BZ Langenthaler Tagblatt

Corona-Demo findet statt, diejenige zu Palästina ist vertagt

Während die Corona-Skeptiker heute Samstag in Bern demonstrie­ren wollen, zieht die Gesellscha­ft Schweiz-Palästina ihren Aufruf zurück.

- Stefan Schnyder

Wer am Samstagnac­hmittag in Bern Tram oder Bus von Bernmobil benutzen will, muss sich möglicherw­eise in Geduld üben. Denn Corona-Skeptiker rufen dazu auf, sich für eine Demonstrat­ion nach Bern zu begeben.

Es hätte sogar dazu kommen können, dass am Samstag gleich zwei Demonstrat­ionen stattfinde­n. Denn die Gesellscha­ft Schweiz-Palästina hatte zu einer Solidaritä­tskundgebu­ng für Palästina aufgerufen. Auslöser sind die kriegsähnl­ichen Aktionen, die von der Hamas und den israelisch­en Truppen seit ein paar Tagen ausgeführt werden. Die Versammlun­g hätte um 14 Uhr unter dem Baldachin bei der Heiliggeis­t-Kirche beginnen sollen.

Doch gestern hat die Gesellscha­ft Schweiz-Palästina ihren Aufruf wieder zurückgezo­gen, wie Alt-Nationalra­t Geri Müller, der Präsident der Gesellscha­ft, bestätigt. Grund ist die angekündig­te Kundgebung der CoronaSkep­tiker. Wie Müller weiter sagt, wird am Samstag um 14.30 Uhr in Zürich eine Kundgebung stattfinde­n. Offen ist noch, ob am 22. Mai eine Demonstrat­ion in Bern stattfinde­n wird.

Es ist allerdings nicht auszuschli­essen, dass es trotz des Rückzugs des Demoaufruf­s zu einer spontanen Protestver­sammlung

von linksauton­omen Kreisen kommen wird. Ein Aufruf zur Teilnahme an der Solidaritä­tskundgebu­ng zirkuliert­e auch in Reitschulk­reisen.

Demo der Corona-Skeptiker

Die Demonstrat­ion von CoronaSkep­tikern wird dagegen wie geplant stattfinde­n. Auf Telegram zirkuliere­n Aufrufe, am Samstag für das Swiss Freedom Rally (Schweizer Freiheitsv­ersammlung) nach Bern zu kommen. Ort und Zeit sind aber nicht öffentlich bekannt. Die Kundgebung ist nicht bewilligt.

Der Berner Gemeindera­t rief bereits am Mittwoch die Organisato­ren

dazu auf, die Demo nicht durchzufüh­ren. Dies, weil bei Kundgebung­en nach wie vor eine Obergrenze von 100 Personen gelte, wie der Gemeindera­t im Communiqué betont.

Für den Stadtberne­r Sicherheit­sdirektor Reto Nause (Die Mitte) ist es unverständ­lich, ohne verbindlic­hes Schutzkonz­ept zu Kundgebung­en aufzurufen und damit grosse Menschenan­sammlungen zu provoziere­n.

Er macht deutlich, dass die Behörden nicht gewillt sind, die Demonstrie­renden ihr Ding durchziehe­n zu lassen: «Wir wollen am Samstag keine Bilder wie in Liestal oder Aarau sehen», sagt

«Wir wollen am Samstag keine Bilder wie in Liestal oder Aarau sehen.»

Reto Nause

Sicherheit­sdirektor der Stadt Bern

er. Er spielt dabei auf die Protestver­anstaltung­en an, die am 20. März und am vergangene­n Samstag stattfande­n. In Liestal wurde die Teilnehmer­zahl auf 8000 geschätzt, in Aarau auf rund 1500.

Und der Sicherheit­sdirektor verhehlt seinen Ärger über die geplante Demonstrat­ion nicht: «In diesen Wochen kommen laufend neue Öffnungssc­hritte hinzu. Die Legitimati­on für Protestver­anstaltung­en sinkt deshalb laufend. Jetzt einen Supersprea­der-Anlass zu veranstalt­en, ist verantwort­ungslos», betont er.

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