men, dass die Schweiz die Uni­ons­bür­ger­richt­li­nie nicht ge­ne­rell über­neh­men muss, kön­nen wir dem Rah­men­ab­kom­men zu­stim­men.»

Clau­dia Blu­mer

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Foto: Keystone
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Foto: Keystone

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