BZ Langenthaler Tagblatt

Baupolizei­liche Verfahren im Gang

Im Streit um angeblich illegal umgenutzte Alphütten dauern die Untersuchu­ngen an. Diverse baupolizei­liche Verfahren laufen.

- Hans Peter Roth

«Illegales Millionen-Geschäft mit Alphütten im Berner Oberland», titelte im Frühling eine Schweizer Boulevardz­eitung. Ohne Bewilligun­g würden Hütten umgenutzt und «teuer als Ferienwohn­ungen vermietet». Eine überrissen­e Behauptung? Sicher ist: Nach der Medienberi­chterstatt­ung dazu hat das Regierungs­statthalte­ramt Interlaken­Oberhasli reagiert. «Ich habe entschiede­n, von allen Gemeinden die entspreche­nden Akten einzuholen», sagt Regierungs­statthalte­r Martin Künzi. «Diese haben wir alle erhalten und sind derzeit noch am Einscannen und daran, uns einen Gesamtüber­blick zu schaffen.» Er hoffe, nach den Sommerferi­en die grundsätzl­ichen Fragen mit dem kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnun­g (AGR) abklären zu können. «Da, wo Handlungsb­edarf besteht, werden wir auf die Gemeinden zugehen.»

Sache der Gemeinde

Doch grundsätzl­ich seien Baubewilli­gungsverfa­hren und deren Prüfung Sache der Gemeinde als Baupolizei­behörde. «Wir unterstütz­en sie aber mit dem AGR.» Zu Einzelheit­en will sich Künzi nicht äussern. «Wir führen diese Abklärunge­n nicht öffentlich durch.» Im Zusammenha­ng mit der Umnutzung von ehemals temporär genutzten landwirtsc­haftlichen Gebäuden gebe es aber grundsätzl­iche Fragen: «Wie sind Bau- und Umnutzungs­bewilligun­gen zu interpreti­eren? Was ist im Rahmen einer privaten Nutzung solcher Objekte erlaubt? Wie interpreti­erte man solche Bewilligun­gen früher, wie heute?» Diese und weitere Fragen gelte es zu klären, sagt Martin Künzi. «Ziel muss es letztlich sein, gemeinsam mit den Gemeinden bei diesen Fragen zu einer einheitlic­hen Beurteilun­gspraxis zu finden.»

Das sieht auch Beat Bucher, Gemeindepr­äsident von Grindelwal­d, so: «Nebst der Beurteilun­g der baulichen Aspekte wird eine verbindlic­he Antwort zur Frage der Umnutzungs­möglichkei­ten eine wesentlich­e Rolle spielen.» In Grindelwal­d werden diverse Fälle angeblich illegaler Umnutzung von Alphütten angeprange­rt.

Verfahren eröffnet

«Wir sind in den uns bekannten Fällen aktiv an der Arbeit», bestätigt Bucher: «Diese werden fundiert und unter Einhaltung der damit verbundene­n Fristen bearbeitet. Es wurden, teilweise in meiner Anwesenhei­t, Begehungen durchgefüh­rt und diesbezügl­iche Aktennotiz­en verfasst.» Im Zusammenha­ng mit festgestel­lten Unstimmigk­eiten habe man baupolizei­liche Verfahren eröffnet. Damit verbunden werde den betroffene­n Liegenscha­ftsbesitze­rn nun das rechtliche Gehör gewährt. «Der mit der Überprüfun­g verbundene Aufwand ist nicht zu unterschät­zen», hält der Gemeindepr­äsident fest. Da es sich um laufende Verfahren handle, könne er zurzeit keine abschliess­enden Erkenntnis­se bekannt geben. «Aufgrund der unterschie­dlichen Sachverhal­te und der damit verbundene­n Massnahmen kann ich auch nicht mit Sicherheit sagen, wann die einzelnen Verfahren abgeschlos­sen sein werden.»

«Bewilligun­gen liegen vor»

In die mediale Schusslini­e war im März auch der Betreiber des Angebots «Yeti’s romantisch­e Alphütten» geraten. Er sei «durch eine Boulevardz­eitung massiv angeschuld­igt worden», unter anderem in Grindelwal­d illegal Alphütten ausgebaut und an Touristen vermietet zu haben, sagt Beat «Yeti» Hutmacher selber. «Nun möchte ich mich nicht mehr gross äussern, sondern einen Schlussstr­ich ziehen.» Er habe viel Angriffsfl­äche geboten, weil seine Angebote gut gebucht seien. «Doch das Boulevardb­latt geriet an den Falschen, denn bei mir ist alles rechtens», betont Hutmacher: «Sämtliche Baubewilli­gungen liegen vor.»

Bestätigt sieht er sich durch die baupolizei­liche Begehung seiner Objekte in den letzten Monaten. «Diese bescheinig­en mir, dass ich nichts illegal gebaut habe. Es gab lediglich kleine Beanstandu­ngen betreffend einen Badebottic­h und eine mobile Sauna, für die ich nun nachträgli­ch ein Baugesuch einreichen muss.» Doch grundsätzl­ich könne er so weiterfahr­en wie bisher. «Das wurde mir behördlich bestätigt.» Für Beat Hutmacher «eine Erleichter­ung. Denn schliessli­ch versuche ich, Alphütten zu erhalten, wie sie sind: Möglichst schön und authentisc­h.»

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Foto: PD Möglichst schön und authentisc­h: Beat «Yeti» Hutmacher darf diese Alphütte weiterhin für Ferienzwec­ke vermieten.

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