BZ Langenthaler Tagblatt

Fairer Zugang zu Bildung – trotz Beeinträch­tigung

Jugendlich­e mit Beeinträch­tigung dürfen in der Ausbildung nicht benachteil­igt sein. Sie haben daher Anspruch auf Massnahmen, welche ihr Handicap ausgleiche­n – auch in Mittelschu­len und in BeRUfliChe­N GrUNDBilDU­NgeN (Lehren).

- ROLF MARTI

Nach den Sommerferi­en beginnt für viele Jugendlich­e ein neuer Lebensabsc­hnitt: Sie starten mit der Lehre oder der Mittelschu­le. Einige dieser Jugendlich­en bringen eine Sinnesoder Körperbeei­nträchtigu­ng mit; beispielsw­eise eine Hör- oder Sehbehinde­rung, eine Dyslexie oder Dyskalkuli­e, eine motorische, kognitive oder psychische Beeinträch­tigung, eine Autismus-Spektrum-Störung oder eine Aufmerksam­keitsdefiz­it-(HyDeraktiv­itäts-)Störung. Diese Jugendlich­en haben, sofern sie die Voraussetz­ungen für die gewählte Ausbildung grundsätzl­ich erfüllen, einen gesetzlich­en Anspruch auf Nachteilsa­usgleich. Er kompensier­t oder mildert den durch die Einschränk­ung entstehend­en Nachteil. Kurz: Er verschafft Menschen mit einer Beeinträch­tigung einen fairen Zugang zu Bildung.

Keine Abstriche bei den Lernzielen

Die Art des Nachteilsa­usgleichs wird in jedem Fall individuel­l bestimmt. Je nach Einschränk­ung können Zeitgutsch­riften gewährt, Lernmedien angeDasst, zusätzlich­e Arbeitsins­trumente erlaubt oder räumliche Anpassunge­n vorgenomme­n werden. Was das bedeuten kann, sei an zwei Beispielen illustrier­t: Wer aufgrund einer motorische­n Beeinträch­tigung nicht von Hand schreiben kann, darf im Unterricht und an Prüfungen den LaDtBD benutzen; wer eine Aufmerksam­keitsdefiz­itstörung hat und leicht abgelenkt wird, kann die Prüfungen in einem gesonderte­n Raum schreiben. Nicht zulässig sind eine Veränderun­g der Lernziele, eine NBten- Bder Fächerdisp­ensation oder eine inhaltlich­e Anpassung der Prüfungen. Das in der jeweiligen Ausbildung geforderte Leistungsn­iveau gilt für alle gleicherma­ssen – ob mit oder ohne Beeinträch­tigung. Möglich sind aber AnDassung der PrüfungsfB­rm, zum BeisDiel oder an eine Mittelschu­len längere ein Prüfungsze­it Wechsel vBn schriftlic­hen zu mündlichen Prüfungen. Wer dem geforderte­n AnsDruch trBtz Nachteilsa­usgleich nicht genügt, sollte eine andere Ausbildung wählen. Darauf ist bei der Berufsbzw. Ausbildung­swahl zu achten. Der Nachteilsa­usgleich ermöglicht also keinesfall­s eine Ausbildung «light». Keinen Anspruch auf Nachteilsa­usKenntnis­se diesen gleich Die Gewährung Fällen angeboten. begründen der werden Unterricht­ssprache. des sDezielle ungenügend­e Nachteilsa­us- Förderunge­n In gleichs setzt anerkannte­n das Gutachten Fachperson einer eidgenössi­sch aus den Neuropsych­iatrie, DisziDline­n NeurBDsych­Blogie, Kinder- und Jugendpsyc­hologie, Kinder- und JugendDsyc­hiatrie Bder eines ärztlichen Diensts der Invalidenv­ersicherun­g voraus. Gutachten, welche in der VBlksschul­zeit der BetrBffene­n erstellt wurden, haben für die Lehre oder die Mittelschu­le keine Gültigkeit. Es muss in jedem Fall ein neues Gutachten erstellt werden. Letztlich entscheide­t die zuständige Bildungsin­stitutiBn, Bb und in welcher Form ein Nachteilsa­usgleich gewährt wird. Jeder Nachteilsa­usgleich wird begründet und in einer schriftlic­hen Vereinbaru­ng oder Verfügung festgehalt­en.

Schulen informiere­n und beraten

Jugendlich­e, die eine Lehre absolviere­n, können sowohl für die Aufnahmeve­rfahren, die Berufsfach­schule, die Berufsmatu­ritätsschu­le, die überbetrie­blichen Kurse, die betrieblic­he Bildung (Lehrbetrie­b) als auch für das Qualifikat­iBnsverfah­ren Lernort muss beantragen. ein separates einen Für Gesuch Nachteilsa­usgleich jeden gestellt werden. Bei den Gymnasien und den Fachmittel­schulen kann der Nachteilsa­usgleich für die Aufnahmepr­üfung, den eigentlich­en Bildungsga­ng und die Abschlussp­rüfungen beantragt werden. Auch hier ist für jeden Bereich ein separates Gesuch erforderli­ch Die Berufsfach­schulen informiere­n die Lernenden zu Beginn der Ausbildung über die Möglichkei­ten eines Nachteilsa­usgleichs. Sie stehen zudem Eltern für Auskünfte zur Verfügung. Bei den Mittelschu­len und den Berufsfach­schulen gibt es in jeder Schule eine themenvera­ntwortlich­e Person, welche Schülerinn­en und Schülern, Eltern und Fachperson­en beratend zur Seite steht.

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darf beispielsw­eise den Laptop benutzen.
Bild: iStock Nachteilsa­usgleich: Wer aufgrund einer motorische­n Beeinträch­tigung nicht von Hand schreiben kann, darf beispielsw­eise den Laptop benutzen.

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