hans ul­rich obrist

Das Magazin - - News -

lernt von Studs Ter­kel

Bar­ba­ra Au­er, wel­cher Mensch ist für Sie zen­tral?

Mein Va­ter. Je äl­ter ich wer­de, des­to häu­fi­ger kommt er mir in den Sinn, ob­wohl er seit 37 Jah­ren tot ist. Er starb re­la­tiv jung, mit 53. Wir, sei­ne Kin­der, ha­ben ihn be­reits über­holt, so­gar mein klei­ner Bru­der wur­de ge­ra­de 53.

Wie den­ken Sie an Ih­ren Va­ter?

Er war lan­ge nicht prä­sent in mei­nem Le­ben, mit Mit­te vier­zig hat­te er ei­nen Herz­in­farkt und lag oft Mo­na­te im Spi­tal. Wenn er nach Hau­se kam, war er sehr ver­än­dert. In mei­ner Pu­ber­tät war er für mich nicht greif­bar, und ich warf ihm das vor: Ich dach­te, er macht das ex­tra, er si­mu­liert das Krank­sein.

War die Lü­cke dann durch sei­ne lan­ge Krank­heit et­was klei­ner?

Ich war tief ge­schockt, als er starb; da erst ka­pier­te ich, dass ich ihm nicht ge­glaubt hat­te. Be­reu­te, sei­ne Krank­heit nicht ernst ge­nom­men zu ha­ben. Ich war ei­ne Pa­pa-toch­ter, ihm ähn­lich, wir wa­ren sehr eng. Er­wach­sen ver­stand ich, wel­che Ängs­te er ge­habt ha­ben muss – um sich, aber auch um uns.

Ma­chen Sie sich Vor­wür­fe?

Mir tat es sehr leid, das nicht wie­der­gut­ma­chen zu kön­nen. Ei­ne Zeit lang war ich auch trau­rig, dass er mich nie als Schau­spie­le­rin ge­se­hen hat. Ei­ni­ge To­te schei­nen noch ei­ne Wei­le um uns zu sein, mein Va­ter da­ge­gen war weg – aber nun be­geg­net er mir in der Er­in­ne­rung wie­der. Da­für bin ich dank­bar, da hat die Zeit et­was Ver­söhn­li­ches.

Bar­ba­ra Au­er ist ei­ne der be­kann­tes­ten deut­schen Schau­spie­le­rin­nen; ab 7. Ju­ni ist sie im Ki­no­film «Va­ku­um» in der Haupt­rol­le zu se­hen.

GESPRÄCHANUSCHKA ROSHANI

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.