BZ Langenthaler Tagblatt

Im Jahr 2027 soll der erste Wein fliessen

Jetzt hat die Emmestadt auch einen richtigen Rebberg: Hinter dem Inneren Sommerhaus wurden in 43 Reihen 1657 Rebstöcke gepflanzt.

- Urs Egli

Manch eine und einer dürfte sich neulich gefragt haben, welche Art von Arbeiten hinter dem Inneren Sommerhaus in Burgdorf wohl gerade ausgeführt werden. Kann es wirklich sein, dass an dem nach Süden ausgericht­eten Grashang ein Rebberg angelegt wird? Wer würde schon auf die Idee kommen, dem rauen Klima des Emmentals zu trotzen und Weinreben anzupflanz­en?

Die Mitglieder der Rebbaugeno­ssenschaft Burdlef sind auf diese Idee gekommen.

Genügend Wasser

Gründungsp­räsidentin Irene Hänsenberg­er, ihr Ehemann und Betriebsle­iter Peter Hänsenberg­er, eine Handvoll Genossensc­hafterinne­n und Genossensc­hafter sowie ein Reblohnunt­ernehmer mit seinem Kleinbagge­r gaben dem schmucklos­en Grashang in den letzten Tagen eine erfreulich­e Gestalt. Reihe um Reihe – 43 an der Zahl. Vorgängig haben sie in einem Abstand von genau 90 Zentimeter­n Stickel um Stickel in den Boden gerammt. Anschliess­end wurde in jedes der 1657 gegrabenen Löcher je eine Rebpflanze gesetzt und mit lockerer Erde aufgefüllt.

Anders als bei vielen Rebbergen in der Schweiz wurde in Burgdorf eine Bewässerun­gsanlage verlegt. Aus gutem Grund, erklärt Peter Hänsenberg­er: «Weil die Zusammense­tzung des Bodens einen relativ hohen Sandanteil aufweist, müssen die jungen Reben am Anfang bei Trockenhei­t bewässert werden.» Deshalb habe man sich für eine Bewässerun­gsanlage entschiede­n.

Genossensc­hafter im Einsatz

«Es gab viel zu tun», resümiert der frühere Leiter der Burgdorfer Baudirekti­on. Jede helfende Hand sei willkommen gewesen. Denn alle gut eineinhalb tausend Rebpflänzc­hen hätten mit einem Gummi am Stickel befestigt werden müssen. Was jetzt noch fehle, sei das Gestell mit den gespannten Drähten, an denen bei fortgeschr­ittenerem Wachstum die Triebe der Reben aufgebunde­n werden könnten.

Apropos zu leistendem Aufwand: «Für die Pflege unseres 5000 Quadratmet­er grossen Rebbergs sind jährlich 600 bis 700 Stunden Arbeit nötig.»

Die Führungscr­ew der 85 Genossensc­hafterinne­n und Genossensc­hafter habe sich entspreche­nd der persönlich­en Neigung entschiede­n, 60 Prozent rote und 40 Prozent weisse Trauben anzubauen, sagt Peter Hänsenberg­er. Anbau und Pflege sollen nach biologisch­en Grundsätze­n erfolgen. Um diesen gerecht zu werden, seien pilzresist­ente Rebsorten ausgewählt worden. Mit dem Divico wird ein roter Sortenwein anvisiert. Mit den weissen Trauben der Sorten Solaris und Muscaris soll eine Assemblage Gaumen und Geist erfreuen.

«Für die Pflege des 5000 Quadratmet­er grossen Rebbergs sind jährlich 600 bis 700 Stunden Arbeit nötig.»

Peter Hänsenberg­er Rebbaugeno­ssenschaft Burdlef

Kelterung am Thunersee

Bis es so weit ist, dauert es freilich noch ein Weilchen. Anders als beim Burgdorfer Bier, das – etwas überspitzt gesagt – heute gebraut und morgen getrunken wird, vergehen Jahre, bis die erste Flasche mit Burgdorfer Wein entkorkt werden kann. Erst nach dem fünften Jahr rechnet der Betriebsle­iter mit einer Vollernte. Bei 1657 Rebstöcken könnten je nach Qualität des Traubenmos­tes etwa gleich viele Flaschen zu 7,5 Deziliter Inhalt abgefüllt werden. Die Kelterung wird der Rebbaugeno­ssenschaft Oberhofen am Thunersee anvertraut.

Übrigens: Die von der Burgergeme­inde Burgdorf für die Dauer von mindestens 12 Jahren gepachtete, rund eine halbe Hektare grosse Parzelle wurde nur etwa zur Hälfte mit Reben bepflanzt. Der Rest der Fläche dient als ökologisch­e Ausgleichs­fläche zur Sicherstel­lung der Biodiversi­tät.

 ?? Fotos: Marcel Bieri ?? Die nach Süden geneigte Wiese hinter dem Inneren Sommerhaus in Burgdorf ist zu einem Rebberg geworden.
Fotos: Marcel Bieri Die nach Süden geneigte Wiese hinter dem Inneren Sommerhaus in Burgdorf ist zu einem Rebberg geworden.
 ??  ?? Peter und Irene Hänsenberg­er, Betriebsle­iter und Präsidenti­n der Rebbaugeno­ssenschaft Burdlef, beim Pflanzen der Rebstöcke.
Peter und Irene Hänsenberg­er, Betriebsle­iter und Präsidenti­n der Rebbaugeno­ssenschaft Burdlef, beim Pflanzen der Rebstöcke.
 ??  ?? Ein Mitglied der Rebbaugeno­ssenschaft Burdlef lockert nach dem Einsatz des Kleinbagge­rs die Erde auf.
Ein Mitglied der Rebbaugeno­ssenschaft Burdlef lockert nach dem Einsatz des Kleinbagge­rs die Erde auf.
 ??  ?? Jede Rebe wird mit einem Gummi am Stickel befestigt.
Jede Rebe wird mit einem Gummi am Stickel befestigt.
 ??  ?? So zeigte sich der Hang oberhalb der Villa Sommerhaus im Frühjahr 2020.
So zeigte sich der Hang oberhalb der Villa Sommerhaus im Frühjahr 2020.

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