ZÜ­RICH

Das Magazin - - Blick Von Aus Sen -

Stun­den­lang sass ich ein­fach da und sah zu, wie die Son­ne über die Land­schaft strich. Pas­sie­ren kann viel. Ziel ist, die Zuf­rie­den­heit zu zer­schla­gen, ist die Ab­sur­di­tät im Ge­gen­satz von vor­her und nach­her, ge­nau sie ist das Ziel. Es kann in ei­ner Ein­kaufs­pas­sa­ge pas­sie­ren, ei­nem Ca­fé, auf ei­nem öf­fent­li­chen Platz. Es kann in ei­nem Re­stau­rant oder bei ei­nem Kon­zert pas­sie­ren, an Or­ten, an de­nen Men­schen sich tref­fen und sich freu­en. Mich ver­folgt be­son­ders die harm­lo­se For­mu­lie­rung, die ich in ei­nem Zei­tungs­be­richt las – «in be­son­ders bei west­li­chen Be­su­chern be­lieb­ten Ho­tels» –, denn das sind die be­vor­zug­ten Zie­le, und das sind die Or­te, an de­nen ich Zeit ver­brin­ge und mei­ner Ar­beit nach­ge­he. (Die­se Zei­len schrei­be ich in ei­nem wei­te­ren Ho­tel in ei­ner wei­te­ren Stadt.) Da­bei ge­schieht an Or­ten, wo ich nicht le­be, in an­de­ren Städ­ten, in ent­le­ge­nen Grenz­ge­bie­ten, auf Far­men das Glei­che, und es ge­schieht eben­so plötz­lich, eben­so schmerz­lich, nur we­ni­ger me­di­en­wirk­sam. Ei­nes weiss ich: Den lei­den­schaft­li­chen Er­klä­run­gen der neu­en Black-po­wer-be­we­gung setz­te Mar­tin Lu­ther King Jr. 1969 bei ei­ner Ver­samm­lung in Mis­sis­sip­pi ent­ge­gen: «Ich bin die vie­le Ge­walt so leid. Ich bin den Viet­nam­krieg leid. Ich bin die Krie­ge und Kon­flik­te der Welt leid. Ich bin die Ku­geln leid. Ich bin den Hass leid. Ich bin den Ego­is­mus leid. Ich bin das Übel leid. Ich wer­de kei­ne Ge­walt an­wen­den, ganz gleich, wer sie for­dert!» Stun­den­lang sass ich ein­fach da in ei­nem der be­son­ders bei Be­su­chern aus dem Wes­ten so be­lieb­ten Ho­tels und be­ob­ach­te­te, was Roe­th­ke als «Schat­ten schwär­zer» ent­ge­gen­kam.

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