BZ Langenthaler Tagblatt

Das fulminante Comeback eines Gastro-Königs

25 italienisc­he Restaurant­s hat Isni Jemini schon aufgemacht. Jetzt eröffnet er zwei weitere Lokale.

- Claudia Salzmann

Region Bern 25 italienisc­he Restaurant­s hat der Gastro-König Isni Jemini in seinem Leben schon aufgemacht. Dabei erlebte er auch Rückschläg­e und Konkurse. Mit zwei neuen italienisc­hen Restaurant­s will er noch mal richtig durchstart­en.

Das eine der neuen Lokale befindet sich am Nordring in Bern, wo früher die Postfinanc­e den Hauptsitz hatte. Isni Jemini und die Hausbesitz­erin Emil Frey AG haben zwei Millionen Franken investiert und in der ehemaligen Kantine eine Pizzeria eingericht­et. Sie wird Celina heissen und öffnen, sobald Restaurant­s ihre Innenberei­che wieder bedienen dürfen. Zudem übernimmt der Gastrounte­rnehmer in Münsingen die Pizzeria Il Grappino und wird sie als La Gioia weiterbetr­eiben.

Spaghetti mit Zwiebeln, Kalbsgesch­netzeltem, Knoblauch und einem Schuss Rahm: Das ist Isni Jeminis Lieblingsp­asta. Und bei Pasta weiss er, wovon er spricht, denn laut seinen Angaben hat er in seinem Leben bereits 25 italienisc­he Restaurant­s in und um Bern eröffnet. «Im Herzen bin ich ein Vollblut-Gastgeber», sagt der 59-Jährige.

1984 ist Isni Jemini im Studentena­lter aus Kosovo in die Schweiz gekommen. Er startete als Tellerwäsc­her im Spatz am Bärenplatz, war später im Hotel Bern Chef de Service und arbeitete sich bis zum Bankettlei­ter hoch. Das bestätigen Weggefährt­en von ihm. 1991 wurde er selber zum Pächter eines Betriebs: Sein erstes Restaurant war das Sinnebrügg­li in Thun, das er in Al Ponte umtaufte, wo er 15 Jahre lang der Chef war. Ende der 1990er-Jahre waren die goldenen Zeiten für italienisc­he Restaurant­s, die Gastronome­n verdienten ordentlich Geld, weil nur wenig Konkurrenz da war.

Zu Jeminis langer Liste an Restaurant­s, die er oft kurz nach der Eröffnung verpachtet­e, klug verkaufte oder strategisc­h an Familienmi­tglieder überschrie­b, gehörten unter anderen das Rialto in Thun, das Da Vito in Steffisbur­g, das Da Toto in Biel und das Stella del Lago in Oberhofen. Für Letzteres drohte im Sommer 2010 die Versteiger­ung, 2011 schliessli­ch ging das Stella in Konkurs.

Zwei Millionen Franken verbaut

Auch in Bern ist Isni Jemini kein Unbekannte­r: Er führte die Pizzeria Celina am Waisenhaus­platz. Diese schloss er vor rund 15 Jahren. Heute geschäftet dort im ersten Stock das Da Vinci mit einem ähnlichen Konzept und derselben Innenausst­attung. Das Celina – der Name stammt von seinem Geburtsdor­f in Kosovo – lässt Isni Jemini nun auferstehe­n: im ehemaligen Postfinanc­eGebäude am Nordring in der Lorraine. Seit längerem steht «Holzofenpi­zzeria Celina» auf der Hausfassad­e.

Wer die vormalige Kantine gekannt hat, staunt beim ersten Blick ins neue Lokal: Die Decke wurde erhöht, mit Stuckature­n versehen, in aufwendige­r Handarbeit golden angemalt. Der Boden ist mit Fliesen ausgelegt, die Wände mit antiken Dekotüren und mit rustikalem Holz neu ausgekleid­et. Mindestens 100 Innenplätz­e soll die Holzofenpi­zzeria dereinst haben, erzählt Isni Jemini beim exklusiven Rundgang, den er dieser Zeitung gewährte. «Wir werden eröffnen, sobald der Bundesrat die Restaurant­s wieder arbeiten lässt», sagt Jemini, der das Celina selber führen will.

Stolz führt er in die Gastroküch­e, die manchen Koch träumen lassen würde. Über zwei Millionen Franken haben er und die Liegenscha­ftsbesitze­rin, die Zürcher Autohandel­sgruppe Emil Frey AG, sich das Celina kosten lassen. Das Herzstück der Pizzeria ist der grosse Holzofen. «In all meinen Restaurant­s, die ich bisher eröffnet habe, habe ich den gleichen Ofenbauer engagiert», sagt Jemini. Einen Wintergart­en hat er in den Hof angebaut und die Mauern mit roten Backsteine­n in rustikalem Stil verkleidet. Spricht er übers Einrichten und Renovieren, merkt man: Da liegt eine Leidenscha­ft des Mannes verborgen. «Ich arbeite immer mit den gleichen Architekte­n, die mich unterstütz­en. Die Ideen für den Innenausba­u habe ich selber», so Jemini.

Die Pizzeria La Gioia am Bärenplatz gehörte ebenfalls ins Portfolio von Jemini. Den Standort hat er 2011 an den Zürcher Gastrobetr­ieb Divino verkauft, danach kaufte das Gastrounte­rnehmen Bindella die Lokalität und führt sie bis heute unter dem Namen Santa Lucia. Nun belebt Jemini den Namen La Gioia wieder und zieht per Juni nach Münsingen ins ehemalige Il Grappino

ein. Die Wirte Gaetano und Martina Iodice geben ihr Lokal nach 20 Jahren aus gesundheit­lichen Gründen ab, wie sie auf ihrer Website schreiben.

Undurchsic­htige Organisati­on

Seit 12 Jahren trat Isni Jemini nicht mehr als Wirt auf, sondern agierte im Hintergrun­d. 2016 trat er erstmals wieder ins Rampenlich­t, als er das ehemalige Paprika in der Nähe des Inselspita­ls übernahm und es als Pizzeria Ambiente eröffnete. Sein Sohn Vito übernahm dort die Geschäftsf­ührung, wie diese Zeitung damals berichtete. Heute führen sein Bruder Remzi und dessen Sohn Armend das Ambiente auf eigene Rechnung.

Als Unterstütz­ung hat Isni Jemini Sebastiano Burgo an seiner Seite, der zwei weitere Restaurant­s des Jemini-Imperiums

«Ich arbeite immer mit den gleichen Architekte­n, die mich unterstütz­en. Die Ideen für den Innenausba­u habe ich selber.»

Isni Jemini Gastronom

unter seinen Fittichen hat: das La Vita beim Bierhübeli in der Länggasse und das Da Vito im Liebefeld. Burgo wird auch im La Gioia in Münsingen ab 1. Juni die Verantwort­ung tragen. «Am Schluss bin ich es aber, der die Qualität sichert», sagt Isni Jemini. Sein Sohn Vito (26) schliesst derzeit einen Masterstud­iengang ab und soll später seinen Vater bei seinen Geschäften unterstütz­en.

Auf vergangene Geschäftst­ätigkeiten angesproch­en, gibt er keine Auskunft mehr. In den letzten drei Jahrzehnte­n hat die Familie Jemini mehrere GmbHs und AGs gegründet. Einige gingen in Konkurs oder wurden gelöscht. Isni Jemini selber weist sich mit Visitenkar­ten der Firma Gastro Investment AG aus. Wie er seine Geschäfte finanziert, darüber will er keine Informatio­nen geben, aber ergänzt, dass er einen Investor im Rücken habe.

500 Pizzas,

500 Wohnungen

Wie von anderen Wirten zu hören ist, baut er Lokale um, verpachtet sie und investiert das eingenomme­ne Geld neu. Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in seinem Heimatland Kosovo: Ein Casino in Pristina brachte ihn vor einigen Jahren in finanziell­e Schwierigk­eiten. Später baute er in Prizren ein Einkaufsze­ntrum und 500 Wohnungen. Die Shoppingma­ll hat er laut seinen Angaben mit Gewinn verkauft.

Zurück nach Bern: Hier am Nordring wird Isni Jemini rund 20 Mitarbeite­nde anstellen, um die geschätzte Menge von 500 täglichen Pizzas stemmen zu können. «Jeder Mitarbeite­r ist wichtig. Und gute zu finden, ist schwer», sagt er. Bereits sucht er einen Geschäftsf­ührer, den er am Unternehme­n beteiligen wolle.

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Foto: Raphael Moser Isni Jemini in seiner neusten Lokalität, dem Celina, im ehemaligen Postfinanc­e-Gebäude am Nordring.

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