Wer kauft das ARA-Land?

Die Lei­tung der Ver­bin­dung ans ZALA-Netz ist ge­baut, die Pump­wer­ke sind bald fer­tig, die letz­te St­un­de der ARA rückt nä­her. Die Fra­ge ist nun, was mit dem Grund­stück pas­siert.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Region - Nad­ja Nol­din

Treff­punkt ARA Dür­ren­roth: Was­ser rauscht. Ent­lang des Bahn­glei­ses ist ein Gra­ben in der Er­de auf­ge­ris­sen, dar­in ein­ge­bet­tet ein schwar­zes Rohr, ab­ge­sperrt mit weiss-ro­ten Bal­ken. Hie und da ste­hen Bau­ma­te­ria­li­en her­um, ein paar Sta­pel mit Lei­tun­gen, ein Bag­ger, ei­ne Mul­de, wei­te­re Ab­sper­run­gen. In den letz­ten Mo­na­ten wur­de ei­ni­ges ge­baut – vor al­lem in den Fel­dern draus­sen.

Er­stellt wur­de ei­ne Ver­bin­dungs­lei­tung von der ARA Dür­ren­roth Rich­tung Wys­sa­chen. Dort wird sie an den ZALA-Ka­nal an­ge­schlos­sen, da­mit das schmut­zi­ge Was­ser künf­tig in die Ab­was­ser­rei­ni­gungs­an­la­ge in Aar­wan­gen ge­pumpt wer­den kann. An­ge­wandt wur­den ver­schie­de­ne Tech­ni­ken, ne­ben dem kon­ven­tio­nel­len Ver­fah­ren auch Spül­boh­run­gen und Gr­a­ben­frä­sen. Das Frä­sen sei ef­fi­zi­en­ter und kos­ten­güns­ti­ger, sag­te der für den Lei­tungs­bau zu­stän­di­ge Rue­di Rentsch an ei­nem In­fo­an­lass. «Wir woll­ten mög­lichst klei­ne Ein­grif­fe ins Land vor­neh­men.»

Das schö­ne Wet­ter kam den Bau­leu­ten zu­pass, der Zeit­plan konn­te ein­ge­hal­ten wer­den. Die­se Ar­bei­ten sind ab­ge­schlos­sen, auch die bei­den be­nö­tig­ten Pump­wer­ke – ei­nes bei der ARA, das an­de­re in Schwein­brun­nen – sind bald fer­tig, wie Rentsch aus­führ­te.

Am 1. April ist Schluss

Aus wirt­schaft­li­chen Grün­den, weil die ARA zu we­nig An­schlüs­se ha­be und ein ge­wis­ses Al­ter auf­wei­se, ha­be man sich da­zu ent­schlos­sen, die Ver­bin­dungs­lei­tung zu bau­en und die ARA

Die Ar­bei­ten schrit­ten gut vor­an: Es ist ei­ne Ver­bin­dungs­lei­tung er­stellt wor­den.

Das Pump­werk bleibt in Be­trieb.

nicht wei­ter­zu­be­trei­ben, er­läu­ter­te Re­to Ret­ten­mund, Prä­si­dent des ARA-Ver­ban­des. Zum Ver­band zäh­len ne­ben Dür­ren­roth die Ge­mein­den Af­fol­tern und Wal­ters­wil. Ein An­schluss ans ZALA-Netz wer­de «si­gni­fi­kant güns­ti­ger».

Und so wird die Aar­wan­ger ZALA AG über­neh­men: Mit­te De­zem­ber er­folgt der ers­te Test­lauf und nach ei­ner Pro­be­pha­se En­de

März die of­fi­zi­el­le Über­ga­be. Dann wird die ARA Dür­ren­roth ab­ge­schal­tet, still­ge­legt und rück­ge­baut. Blei­ben wer­den auf dem Are­al nur das neue Pump­werk mit Schalt­raum, das Re­gen­über­lauf­be­cken

und die Tier­ka­da­ver­sam­mel­stel­le. Letz­te­re wird die Ge­mein­de Dür­ren­roth wei­ter­füh­ren.

Es zeich­net sich ab, dass die Kos­ten tie­fer aus­fal­len: Ge­samt­pro­jekt­lei­ter Beat Flü­cki­ger sag­te, dass Stand heu­te der Bau um 300’000 Fran­ken güns­ti­ger kom­me und mit mehr Sub­ven­tio­nen zu rech­nen sei. «Wir wer­den wohl um ei­ne hal­be Mil­li­on Fran­ken bes­ser ab­schlies­sen.» Bei der Auf­lö­sung des Ver­ban­des re­sul­tiert vor­aus­sicht­lich ein Über­schuss von 1,95 Mil­lio­nen Fran­ken. Das Geld wer­de pro­zen­tu­al auf die drei Ver­bands­ge­mein­den ver­teilt und kön­ne für künf­ti­ge Zah­lun­gen an die ZALA AG ver­wen­det wer­den.

Für 1 Fran­ken

Der In­fo­an­lass und die Be­sich­ti­gung der bald still­ge­leg­ten ARA fan­den für die Ge­mein­de­ver­tre­ter statt. Denn sie sind es, die an der Ab­ge­ord­ne­ten­ver­samm­lung vom 23. No­vem­ber den Ent­scheid fäl­len, was mit dem Grund­stück ge­sche­hen soll. Das ist näm­lich der­zeit die gros­se Fra­ge – oder die «letz­te Hür­de», wie Beat Flü­cki­ger die Land­ver­wer­tung be­zeich­net.

Das Land be­fin­det sich in ei­ner Zo­ne für öf­fent­li­che Nut­zung, was ein­schränkt. «Für ei­ne Pri­vat­per­son re­spek­ti­ve für ei­ne nicht öf­fent­li­che In­sti­tu­ti­on ist das Grund­stück kaum nutz­bar», be­ton­te der Ge­samt­pro­jekt­lei­ter. Zu den Di­enst­bar­kei­ten (Pump­werk, Tier­ka­da­ver­stel­le, Weg­recht) kom­me die Nä­he zu Gleis und Bach. Der ARA-Ver­band will das Land des­halb di­rekt an die Ge­mein­de Dür­ren­roth ver­kau­fen. Die­se hat laut Beat Flü­cki­ger auch In­ter­es­se ge­zeigt. «Der

ARA-Ver­wal­tungs­vor­stand wird an der Ver­samm­lung ei­nen ent­spre­chen­den An­trag stel­len», so Flü­cki­ger. Das be­deu­tet, dass die Dür­ren­ro­ther in den Aus­stand tre­ten müs­sen und nur Af­fol­te­rer und Wal­ters­wi­ler Ver­tre­ter ab­stim­men dür­fen.

Bei ei­nem Ja wür­de das Land für ei­nen sym­bo­li­schen Be­trag von 1 Fran­ken per An­fang Ju­li 2021 an Dür­ren­roth ver­kauft, die Rück­bau­kos­ten von 350’000 bis

«Für ei­ne Pri­vat­per­son ist das Grund­stück kaum nutz­bar.»

Pro­jekt­lei­ter Beat Flü­cki­ger

450’000 Fran­ken gin­gen zu­las­ten der Ge­mein­de Dür­ren­roth. Die Kos­ten für den Ver­band wür­den auf un­ter 20’000 Fran­ken kom­men.

Die­se Va­ri­an­te be­dingt nicht nur die Zu­stim­mung der ARAAb­ge­ord­ne­ten, son­dern auch je­ne der Ge­mein­de­ver­samm­lung Dür­ren­roth. Laut Beat Flü­cki­ger ist sie aber «schnel­ler, güns­ti­ger und mit we­ni­ger Ri­si­ko be­haf­tet».

Denn die Al­ter­na­ti­ve wä­re ein Ver­kauf mit­tels Aus­schrei­bung, wo­bei der Ge­mein­de Dür­ren­roth ein Vor­kaufs­recht ein­ge­räumt wür­de. In die­sem Fall wä­re der Ver­kaufs­preis of­fen, die Über­ga­be des Grund­stü­ckes wür­de cir­ca ein Jahr spä­ter von­stat­ten­ge­hen und die Kos­ten für den Ver­band mit über 70’000 Fran­ken hö­her sein.

Fo­tos: Mar­cel Bie­ri

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