Ent­mannt im Män­ner­se­mi­nar. Von Mau­rus Fe­der­spiel

Un­ser Au­tor woll­te sich un­ter Män­nern «tief öff­nen». Es lief schief.

Das Magazin - - News - Text Mau­rus Fe­der­spiel Il­lus­tra­ti­on Gre­go­ry Gil­bert­lodge

Wir schlüp­fen in wet­ter­fes­te Klei­dung, tref­fen uns beim Ein­dun­keln wie­der auf ei­nem dem Hof­ge­län­de vor­ge­la­ger­ten Hü­gel. Wir wer­den als «Män­ner» zu­sam­men­ge­ru­fen. Wir stel­len uns in ei­nem Kreis auf (wo­bei ich mich, wie dem Kurs­lei­ter auf­fällt, schwer­tue, mich sau­ber in die Kreis­li­nie ein­zu­ord­nen), wer­den wie­der in­stru­iert. «Hau!»­ru­fe. Zur Ein­stim­mung wird ein Lied ge­sun­gen, ich ken­ne den Text nicht. Wir ver­bin­den uns sel­ber die Au­gen, ste­hen stumm in der dop­pel­ten Fins­ter­nis her­um und war­ten, bis wir ei­ner nach dem an­dern am Arm be­hut­sam zu ei­nem zwi­schen zwei Pfos­ten aus­ge­spann­ten Seil ge­führt wer­den, an dem wir uns blind hü­gel­ab­wärts

tas­ten. Das Ein­stiegs­ri­tu­al. Wie­der war­ten, bis sich al­le ver­sam­melt ha­ben, dann sind wir an­ge­hal­ten, auf und ab zu sprin­gen und da­bei den All­tag ab­zu­schüt­teln. Ich ma­che mit. Es geht hier im Mo­ment um Selbst­ver­ges­sen­heit, aber ich kann nicht an­ders, als an das Bild zu den­ken, das wir da­bei ab­ge­ben: steif hüp­fen­de Män­ner mit Au­gen­bin­den auf ei­ner nächt­li­chen Berg­wie­se, ei­ne Sze­ne wie in ei­nem ex­pres­sio­nis­ti­schen tsche­chi­schen Film.

Ei­ne Ma­lai­se scheint das Männ­li­che be­fal­len zu ha­ben. Oder den Mann an sich. Oder doch ei­ne Viel­zahl un­se­rer männ­li­chen Zeit­ge­nos­sen. Um sich die Ma­lai­se deut­lich zu ma­chen, muss man das Manns­bild in Kon­trast zu sei­nem Ge­gen­stück se­hen: Trotz al­lem mo­di­schen Gen­der­kon­struk­ti­vis­mus – wo­nach der Un­ter­schied zwi­schen den Ge­schlech­tern nur ei­ne Er­fin­dung sei – gilt als aus­ge­macht, dass die Frau al­lein kraft ih­res Ge­nus ein ins­ge­hei­mer Ga­rant für ei­ne «sanf­te Ver­schwö­rung», für Frie­den, mehr An­stand in der Po­li­tik, ganz all­ge­mein für ei­ne bes­se­re Welt sei. Zu­dem wird ein weib­li­cher Ego­is­mus nicht nur als mo­ra­li­sche Kre­dit­rück­zah­lung für zehn­tau­send Jah­re Pa­tri­ar­chat ver­stan­den. Er sei so­gar auf wun­der­ba­re Wei­se dem Wohl des Gan­zen dien­lich.

«Der Mann soll zum Krie­ge er­zo­gen wer­den», sag­te der stets krän­keln­de Nietz­sche. Aber Krie­ge sind out. Und die Rech­nung lau­tet: Wenn die Frau so vie­le po­si­ti­ve Ei­gen­schaf­ten für sich in An­spruch nimmt – was bleibt dann für den Mann noch üb­rig? Die ame­ri­ka­ni­sche Se­xua­li­täts­his­to­ri­ke­rin Ca­mil­le Paglia dia­gnos­ti­zier­te ei­ne Fehl­stel­le: «Weil Kn­a­ben ei­ne bio­lo­gi­sche Kenn­zeich­nung wie die Mens­trua­ti­on fehlt, heisst Mann sein so viel wie nicht weib­lich sein.» Das ist klug fest­ge­stellt: Neun Mo­na­te hockt das männ­li­che Neu­ge­schöpf warm und feucht in ei­ner Frau, wird dann noch von Mut­tern ge­stillt, nur um ir­gend­wann, wie Tar­zan un­ter Pri­ma­ten, ver­dutzt fest­zu­stel­len, dass er gar nicht ih­res­glei­chen ist. Son­dern an­ders. Aber wie? Da­mit Mann das her­aus­fin­det, sich selbst ent­deckt, gibt es seit ei­ni­gen Jah­ren «Män­ner­se­mi­na­re».

Das In­ter­net ist voll von ent­spre­chen­den An­ge­bo­ten. Vie­le der Kur­se sind of­fen­bar ei­nem ame­ri­ka­ni­schen Mo­dell nach­emp­fun­den. «New War­ri­or Trai­ning Ad­van­ced» heisst ei­ner, et­wa: «Fort­ge­schrit­te­nes Trai­ning für neue Krie­ger» – bei der Über­set­zung ins Deut­sche ver­liert der Ti­tel et­was von sei­ner Herr­lich­keit. In Wo­chen­kur­sen wird Ur­tüm­lich­keit im Ein­klang mit den Ele­men­ten ein­ge­übt, bei­spiels­wei­se beim An­geln an der Nord­see, wo man sich von Selbst­ge­fan­ge­nem er­nährt; man nimmt ei­ne «Aus­zeit», um «bei sich an­zu­kom­men». An ei­ner an­de­ren Stel­le wird de­kla­riert: «Män­ner­se­mi­na­re ha­ben die Ab­sicht, Män­ner dar­in zu un­ter­stüt­zen, ei­ne rei­fe Männ­lich­keit zu ent­wi­ckeln, sich aus tra­dier­ten Rol­len­mus­tern von Männ­lich­keit zu be­frei­en.» Ir­gend­wo le­se ich den Satz: «Wenn Män­ner un­ter Män­nern sind, kön­nen sie sich sehr tief öff­nen.» Im­mer wie­der wird Be­zug ge­nom­men auf die vier «männ­li­chen Arche­ty­pen» «Kö­nig», «Lieb­ha­ber», «Krie­ger» und «Ma­gier», die auf den Jung’schen Psy­cho­lo­gen Ro­bert Moo­re zu­rück­ge­hen: Es gel­te, die ent­spre­chen­den Qua­li­tä­ten aus ih­rer Un­er­löst­heit zu be­frei­en und in Ba­lan­ce zu brin­gen.

Liegt das Pro­blem al­so nur an ei­ner Art kos­mi­scher Stö­rung? Hat der Fe­mi­nis­mus so fest am Bild des Man­nes ge­rüt­telt, dass des­sen We­sens­kern an ei­nen finstren, un­zu­gäng­li­chen Ort ge­rutscht ist? Von dem man ihn nur wie­der ans Licht brin­gen, aus dem Dun­keln fi­schen (An­geln an der Nord­see) muss? Ist, mit ei­nem Wort, Männ­lich­keit heil­bar? Ich ge­ste­he, ich ha­be schon fast je­den Aspekt mei­nes Da­seins in Zwei­fel ge­zo­gen, aber noch nie die Tat­sa­che, dass ich ein Mann bin. Ich mel­de mich bei dem­je­ni­gen An­bie­ter an, des­sen An­ge­bot mir am nüch­terns­ten vor­kommt.

In den zwei, drei Mo­na­ten vor Se­mi­n­ar­be­ginn er­hal­te ich ei­ne Rei­he von Mails zur Vor­be­rei­tung. Ich un­ter­schrei­be ei­ne Ei­gen­ver­ant­wort­lich­keits­er­klä­rung, wer­de auf­ge­for­dert, lan­ge Un­ter­ho­sen und ei­ne Müt­ze mit­zu­brin­gen, und fin­de mich bald in ei­ner Emp­fän­ger­grup­pe wie­der, die mit «Lie­be Män­ner» an­ge­re­det wird. Ein Selbst­test in Form ei­nes Fra­ge­bo­gens soll aus­ge­füllt wer­den, dar­in geht es um Qua­li­tä­ten, die den vier Arche­ty­pen zu­ge­ord­net sei­en. Zur Aus­wahl ste­hen et­wa die Ru­bri­ken: «Ich bin ein sinn­li­cher und ero­ti­scher Mann», «Ich glau­be, ich ha­be Füh­rungs­qua­li­tä­ten», «Mei­ne An­we­sen­heit ist häu­fig ein Ka­ta­ly­sa­tor für Ver­wand­lung und Ve­rän­de­rung». Ist Be­schei­den­heit nicht auch ei­ne männ­li­che Tu­gend? Über­haupt ei­ne mensch­li­che? Fehlt nur noch die Ka­te­go­rie: «Ich bin ein tol­ler Hecht».

Ich brin­ge es nicht fer­tig, den Test aus­zu­fül­len. Be­reits über­emp­find­lich ge­macht, stö­re ich mich auch an der Wort­kom­bi­na­ti­on vom «in­ne­ren Krie­ger»; war­um die­se An­bie­de­rung an un­se­ren an­ti­mar­tia­li­schen Zeit­geist? Und was soll das über­haupt sein, ein «in­ne­rer Krie­ger»? Je­mand, der ge­gen sich sel­ber ei­nen Kampf führt, Mann ge­gen Mann?

Das Se­mi­nar fin­det auf ei­nem idyl­lisch ge­le­ge­nen Bau­ern­hof im Schwei­zer Vor­ge­bir­ge statt, zum Über­nach­ten ste­hen Ti­pis und Jur­ten und aus­ran­gier­te Wohn­wa­gen zur Ver­fü­gung. Die Teil­neh­mer – kaum ein Dut­zend – rü­cken am Frei­tag­abend ein, ver­sam­meln sich erst ein­mal zum Es­sen. Al­le­samt sind es freund­li­che Män­ner zwi­schen 35 und 60, un­auf­dring­lich und oh­ne Al­pha-al­lü­ren. Die meis­ten wa­ren schon öf­ter an gleich­ar­ti­gen Ver­an­stal­tun­gen. Al­le brin­gen ih­re klei­ne­ren und grös­se­ren Le­bens­kri­sen mit, von de­nen sie auch frei­mü­tig spre­chen – im Wis­sen, dass man hier ist, um sich un­ge­schützt aus­tau­schen zu kön­nen. Dass ich Jour­na­list bin, wis­sen die an­de­ren. Dass ich ih­re pri­va­ten Ge­schich­ten nicht wei­ter­tra­ge, ver­steht sich von selbst. Wir un­ter­hal­ten uns über fa­mi­liä­re Wech­sel­fäl­le, Nah­rungs­mit­te­lun­ver­träg­lich­kei­ten, Be­ruf­li­ches.

Ist Männ­lich­keit über­haupt heil­bar? Ich ha­be je­den Aspekt mei­nes Da­seins in Zwei­fel ge­zo­gen, aber noch nie, dass ich ein Mann bin.

Der Kurs­lei­ter gibt ei­nen de­tail­lier­ten Ablauf des Wo­che­n­end­se­mi­nars aus. Die Auf­ga­ben fürs Früh­stücks­buf­fet wer­den ver­teilt. Schliess­lich die all­ge­mei­nen Re­geln: Wer sich zu Wort mel­den möch­te, tut das, in­dem er laut sei­nen ei­ge­nen Na­men aus­spricht, dar­auf sei­ne Er­klä­rung ab­gibt (die, wie im the­ra­peu­ti­schen Rah­men der ge­walt­frei­en Kom­mu­ni­ka­ti­on üb­lich, als Ich­bot­schaft ge­hal­ten sein soll, mit­hin kei­nen An­stoss er­re­gen kann), um dann die Aus­sa­ge mit ei­nem lau­ten «Hau!» (oder viel­leicht in­dia­nisch: «Howgh!») ab­zu­schlies­sen, was wie­der­um von den an­de­ren mit ei­nem Ant­wort-«hau!» quit­tiert wer­den soll. Ich neh­me das zur Kennt­nis.

Wir fin­den uns, vom Lei­ter in gleich­mäs­si­gem Ab­stand ver­teilt, um ein gros­ses La­ger­feu­er her­um­ste­hend wie­der. Wir er­hal­ten je ei­nen dün­nen Stock, an dem ein Stoff­band be­fes­tigt ist. Reih­um ruft je­der sei­nen Na­men und er­klärt, wo er ge­ra­de her­kommt, geo­gra­fisch oder psy­cho­lo­gisch (al­so et­wa: «aus dem Ap­pen­zell» oder «aus ei­ner ver­fah­re­nen Be­zie­hung») und schliesst wie­der mit «Hau!» ab; da­bei wer­den die Stö­cke ei­nen um den an­de­ren zu ei­nem Bün­del zu­sam­men­ge­macht und wei­ter­ge­reicht. «Das wars», murm­le ich, als ich fer­tig bin. Ich spü­re die Grup­pen­dy­na­mik, die ich bis­her nur als lee­re Wort­hül­se kann­te, als bei­na­he leib­li­ches Zer­ren ir­gend­wo an mir. Un­an­ge­nehm. Das Bün­del mit den Stö­cken wird ir­gend­wo ver­wahrt.

Zu zweit sol­len wir uns nun zu­sam­men­tun und be­spre­chen, wel­ches spe­zi­fi­sche Le­bens­the­ma wir in sym­bo­li­scher Form dem Feu­er über­ge­ben und ab­schlies­sen möch­ten. Ich su­che mir den Mann, der mir am sym­pa­thischs­ten ist. Zwei­mal sie­ben­ein­halb Mi­nu­ten ste­hen uns zur Ver­fü­gung für den Aus­tausch, in der Halb­zeit er­tönt ein «Hau!». Die Ge­schich­te mei­nes Kom­pa­gnons ist er­schüt­ternd. Wir stel­len uns wie­der ums Feu­er auf. Je­der hat ein Klei­dungs­stück mit­ge­bracht, das stell­ver­tre­tend für die ab­zu­schlies­sen­de Pha­se ver­brannt wer­den soll. Ich ha­be mei­nes ver­ges­sen und zie­he das Un­ter­hemd aus. Ei­ner nach dem an­dern tritt vor, um sei­nen Na­men zu ru­fen und zu er­klä­ren, auf wel­che Wei­se er sich von der Grup­pe Un­ter­stüt­zung er­hofft (et­wa durch ein Lied, ein Ge­bet oder ei­nen Ruf), und wirft sein Klei­dungs­stück ins Feu­er. Weil der Wind stän­dig dreht, müs­sen wir uns ein paar­mal ver­schie­ben, um nicht zu viel Rauch ab­zu­be­kom­men. Da­mit ist der ers­te Abend vor­über.

Ich fra­ge mich – und ein­mal auch den Kurs­lei­ter, oh­ne aber dar­auf ei­ne ein­deu­ti­ge Ant­wort zu er­hal­ten –, ob die­se Ze­re­mo­ni­en, das blin­de Ge­führt­wer­den zum Kult­platz, die ri­tu­el­le Klei­der­ver­bren­nung und was im­mer noch fol­gen mag, ei­ne Art In­dia­ner­ma­gie dar­stel­len sol­len. Oder ba­siert der Zau­ber schlicht auf der Über­ein­kunft der Be­tei­lig­ten, ist al­so (im po­si­ti­ven Sin­ne) so wirk­lich wie die Fan­ta­sie des Kin­des beim Spie­len? Was auch im­mer da­hin­ter­steckt, mich wun­dert, war­um sich nie­mand dar­an zu stos­sen scheint; es sind hier doch al­les of­fen­bar prak­tisch den­ken­de Män­ner ver­sam­melt, In­ge­nieu­re, Ge­schäfts­leu­te, Klein­un­ter­neh­mer. War­um neh­men sie die Ver­suchs­stel­lung ein­fach hin? Reicht al­lein der Ein­tritt in die Ge­mein­schaft Gleich­ge­sinn­ter aus, um das, was hier ge­schieht, zu ei­ner ak­zep­ta­blen Wirk­lich­keit zu ma­chen?

Am nächs­ten Vor­mit­tag geht es ge­mäss Pro­gramm ans Auf­stel­len der Schwitz­hüt­te. Für den Bau­ern, der beim Auf­la­den des Ma­te­ri­als auf die Kipp­schau­fel des Trak­tors mit­hilft, wird ein «Hau!» ge­ru­fen. Auf der Mahd steht be­reits ein ig­lugros­ses Ske­lett aus sorg­fäl­tig ge­bo­ge­nen und zu­sam­men­ge­füg­ten Äs­ten. Wir fan­gen an mit Part­ner­übun­gen, klop­fen uns ge­gen­sei­tig zum Auf­wär­men die Schul­tern ab, stel­len uns Rü­cken an Rü­cken, neh­men ein­an­der ab­wech­selnd auf die Bu­ckel­wip­pe. Im Nie­sel­re­gen un­ter dem neu auf­ge­spann­ten Par­ty­zelt sol­len wir – wie­der zu zweit – er­ör­tern, wel­cher Be­griff un­ser ak­tu­el­les Be­fin­den am bes­ten trifft. Im Kreis her­um ruft je­der den Vor­na­men, nennt den Be­griff, schliesst mit «Hau!» ab. «Be­frem­det», sa­ge ich.

Wir bil­den ei­ne Men­schen­ket­te, rei­chen Holz­klo­ben wei­ter von ei­ner Schei­ter­beige zur Feu­er­stel­le, dann St­ein­bro­cken von ei­nem Hau­fen, rechts fas­sen, links wei­ter­rei­chen, hep und ho. Ob das schon ma­le bon­d­ing ist oder nur das Nütz­li­che mit dem Zweck­mäs­si­gen ver­bun­den wird, ist mir in­zwi­schen egal.

Nun stel­len wir uns in ei­ner ge­ra­den Rei­he vor dem Schwitz­hüt­tenske­lett auf, zu­erst Rich­tung Os­ten, brei­ten un­se­re Hän­de aus; in gra­vi­tä­ti­schen Wor­ten wird der Krie­ger an­ge­ru­fen, der in die­ser Him­mels­rich­tung zu Hau­se sein soll. Wir ver­schie­ben uns zum Kö­nig im Nor­den, zum Ma­gier im Wes­ten, zum Lieb­ha­ber im Sü­den, stets mit ei­ner wei­he­vol­len Be­schwö­rung. Ich spü­re schmerz­haft deut­lich, wo mein Scham­ge­fühl sitzt (in der Nä­he des So­lar­ple­xus). Je­der von uns er­hält zwei far­bi­ge Bän­del und wird ge­be­ten, die­se an der Schwitz­hüt­te fest­zu­kno­ten, wo­bei je­de Far­be wie­der ei­nem der «Arche­ty­pen» ent­spre­che.

Um die Schwitz­hüt­te her­um stel­len wir uns auf, um den Platz fest­zu­le­gen, an dem wir in der kom­men­den Nacht um das Feu­er sit­zen wer­den. Es wird er­klärt, mit wel­chen Warn­ru­fen je­weils fri­sche glü­hen­de St­ei­ne von draus­sen mit ei­ner Schau­fel durch die Tür­öff­nung her­ein­ge­bracht wer­den.

Wir ent­fer­nen Gras aus der Feu­er­stel­le, da­mit es nicht zu über­mäs­si­ger Rauch­ent­wick­lung kom­me, fin­den zwei di­cke Krö­ten vor, ent­fer­nen sie be­hut­sam. Wir be­fes­ti­gen Woll­de­cken an den Qu­er­ver­stre­bun­gen und um­hül­len die Schwitz­hüt­te in meh­re­ren Schich­ten, bis sie dicht ab­ge­schlos­sen ist, wer­fen ei­ne Plas­tik­bla­che dar­über, be­schwe­ren sie mit Stei­nen.

Wie­der ver­sam­meln wir uns un­ter dem Zelt. Es wird an­ge­kün­digt, wie der Tag wei­ter­geht. Wäh­rend ich den Wor­ten des Kurs­lei­ters lau­sche, stel­le ich mir vor, wie ich mit ent­blöss­tem Hin­ter­teil im Dun­keln stol­pernd über die Knie der im Kreis sit­zen­den Herr­schaf­ten zum Aus­gang der Schwitz­hüt­te rob­be und mich da­bei auf ei­nem frem­den Män­ner­hin­tern ab­stüt­ze.

Ich er­klä­re, dass ich nicht wei­ter­ma­chen wer­de, ver­ab­schie­de mich von den an­de­ren Teil­neh­mern und ma­che mich auf den Heim­weg. Vom Zug aus fällt mein Blick auf ein Pla­kat mit der Auf­schrift «Well­ness für Män­ner». Ein Bau­markt wird be­wor­ben.

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