BZ Langenthaler Tagblatt

Subzentren wollen am 1. August feiern – fast alle

2020 hatten fast alle Gemeinden die Bundesfeie­r abgesagt. Heuer findet sie vielerorts statt – auch in Langenthal, Herzogenbu­chsee und Huttwil.

- Sebastian Weber

Vor einem Jahr fielen viele der geplanten Gemeindefe­iern zum Schweizer Nationalta­g der Pandemie zum Opfer. Heuer sieht die Situation trotz wieder angespannt­erer Lage etwas anders aus.

Während Langenthal, Huttwil und Herzogenbu­chsee ihr Festprogra­mm planen, sieht nur in Niederbipp die Situation anders aus: Bereits im April entschied sich die Gemeinde dafür, die Bundesfeie­r abzusagen.

Guy Parmelin zu Gast

Nach einer virtuellen Feier im Vorjahr steht in Langenthal wieder ein physischer, wenn auch etwas schlankere­r Anlass an. In Buchsi dagegen wird mit grosser Kelle angerichte­t, kommt doch der Bundespräs­ident höchstpers­önlich vorbei.

Voriges Jahr war der Tenor deutlich: Die grosse Mehrheit der Oberaargau­er Gemeinden hatte ihre 1.-August-Feier aufgrund der Corona-Pandemie gestrichen. Auch in diesem Jahr gibt es zwar Absagen. Viele Gemeinden wollen diesmal aber nicht auf die Bundesfeie­r verzichten – mit dem entspreche­nden Schutzkonz­ept natürlich.

Eine Tendenz lässt sich auch beim Blick auf die vier Subzentren der Region Oberaargau erkennen. Drei von ihnen wollen den Anlass durchführe­n, nur Niederbipp nicht. Auch wenn es teils noch Fragezeich­en gibt.

Huttwil

Will man die Bundesfeie­r nun durchführe­n oder nicht? Diese Frage hat in Huttwil die für die Organisati­on zuständige Kommission für öffentlich­e Sicherheit beschäftig­t. Letztlich aber war das Votum deutlich: «Wenn es möglich ist, den Anlass durchzufüh­ren, dann wollen wir es machen», sagt der zuständige Gemeindera­t und Kommission­spräsident Alexander Grädel (EDU).

Orientiert hätten er und die anderen Kommission­smitgliede­r sich am Historisch­en Handwerker­markt, der bereits wieder hat stattfinde­n können. Dieser habe an drei Tagen rund 7000 Besucherin­nen und Besucher angezogen, sagt Grädel. «Die Leute haben sich gefreut, dass wieder etwas läuft.» Die 1.-August-Feier war in Huttwil voriges Jahr ganz abgesagt worden.

Weil es die entspreche­nden Lockerunge­n gegeben habe, sei deshalb nun auch die Durchführu­ng der Bundesfeie­r machbar. Zumal diese in Huttwil sowieso nie der ganz grosse Event gewesen sei, schon vor Corona nicht, sagt Grädel. «Viele Huttwileri­nnen und Huttwiler sind in den Ferien oder feiern privat.» So seien bisher jeweils rund 200 bis 300 Leute gekommen.

So viele könnten auch diesmal mitfeiern: Die maximale Teilnehmer­zahl auf dem Brunnenpla­tz ist auf 300 begrenzt. Bei schlechtem Wetter würde die Feier im Städtlisaa­l im Hotel Kleiner Prinz über die Bühne gehen. Dort würden immerhin noch 250 reingelass­en.

Los geht es am Sonntag, 1. August, in Huttwil bereits um 9.30 Uhr mit einem Brunchbuff­et. Um 11.45 Uhr erfolgt das Glockenläu­ten, bevor um 12 Uhr der offizielle Festakt beginnt, mit musikalisc­her Unterstütz­ung der Stadtmusik Huttwil und dem Jodlerklub Schwarzenb­ach. Die Festrede hält Huttwils Grossrat Andreas Schüpbach (SVP).

Langenthal

Nicht ganz auf eine Feier verzichten wollte voriges Jahr die Stadt Langenthal. Das grosse Fest auf dem Areal der Markthalle war zwar abgesagt worden. Als Ersatz wurde aber via Livestream eine Show aus dem leeren Stadttheat­er übertragen. Man habe dafür ein gutes Feedback erhalten, blickt Stadtpräsi­dent Reto Müller (SP) darauf zurück. Live seien zwischen 150 und 250 Einschaltu­ngen zu verzeichne­n gewesen. Bis heute ist das Video auf Youtube 1240-mal angeklickt worden.

Trotzdem: Zur Tradition werden soll das digitale Format dann doch nicht. «Wir freuen uns jetzt wieder auf eine Feier mit anschliess­endem Feuerwerk zusammen mit der Bevölkerun­g», so Müller. Das Organisati­onskomitee habe sich entschiede­n, in diesem Jahr einzig auf die Karte einer realen Bundesfeie­r zu setzen, sofern es die übergeordn­eten Verordnung­en zulassen würden. Auf der heute geltenden Verordnung basierend, dass mit Sitzpflich­t, Schutzkonz­ept, ohne Zertifikat maximal 1000 Personen zulässig sind, sei auch die Bundesfeie­r in Langenthal verantwort­bar und gut durchführb­ar, sagt der Stapi. So viele Personen hätten bislang nie teilgenomm­en. Normalerwe­ise kämen je nach Wetter zwischen 300 und 600 an die Feier. «Daher rechnen wir mit maximal 500 Personen für eine Aussenfeie­r und maximal 250 Personen mit Maskenpfli­cht und Registrati­on bei einer Feier in der Markthalle», so Müller.

Die Festwirtsc­haft beginnt in Langenthal am 1. August um 19 Uhr. Eine Stunde später beginnt der offizielle Festakt mit Nationalrä­tin Nadine Masshardt (SP) als Festredner­in. Für die musikalisc­he Unterstütz­ung sorgt das Jodler-Doppelquar­tett.

Die Stadtmusik Langenthal müsse in diesem Jahr leider auf einen Auftritt verzichten, da die Musikerinn­en und Musiker während der Pandemie nicht oft gemeinsam hätten üben können, sagt Reto Müller. «Auch sonst fahren wir für 2021 eher mit einem schlanken, aber feinen Programm.»

Niederbipp

In Niederbipp hatte der Gemeindera­t schon im April mitgeteilt, dass er sich entschiede­n habe, die Bundesfeie­r wie schon 2020 abzusagen. Dass man sich so früh dazu entschloss­en habe, hänge mit der Organisati­on der Festlichke­iten zusammen, erklärt Gemeindepr­äsidentin Sibylle Schönmann (SVP). Die zuständige Kommission Gesellscha­ft, Kultur und Sport sei für die Durchführu­ng auf die Unterstütz­ung der Vereine angewiesen. Ebendiese Helferinne­n und Helfer hätten früh genug wissen müssen, ob der Anlass nun stattfinde oder nicht. Im April jedoch sei die Situation rund um Corona noch ungewisser gewesen als heute.

Kommt hinzu, dass Niederbipp die passenden Räumlichke­iten fehlen. Beim Feuerwehrm­agazin können am 1. August jeweils rund zwei Drittel der Festbesuch­er draussen feiern, ein Drittel drinnen. «Müssten nun bei schlechtem Wetter alle nach drinnen verlegt werden, gibt das ein Problem», sagt die Gemeindepr­äsidentin. «Denn dort könnten wir die Auflagen nicht einhalten.»

Zumal die Bundesfeie­r in Niederbipp in der Regel gut besucht sei. Schönmann hofft nun darauf, dass 2022 wieder gefeiert werden kann.

Herzogenbu­chsee

Findet die Bundesfeie­r nun statt oder nicht? Ganz geklärt ist diese Frage in Herzogenbu­chsee noch nicht. Stand heute gehe er davon aus, dass sie stattfinde­n werde, sagt Gemeindera­t Hans Rudolf Bähler (parteilos/SP) von der zuständige­n Kulturkomm­ission zwar. «Wir sind auf Kurs, die Vorbereitu­ng läuft.»

Definitiv getroffen sei der Entscheid aber noch nicht. Letztlich sei es der Gemeindera­t, der diesen in Absprache mit der Kommission fällen müsse.

Er persönlich verspüre bei den aktuellen Corona-Zahlen ein etwas mulmiges Gefühl, sagt Bähler. «Ich bin noch skeptisch.» Auch wenn die Durchführu­ng der Feier grundsätzl­ich möglich sei. Diese wird sogar extra auf den Rasenplatz bei der Oberstufe verlegt. Weil man dort die Beschränku­ng der Teilnehmen­den auf 1000 Personen beim Eingang besser kontrollie­ren könne, so Bähler. Bei schlechtem Wetter findet die Feier in der Dreifachtu­rnhalle Mittelholz statt.

Den Event jetzt noch absagen, das würde auch Hans Rudolf Bähler ungern. «Dann müssten wir einen prominente­n Redner wieder ausladen», sagt er. Gemeint ist niemand Geringeres als Guy Parmelin (SVP). Der Bundespräs­ident hat sein Kommen für den Samstag, 31. Juli, angekündig­t. Eigens für ihn wurde laut Bähler der Beginn der Festrede zeitlich vorverlegt.

Parmelin will nämlich noch am gleichen Abend einen weiteren Anlass besuchen. Die Festwirtsc­haft wird in Buchsi um 17 Uhr eröffnet. Nach dem Spiel der Musikgesel­lschaft Herzogenbu­chsee wird Parmelin um circa 18.30 Uhr ans Rednerpult treten.

Nach 2019 ist es bereits das zweite Mal, dass Buchsi hohen Besuch aus Bern erhält. War doch vor zwei Jahren schon Ueli Maurer (SVP) als Festredner zu Besuch – auch er damals übrigens als Bundespräs­ident.

Wie ist das der Oberaargau­er Gemeinde nun erneut gelungen? «Diesmal müssen wir schon von Vitamin B sprechen», sagt Bähler und lacht. Hatte doch schon bei Ueli Maurer die Vermutung nahegelege­n, dass ein Buchser Gemeindera­tskollege seine Finger im Spiel gehabt haben könnte: Gabriel Lüchinger (SVP) ist persönlich­er Mitarbeite­r von Guy Parmelin. Damals hatte Bähler diese Frage aber offengelas­sen.

Dass ausgerechn­et in Herzogenbu­chsee, wo die SP bei den letzten Wahlen das beste Resultat erzielte, nun schon zum zweiten Mal ein SVP-Bundesrat zu Gast ist, stört Bähler aber nicht. Bei einem National- oder Ständerat zum Beispiel würde in so einem Fall die Parteizuge­hörigkeit vielleicht eine Rolle spielen, sagt er. Ein Bundesrat hingegen trete dort nicht als Politiker, sondern als Repräsenta­nt der Schweiz auf. Er sei daher nicht politisch gefärbt.

«Wir fahren für 2021 eher mit einem schlanken, aber feinen Programm.»

Reto Müller (SP) Stadtpräsi­dent Langenthal.

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Foto: Madeleine Schoder Die Schweiz hat Geburtstag: Auch im Oberaargau feiern heuer wieder mehr Gemeinden mit.
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Archivfoto: Daniel Fuchs In Huttwil wird in diesem Jahr wieder wie gewohnt auf dem Brunnenpla­tz gefeiert. So wie hier 2016.
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Archivfoto: Walter Pfäffli Nach der digitalen Feier voriges Jahr wird in Langenthal wieder auf dem Markthalle­nplatz gefeiert. So wie hier 2013.
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Foto: Keystone In Herzogenbu­chsee wird Bundespräs­ident Guy Parmelin (SVP) die Festrede halten.
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Archivfoto: Marcel Bieri In Niederbipp würde im Feuerwehrm­agazin gefeiert. Der Platz drinnen allein reicht aber nicht, um die Auflagen einzuhalte­n.

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