Spe­zi­el­ler Fall vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt

Marc Häus­ler woll­te ein So­zi­al­hil­fe­ver­fah­ren we­gen Be­fan­gen­heit ab­ge­ben, der Kan­ton lehn­te das je­doch ab. Nun hat der Obe­ra­ar­gau­er Re­gie­rungs­statt­hal­ter sein Ziel doch er­reicht.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseit­e - To­bi­as Gr­an­wehr

Obe­ra­ar­gau Re­gie­rungs­statt­hal­ter Marc Häus­ler muss ein So­zi­al­hil­fe­ver­fah­ren we­gen Be­fan­gen­heit ab­ge­ben. Das Ur­teil lässt ihn als Ver­lie­rer aus­se­hen, doch ei­gent­lich geht da­mit Häus­lers Wunsch in Er­fül­lung.

Das Ur­teil des Ber­ner Ver­wal­tungs­ge­richts mu­tet selt­sam an: Auf dem Pa­pier lässt es den Obe­ra­ar­gau­er Re­gie­rungs­statt­hal­ter Marc Häus­ler und die kan­to­na­le Di­rek­ti­on für In­ne­res und Jus­tiz wie die Ver­lie­rer aus­se­hen. Die bei­den Amts­stel­len wer­den als Be­schwer­de­geg­ner ge­führt, das Ge­richt gibt aber dem Be­schwer­de­füh­rer recht. Häus­ler kann sich trotz­dem als Ge­win­ner des Ver­fah­rens se­hen. Denn er hat mit dem Ur­teil des Ber­ner Ein­zel­rich­ters sein Ziel er­reicht: Er kann ein So­zi­al­hil­fe­ver­fah­ren we­gen Be­fan­gen­heit ab­ge­ben.

So­zi­al­hil­fe ver­wehrt

Be­gon­nen hat al­les im Früh­ling die­ses Jah­res mit ei­nem Ge­such ei­nes Obe­ra­ar­gau­ers beim Lan­gen­tha­ler So­zi­al­amt. Der Mann be­an­trag­te So­zi­al­hil­fe. Die­se wur­de ihm vom Amt aber ver­wehrt mit der Be­grün­dung, er ha­be er­for­der­li­che Un­ter­la­gen nicht ein­ge­reicht und zwei Ge­sprächs­ter­mi­ne un­ent­schul­digt plat­zen las­sen. Da­ge­gen er­hob der Mann Be­schwer­de beim Obe­ra­ar­gau­er Re­gie­rungs­statt­hal­ter­amt.

Dar­in führ­te der Obe­ra­ar­gau­er aus, er füh­le sich miss­ver­stan­den, nicht ernst ge­nom­men und schi­ka­niert. Des­halb sol­le ge­prüft wer­den, ob das Ver­fah­ren we­gen Be­fan­gen­heit nicht ei­nem an­de­ren Re­gie­rungs­statt­hal­ter­amt zu­zu­wei­sen sei. Marc Häus­ler lei­te­te die Be­schwer­de an die Di­rek­ti­on für In­ne­res und Jus­tiz wei­ter und be­an­trag­te selbst eben­falls, das Ver­fah­ren auf­grund von Be­fan­gen­heit ab­zu­ge­ben. Bei­de An­trä­ge, al­so so­wohl je­ner des be­trof­fe­nen Bür­gers als auch der­je­ni­ge des Statt­hal­ters, lehn­te das kan­to­na­le Amt An­fang Ju­ni ab. Es lä­gen kei­ne Um­stän­de vor, die auf Be­fan­gen­heit hin­deu­te­ten, hiess es sei­tens der Jus­tiz­di­rek­ti­on. Dar­auf­hin ge­lang­te der Mann an das Ver­wal­tungs­ge­richt.

Das Ge­richt ist der Meinung, dass der Obe­ra­ar­gau­er Statt­hal­ter ein So­zi­al­hil­fe­ver­fah­ren nicht mehr un­vor­ein­ge­nom­men füh­ren kann.

Da­bei wur­de sei­ne Be­schwer­de vom Ge­richt nur knapp zu­ge­las­sen.

Auch von Lai­en wer­de er­war­tet, dass sie dar­le­gen, in­wie­fern und aus wel­chen Grün­den der an­ge­foch­te­ne Ent­scheid be­an­stan­det wer­de, schreibt das Ver­wal­tungs­ge­richt. Das sei in der Be­schwer­de­schrift des Man­nes kaum der Fall. Er muss­te des­halb gleich zwei­mal nach­bes­sern. Schliess­lich wer­de aus den Ein­ga­ben ha­be. Aus dem Ge­richts­ur­teil geht her­vor, dass Marc Häus­ler ge­gen­über dem Mann «deut­li­che Wor­te der Ab­gren­zung wäh­len muss­te, auf die der Be­schwer­de­füh­rer um­so ge­häs­si­ger re­agier­te». Der E-Mail-Ver­kehr las­se er­ken­nen, dass der Kon­flikt im Lau­fe des Ver­fah­rens noch vi­ru­len­ter ge­wor­den sei. Der Statt­hal­ter ha­be dann ge­prüft, ob er Straf­an­zei­ge we­gen Be­schimp­fung, üb­ler Nach­re­de und wei­te­rer De­lik­te er­he­ben sol­le.

Un­be­fan­gen­heit ist tan­giert

Zu­dem sah sich Häus­ler we­gen der un­zäh­li­gen Mails und des Ver­hal­tens des Man­nes prak­tisch aus­ser­stan­de, das Be­schwer­de­ver­fah­ren vor­an­zu­trei­ben. «Da­mit hat der Kon­flikt zwi­schen den bei­den ei­ne per­sön­li­che Di­men­si­on an­ge­nom­men, wel­che die Un­be­fan­gen­heit des Re­gie­rungs­statt­hal­ters di­rekt tan­giert», schreibt das Ver­wal­tungs­ge­richt. Und wei­ter: Der Statt­hal­ter kom­me sel­ber zum Er­geb­nis, dass auch bei ob­jek­ti­ver Sicht «der An­schein ei­ner ge­wis­sen Be­fan­gen­heit sei­ner Per­son nicht oh­ne wei­te­res von der Hand zu wei­sen ist».

Des­halb zieht das Ge­richt das Fa­zit: «Es kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Re­gie­rungs­statt­hal­ter in der La­ge ist, das Be­schwer­de­ver­fah­ren un­vor­ein­ge­nom­men zu füh­ren.» Da die Be­fürch­tung man­geln­der Un­vor­ein­ge­nom­men­heit ernst­haft und be­grün­det er­schei­ne, wer­de ent­ge­gen der Di­rek­ti­on für In­ne­res und Jus­tiz nicht et­wa vor­schnell oder leicht­fer­tig auf Be­fan­gen­heit er­kannt. Folg­lich ha­be der Statt­hal­ter in den Aus­stand zu tre­ten.

Die kan­to­na­le Di­rek­ti­on muss das Be­schwer­de­ver­fah­ren nun ei­nem an­de­ren Re­gie­rungs­statt­hal­ter­amt zu­wei­sen. Al­ler­dings ist das Ur­teil des Ber­ner Ver­wal­tungs­ge­richts noch nicht rechts­kräf­tig und kann ans Bun­des­ge­richt wei­ter­ge­zo­gen wer­den.

Die Be­zie­hung zum Re­gie­rungs­statt­hal­ter «ist end­gül­tig und wohl auch un­wi­der­ruf­lich es­ka­liert».

Foto: mos

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