Max Küng Lie­ber An­dré Blatt­mann

Das Magazin - - News - M A X K Ü N G ist Re­por­ter bei «Das Ma­ga­zin»; Il­lus­tra­ti­on SATOSHI HASHIMOTO

als ehe­ma­li­ger Chef der Ar­mee schrie­ben Sie im «Jahr­buch Mar­ke­ting 2018» (Ja­ma18), die Ar­mee müs­se sich bes­ser ver­kau­fen. Es ge­be drin­gend Nach­hol­be­darf, den Bür­gern die Wich­tig­keit des Mi­li­tärs (WDM) zu ver­deut­li­chen, dem­ent­spre­chend «müs­sen al­le Ka­nä­le und Mit­tel des Mar­ke­tings ge­nutzt wer­den».

Mein Leh­rer an der Rin­gier-jour­na­lis­ten­schu­le (Jou­schu), der gross­ar­ti­ge Mä­ni Is­ler, er gab uns da­mals mehr als ei­nen wei­sen Rat mit auf den stei­ni­gen und auch ab­schüs­si­gen Weg, ei­nen je­doch be­her­zig­te ich ganz be­son­ders: «Schrei­be nie­mals über die Kir­che, Hun­de oder das Mi­li­tär.» Als ich je­doch Ih­ren Weck­ruf las, juck­te es mich in den Fin­gern. «Die ar­me Ar­mee», dach­te ich, «nun ist es an der Zeit, dem Mi­li­tär et­was zu­rück­zu­ge­ben.» Der Ar­mee, der ich dien­te als Sol­dat der Spi­tal­schu­len 41 in Moudon (Spit S 41) ab 1988. Denn ich ha­be im Mi­li­tär vie­le Din­ge ge­lernt. Schu­he zu wich­sen et­wa, blind Pis­to­len zu zer­le­gen und wie­der zu­sam­men­zu­set­zen, Kreuz­ver­bän­de an­zu­le­gen und Sprit­zen zu set­zen – oder auch bei kri­tischs­ten Wind­ver­hält­nis­sen (kwv+++) ein­hän­dig ei­nen Jo­int zu bau­en.

Man sagt im­mer, die Zeit beim Mi­li­tär sei Ver­schwen­dung, aber das ist nicht wahr! Wir hat­ten ei­ne wich­ti­ge, in­ter­es­san­te, tol­le Zeit (witz). Wie gern er­in­ne­re ich mich dar­an, als ich auf den Waf­fen­platz in Moudon ein­rück­te. Ich kam mit lan­gen Haa­ren, denn ich fand, lan­ge Haa­re pass­ten bes­ser zu mei­ner Kurz­sich­tig­keit. Dies pass­te aber dem Kom­man­dan­ten nicht, er er­teil­te mir den Be­fehl, so­fort ins Dorf zu mar­schie­ren und dort zum Coif­feur zu ge­hen. Freu­dig emp­fing ich den Be­fehl, ging los. Ich weiss nicht, ob Sie je in Moudon wa­ren, auf je­den Fall gibt es dort vie­le Coif­feur­ge­schäf­te, und ich mag mich nicht mehr er­in­nern, ob ich den Sa­lon «Cé­ci­lia», «Ma­ry­lou» oder «Mor­ga­ne» auf­such­te, viel­leicht war ich auch beim Coif­feur Pier­re Schu­rig, je­den­falls kam ich ein paar St­un­den spä­ter wie­der zu­rück in die Ka­ser­ne, die Haa­re so lang wie zu­vor. «Aha», sag­te der Kom­man­dant, «Be­fehls­ver­wei­ge­rung!» – «Mo­ment», sag­te ich, «Sie sag­ten, ich sol­le zum Coif­feur, sie er­wähn­ten nichts von Haa­re­schnei­den. Der Be­fehl lau­te­te ‹zum Coif­feur›. Dort war ich, schau­en Sie.» Ich zeig­te ihm ei­ne Tube Sty­ling­gel der Mar­ke Schwarz­kopf (SGS), die ich im Dorf ge­kauft hat­te. Al­so er­hielt ich den nun prä­zi­sier­ten Be­fehl, zum Coif­feur zu ge­hen UND die Haa­re zu schnei­den. Als ich St­un­den spä­ter wie­der mit lan­gen Haa­ren vor dem Kom­man­dan­ten stand, da froh­lock­te er er­neut: «Be­fehls­ver­wei­ge­rung!» Ich er­wi­der­te: «Sie sag­ten nicht, wel­che Haa­re.» Und so ging die Haar-spal­te­rei (Has­pa) wei­ter, es war herr­lich, und ich den­ke, dass so­wohl ich wie auch der Herr Kom­man­dant et­was ge­lernt hat­ten da­bei. (Die Sa­che üb­ri­gens en­de­te dann spä­ter in Bern vor dem Di­vi­si­ons­ge­richt 10B, mit ei­nem Frei­spruch für mich, aber das ist wie­der ei­ne an­de­re Ge­schich­te.)

Ich wür­de al­so gern Wer­bung und Mar­ke­ting (WUM) für die Ar­mee ma­chen, denn wenn ich so nach­den­ke, so wä­re Hil­fe von aus­sen (Hva) durch­aus an­ge­bracht. Die Ar­mee mach­te ja nicht im­mer Wer­bung in ei­ge­ner Sa­che, auch zu Ih­rer Zeit nicht. Sie ka­men da­mals als Chef der Ar­mee (CDA) zum Zu­ge, da Ihr Vor­gän­ger und da­ma­li­ger Vor­ge­setz­ter Ro­land Nef zu­rück­tre­ten muss­te we­gen se­xu­el­ler Grü­se­lei­en (Sex­grü) und Stal­king sei­ner Ex (Stex). Und Sie ha­ben das Image der Ar­mee auch nicht eben auf­po­liert, als die nun wirk­lich gu­te Fern­seh­sen­dung «Rund­schau» kri­tisch über ein Ar­mee­ge­schäft be­rich­te­te, Sie in der Fol­ge den Mo­de­ra­tor San­dro Brotz als «San­dro Kotz» be­ti­tel­ten, zu­dem äus­ser­ten Sie den Wunsch, ei­nen dies­be­züg­li­chen Whist­leb­lo­wer (di­bew­hi­blo) ei­gen­hän­dig er­wür­gen zu wol­len oder so ähn­lich (eezwo­sä).

Es ist Zeit zu han­deln! Ei­ne ers­te Idee für ei­ne mas­si­ve Me­di­en­of­fen­si­ve (Me­off) kam mir eben in den Sinn: Die Ar­mee könn­te das po­si­ti­ve Um­feld der Street­pa­ra­de nut­zen, Le­der­stie­fel kom­men dort gut an, zu­dem pin­ke Pinz­gau­er (pi­pi) und Kon­fet­tik­a­no­nen (Konf­ka)! Et­was platt, zu­ge­ge­ben, aber so wird ein Mar­ke­ting­krieg heu­te eben ge­führt.

Es grüsst sa­lu­tie­rend und um­ge­kehrt, Ex-sol­dat Küng (Ex­so­kü)

PS Song zum The­ma: «Ein Swei March» von Re­na­to Ras­cel, zu fin­den auf dem Sound­track zur Tv-se­rie «Curb Your En­thu­si­asm». Al­ter­na­tiv geht auch «Kom­man­do (Re­mix)» von Front 242.

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