Wie ich die Schweiz se­he. An­sich­ten in Text und Bild. Von Te­ju Co­le

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Stel­len wir uns vor, ei­ner sä­he plötz­lich nichts mehr, wä­re blind für ei­ne Wei­le, und dann, ei­nes Ta­ges, kehr­te sein Au­gen­licht zu­rück – wür­de er dann an­ders se­hen? Nur schon aus Dank­bar­keit die Din­ge be­mer­ken, die er vor sei­ner Er­blin­dung gar nicht be­ach­tet hat? Te­ju Co­le be­gann nach der kurz­zei­ti­gen Blind­heit ei­nes Au­ges mit sei­nem Pro­jekt «Blin­der Fleck». Es be­steht aus 150 Fo­to­gra­fi­en aus der gan­zen Welt, zu­meist un­spek­ta­ku­lä­re Mo­ti­ve, die Co­le den­noch ins Au­ge ge­sprun­gen sind und sei­ne Ge­dan­ken ins Rol­len ge­bracht ha­ben. Co­le, Jahrgang 1975, wuchs in La­gos auf und kam als Ju­gend­li­cher in die USA. Er ist Kunst­his­to­ri­ker und Fo­to­graf, spä­tes­tens seit der Ver­öf­fent­li­chung sei­nes Ro­mans «Open Ci­ty» gilt er als wich­ti­ger Schrift­stel­ler der Ge­gen­wart; ein Künst­ler, der als Au­tor und Fo­to­graf ein Bli­ck­öff­ner im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes ist. Die in die­sem Heft vor­ge­stell­ten Bil­der hat Co­le al­le in der Schweiz fo­to­gra­fiert, wo der Viel­rei­sen­de als Sti­pen­di­at des Li­te­ra­tur­hau­ses Zü­rich 2014 ein hal­bes Jahr ver­brach­te. Wer sich mit die­sen ein­zel­nen blin­den Fle­cken aus­ein­an­der­setzt, liest und schaut gleich­zei­tig, sieht und ver­senkt sich in ei­nen as­so­zia­ti­ven Text. Es sind die Wer­ke ei­nes «Ge­dan­ken­fla­neurs», wie Si­ri Hust­ve­dt Te­ju Co­le in ih­rem Vor­wort zu «Blin­der Fleck» nennt. Wir al­le kön­nen gar nicht an­ders, als über­all Sinn und Be­deu­tung zu se­hen, die selt­sams­ten Ge­dan­ken mit­ein­an­der zu ver­knüp­fen. Das ge­hört viel­leicht zum Wun­der des Auf-der-welt-seins. Dar­an er­in­nern uns Te­ju Co­les Ar­bei­ten.

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