Ho­her Be­such im Obe­ra­ar­gau

Pier­re Alain Sch­negg stat­te­te drei Fir­men in der Re­gi­on ei­nen Be­such ab. Fas­zi­niert und ent­spannt schlen­der­te er durch die Räu­me der Wa­ter­jet AG.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseit­e - Béatri­ce Bey­e­ler

Aar­wan­gen Pier­re Alain Sch­negg war ges­tern im Obe­ra­ar­gau un­ter­wegs. Im Rah­men sei­nes Prä­si­di­al­jah­res stat­te­te der Re­gie­rungs­rat drei Fir­men ei­nen Be­such ab. So schlen­der­te er auch durch die Pro­duk­ti­ons­stät­te der Wa­ter­jet AG in Aar­wan­gen und such­te das Ge­spräch mit den Mit­ar­bei­ten­den. Sch­negg zeig­te sich be­geis­tert von der Krea­ti­vi­tät und dem tech­ni­schen Flair, die im Obe­ra­ar­gau vor­han­den sei­en. (bey)

Kon­zen­triert, mit ver­eng­ten Au­gen, be­ob­ach­tet Pier­re Alain Sch­negg die Ma­schi­ne. «Pffffff» – plötz­lich spritzt ein Was­ser­strahl mit sei­ner gan­zen ge­bün­del­ten Kraft aus der Dü­se. Lang­sam trennt der Strahl die in der An­la­ge ein­ge­spann­te Plat­te. Sch­negg schreckt zu­rück und lacht auf. «C’est im­pres­si­onnant», ruft er aus – «das ist be­ein­dru­ckend».

Der Ber­ner Re­gie­rungs­prä­si­dent ist zu Gast bei der Wa­ter­jet AG in Aar­wan­gen. Zu­vor hat er be­reits die Crea­tech in Lan­gen­thal be­sich­tigt, am Nach­mit­tag geht es wei­ter zur Fir­ma Ophardt in Nie­der­bipp. Sch­negg stat­tet den Obe­ra­ar­gau­er Un­ter­neh­men im Rah­men sei­nes Prä­si­di­al­jah­res ei­nen Be­such ab.

Ein ge­ra­de 2,6 Mil­li­me­ter klei­nes Ve­lo

Wa­ter­jet-Ge­schäfts­füh­rer Wal­ter Mau­rer führt den ho­hen Gast durch sei­nen Be­trieb. Die­ser ist deut­lich grös­ser, als er es von aussen ver­mu­ten lässt. Das sei der­zeit um­so mehr ein Vor­teil, sagt Mau­rer: «Wir kön­nen die Ab­stän­de pro­blem­los ein­hal­ten.» Im ers­ten Pro­duk­ti­ons­raum ist Prä­zi­si­ons­ar­beit ge­fragt, hier wird in Be­rei­chen von Mi­kro­me­tern ge­ar­bei­tet. Ein Mit­ar­bei­ter zeigt ein Plätt­chen, auf dem ein 2,6 Mil­li­me­ter klei­nes Ab­bild ei­nes Fahr­ra­des ein­ge­schnit­ten wur­de.

Der Re­gie­rungs­prä­si­dent nickt an­er­ken­nend. Im­mer wie­der rich­tet er Fra­gen di­rekt an die Mit­ar­bei­ten­den. «Soll ich es Ih­nen in Mun­d­art oder Hoch­deutsch er­klä­ren?», fragt ei­ner von ih­nen. «Sie kön­nen wäh­len», er­wi­dert Sch­negg, und al­le la­chen.

Der Ge­sund­heits­di­rek­tor in­ter­es­siert sich für die me­di­zi­ni­schen Pro­duk­te. Wal­ter Mau­rer zeigt Klap­pen, die für die Luft­steue­rung in Be­at­mungs­ge­rä­te ein­ge­setzt wer­den. Ein jun­ger Mann ar­bei­tet kon­zen­triert an fei­nen Ti­t­an­plat­ten. Dar­aus ent­ste­hen Im­plan­ta­te für Tie­re – je nach Grös­se für Pfer­de, Hun­de oder an­de­re Vier­bei­ner.

Pier­re Alain Sch­negg schlen­dert in sei­nem blau­en An­zug durch die Pro­duk­ti­on, im­mer wie­der beugt er sich über die Ge­rä­te und Ti­sche. Das Ge­räusch von rau­schen­dem und blub­bern­dem Was­ser ist stän­di­ger Be­glei­ter auf dem Rund­gang. Wei­ter geht es in ei­ne gros­se Hal­le, wo an die 15 Ma­schi­nen ste­hen. Auch die grösste 3-D-Was­ser­strahl­schnei­dan­la­ge der Schweiz hat hier ih­ren Platz. Es ist laut. Sch­negg ver­sucht den Aus­füh­run­gen von Wal­ter Mau­rer zu fol­gen, der zwi­schen Schrift­spra­che und Mun­d­art hin und her wech­selt.

Tour­nee durch die Ver­wal­tungs­krei­se

Pier­re Alain Sch­negg wur­de An­fang Ju­ni zum Re­gie­rungs­prä­si­den­ten des Kan­tons Bern ge­wählt. In sei­nem Prä­si­di­al­jahr stat­tet der Bern­ju­ras­sier al­len zehn Ver­wal­tungs­krei­sen ei­nen Be­such ab. Auf Stipp­vi­si­te war er be­reits in sei­ner Hei­mat­re­gi­on und in Biel. Nun al­so ist der Obe­ra­ar­gau an der Rei­he. Er sei

be­ein­druckt von der Krea­ti­vi­tät und dem tech­ni­schen Flair, die hier vor­han­den sei­en.

Der Obe­ra­ar­gau er­in­ne­re ihn zu­wei­len an sei­ne Hei­mat. Nicht nur, weil bei­de Ver­wal­tungs­krei­se Grenz­re­gio­nen des Kan­tons sei­en – son­dern auch, weil bei­des In­dus­trie­re­gio­nen sei­en. «Die In­dus­trie ist hier of­fen­bar sehr wich­tig und breit ab­ge­stützt», sagt er. Lei­der, so Sch­negg wei­ter, wer­de die­sem Sek­tor oft nicht der ge­büh­ren­de Re­spekt ent­ge­gen­ge­bracht.

Fra­gen zum Co­ro­naK­ri­sen­ma­nage­ment

So dankt der Re­gie­rungs­prä­si­dent auch Wal­ter Mau­rer für sei­ne Leis­tung und die Ar­beit sei­ner Leu­te. Nach dem Rund­gang sit­zen Sch­negg und sei­ne Es­kor­te mit dem Ge­schäfts­füh­rer an ei­nen Tisch zu­sam­men. Der Re­gie­rungs­prä­si­dent brei­tet sei­ne Map­pe aus und nimmt ei­nen Stift zur Hand. «Mich wür­de in­ter­es­sie­ren,

wie Sie die Co­ro­na-Kri­se über­stan­den ha­ben», sagt er an den Ge­schäfts­füh­rer ge­rich­tet.

«Kauf nur, was du auch be­zah­len kannst»

Wa­ter­jet sei gut durch die Kri­se ge­kom­men, er­wi­dert Mau­er. Auf­trä­ge ha­be man wei­ter­hin er­hal­ten, wenn die Zahl auch ste­tig ab­ge­nom­men ha­be. «Dass nicht drin­gen­de Ope­ra­tio­nen ver­scho­ben wur­den, be­ka­men wir zu spü­ren», sagt er. Und die Uh­ren­in­dus­trie sei kom­plett ein­ge­bro­chen. Doch man sei gut auf­ge­stellt, ha­be fi­nan­zi­el­le Re­ser­ven und kei­ne Schul­den. «Ich le­be nach dem Prin­zip: Kauf dir nur, was du auch di­rekt be­zah­len kannst», sagt Mau­rer. «Ei­ne gu­te Ein­stel­lung», meint der Re­gie­rungs­prä­si­dent.

Um­ge­kehrt will Wal­ter Mau­rer von Sch­negg wis­sen, wie er das Co­ro­na­vi­rus ein­schätzt. Der Re­gie­rungs­prä­si­dent lehnt sich im Stuhl zu­rück, sei­ne Wor­te

wählt er mit Be­dacht. «Der Spit­zen­wert im Kan­ton Bern be­trug kürz­lich 60 Fäl­le pro Tag – auf gut ei­ne Mil­li­on Ein­woh­ner.» Ver­hält­nis­mäs­sig sei das nicht viel – und trotz­dem dür­fe man nicht al­le Massnahmen über den Hau­fen wer­fen. «Es ist ein stän­di­ges Ab­wä­gen», sagt Sch­negg. Schliess­lich soll das Ge­sund­heits­sys­tem nicht über­las­tet wer­den und man wis­se nicht, wie sich die Zah­len oh­ne jeg­li­che Massnahmen und Ein­schrän­kun­gen ent­wi­ckeln wür­den. «Man muss aber auch ver­ste­hen, dass die Men­schen le­ben wol­len», sagt der SVP-Mann. Ei­nes steht für den Vor­ste­her der Ber­ner Ge­sund­heits-, So­zi­al- und In­te­gra­ti­ons­di­rek­ti­on aber schon fest: «Wir müs­sen ler­nen, mit dem Vi­rus zu le­ben.» Fir­men­be­su­che wie der in Aar­wan­gen sei­en wich­tig, um zu spü­ren, was im Kan­ton lau­fe. Der Aus­tausch hel­fe ihm beim Tref­fen an­ste­hen­der Ent­schei­dun­gen.

«Wir müs­sen ler­nen, mit dem Vi­rus zu le­ben.»

Pier­re Alain Sch­negg

Re­gie­rungs­prä­si­dent des Kan­tons Bern.

Fotos: Beat Ma­thys

Nah dran: Pier­re Alain Sch­negg be­ob­ach­tet die Pro­duk­ti­on der Wa­ter­jet AG ge­nau.

An­ge­reg­te Ge­sprä­che zwi­schen Re­gie­rungs­prä­si­dent Sch­negg und dem Wa­ter­jet-Ge­schäfts­füh­rer Wal­ter Mau­rer (rechts).

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