BZ Langenthaler Tagblatt

Das Fern­se­hen, der gu­te al­te Freund

Vir­tu­el­le Ver­lei­hung Bei den Em­my Awards im Co­ro­na-Jahr wur­den die Ge­win­ner per Vi­deo­kon­fe­renz zu­ge­schal­tet. Der Abend war ge­prägt von un­auf­dring­li­chen Bot­schaf­ten ge­gen Trump und Ras­sis­mus.

- Jür­gen Schmie­der, Entertainment · Television Presenters · Celebrities · Jimmy Kimmel · Jennifer Aniston · Los Angeles · Canada · Netflix · Tulsa · Brand, Bavaria · Lisa Kudrow · Randall Park · Eugene Levy · Daniel Levy · Regina King · Regina · Uzo Aduba · Jason Bateman

Drei Fra­gen blei­ben von die­ser Em­my-Ver­lei­hung. Ers­tens: War­um hat­te Ran­dall Park ein Al­pa­ka da­bei, als er den Award fürs bes­te Dreh­buch ver­gab? Wie hat es Mo­de­ra­tor Jim­my Kim­mel ge­schafft, Jen­ni­fer Anis­ton zu dem un­wit­zi­gen Sketch zu über­re­den, bei dem sie erst rum­brül­len, dann ei­nen Fa­ke-Feu­er­lö­scher be­tä­ti­gen muss­te? Und drit­tens: Hat es sich ge­lohnt, mit­ten in der Co­ro­na-Zeit die Prei­se für die TV- und Strea­m­ing­bran­che zu ver­ge­ben?

Ja, es hat sich ge­lohnt. Die Em­my-Ver­lei­hung in der Are­na in Los An­ge­les war be­schei­den, Kim­mel sag­te nur, dass sich die Leu­te wäh­rend der Pan­de­mie an den «gu­ten al­ten Freund» Fern­se­hen er­in­nert hät­ten, und das stimm­te ja: Das se­ri­el­le Er­zäh­len war für vie­le Men­schen an lang­wei­li­gen Aben­den ei­ne Mög­lich­keit, dem All­tag zu ent­flie­hen und all das zu se­hen, wor­über die an­de­ren ge­re­det ha­ben.

Das führt zu «Schitt’s Creek», dem Abräu­mer des Abends. Zum

Mo­de­ra­tor Jim­my Kim­mel war fast al­lein in der Are­na.

ers­ten Mal in der 72 Jah­re dau­ern­den Ge­schich­te ge­winnt ei­ne Se­rie in al­len sie­ben be­deu­ten­den Come­dy-Ka­te­go­ri­en (vier Schau­spiel-Aus­zeich­nun­gen, Dreh­buch, Re­gie, bes­te Se­rie). Ein Hin­weis dar­auf, wo­hin sich die Bran­che in den letz­ten Jah­ren ent­wi­ckelt hat: Es ist ei­ne ul­ki­ge Se­rie aus Ka­na­da. Sie lief sechs Jah­re lang auf

dem Sen­der CBC. Von 2017 an war sie auf Net­flix und wur­de dort zum Ge­heim­tipp. Er­fin­der Eu­ge­ne Le­vy und Sohn Da­ni­el, der seit der drit­ten Staf­fel ver­ant­wort­lich ist, freu­ten sich rie­sig. «Es geht in un­se­rer Show um Lie­be und Ak­zep­tanz, und das scheint mir heu­te wich­ti­ger zu sein als je zu­vor», sag­te Da­ni­el Le­vy.

Gros­se Freu­de auch bei Ma­ria Schra­der. Die deut­sche Re­gis­seu­rin von «Un­or­tho­dox» be­kommt den Em­my für die bes­te Re­gie in ei­ner Mi­ni­se­rie.

Man­ches war so lus­tig wie ei­ne Wur­zel­be­hand­lung

Die Ver­an­stal­tung war po­li­tisch, oh­ne dass dau­ernd dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den muss­te: Die Se­rie «Watch­men», in der es um Ras­sis­mus und Po­li­zei­ge­walt geht so­wie das Po­grom 1921 in Tul­sa, bei dem weis­se Ras­sis­ten Hun­der­te Afro­ame­ri­ka­ner er­mor­de­ten, ge­wann als bes­te Mi­ni­se­rie. Die Re­den afro­ame­ri­ka­ni­scher Ge­win­ner wie Re­gi­na King («Watch­men») und Uzo Adu­ba («Mrs. Ame­ri­ca») wa­ren kei­ne wü­ten­den Pre­dig­ten, sie ge­dach­ten viel­mehr der Op­fer von Ras­sis­mus und Po­li­zei­ge­walt und for­der­ten die Ame­ri­ka­ner auf, doch bit­te schön, wäh­len zu ge­hen.

Ei­ni­ge Tra­di­tio­nen von Preis­ver­lei­hun­gen wur­den lei­der bei­be­hal­ten – et­wa der krampf­haf­te Ver­such, wit­zig zu sein. Der Sketch mit ei­nem Pöst­ler, bei dem ver­sucht wur­de, Pro­ble­me bei der Brief­wahl mit ei­ner mög­li­chen Ein­mi­schung Russ­lands zu ver­knüp­fen, war so lus­tig wie ei­ne Wur­zel­be­hand­lung. Es gab viel zu vie­le An­spie­lun­gen auf Co­ro­na: Ja­son Ba­te­man, ei­ner der Hand­voll Stars, die tat­säch­lich in der Are­na in Los An­ge­les an­we­send wa­ren, wur­de von Kim­mel schein­bar aus der Hal­le ge­jagt; Anis­ton muss­te ei­nen in­sze­nier­ten Brand lö­schen. Die Be­loh­nung, und da­mit ist die zwei­te Fra­ge be­ant­wor­tet: Sie durf­te hin­ter der Büh­ne auf Ab­stands­re­geln pfei­fen und mit ih­ren «Fri­ends»-Kol­le­gin­nen Court­ney Cox und Li­sa Ku­drow fei­ern.

Es ge­lang den Pro­du­zen­ten, die­se drei St­un­den ei­ni­ger­mas­sen kurz­wei­lig (es wer­den dann eben im­mer noch Prei­se ver­lie­hen an Leu­te, die da­nach meist vor­her­seh­ba­re Re­den hal­ten) und auch herz­er­wär­mend (ei­ni­ge Prei­se wur­den von Kran­ken­schwes­tern, Leh­rern und Pa­ket­zu­stel­lern ver­ge­ben) zu gestal­ten. Nur die Sa­che mit dem Al­pa­ka wird wohl nie ganz zu klä­ren sein.

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Foto: AP, Keystone

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