kat­ja Frühüber So­zi­al­de­tek­ti­ve

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Ich bin So­zi­al­de­tek­tiv. Wie es da­zu ge­kom­men ist, weiss ich selbst nicht ge­nau, war aber gar nicht schwer, und es ist ein krass tol­ler Be­ruf. Ich ha­be auch rich­tig Er­folg dar­in, denn ich ha­be ei­ne gu­te Na­se für Ver­sa­ger. Be­vor ich die­sen Job be­kam, hielt ich mich selbst für ei­nen. Aber jetzt bin ich wie­der wer.

Ich weiss ge­nau, in wel­chen Vier­teln un­se­rer Stadt es den Leu­ten nicht zum Le­ben reicht, äh, al­so ich mei­ne, wo die Be­trü­ger ho­cken. Nicht, dass man es ih­nen im­mer an­se­hen wür­de,

aber mit den neu­en Me­tho­den GPS und Droh­nen etc. kann man ih­nen ja di­rekt in die Woh­nung gu­cken, und dann merkt man es schnell. In den letz­ten Wo­chen hat­te ich drei Be­trü­ger im Vi­sier, das ist ei­ne ziem­lich gu­te Bi­lanz. Be­wei­sen kann ich noch nichts, aber die Sa­che ist klar. Die­se al­te Frau, die kaum mehr ge­hen kann und meist nur im Mor­gen­man­tel Fern­se­hen schaut, schlurft im­mer so um die glei­che Zeit, ge­gen Abend, mit ih­rem Rol­la­tor in die Kü­che und holt sich dort ein Glas Cham­pa­gner. Cham­pa­gner, nicht Pro­sec­co, das ha­ben die Droh­nen­bil­der deut­lich ge­zeigt. Ich bit­te Sie, wo­mit be­zahlt die denn das? Mit ih­ren Zu­satz­leis­tun­gen? Wo sind wir denn da? So schön hät­te ich es auch mal gern! Der an­de­re Fall ist ein Mann, der von der IV lebt. Hat so ei­ne Krank­heit, mul­ti­pel ir­gend­was. Den ha­be ich er­wischt, wie er sei­nem Nach­barn beim Um­zie­hen hilft. Wie ein Mö­bel­pa­cker. Der kann al­so ar­bei­ten, macht sich aber ei­nen schö­nen Lenz. Die Ver­si­che­rung hat mir zwar er­klärt, dass die­se Krank­heit in Schü­ben ver­läuft, aber ich fin­de, zwi­schen den Schü­ben könn­te der durch­aus was tun. Ich darf zwar nicht be­stim­men, wer am Schluss für schul­dig er­klärt wird, aber Ein­fluss ha­be ich schon, den­ke ich. Je­den­falls ver­las­sen sie sich auf mei­ne Be­ob­ach­tungs­ga­be. Das gibt ei­nem ganz schön Be­stä­ti­gung. Der drit­te Fall ist ei­ne jun­ge Frau, der ei­gent­lich gar nichts fehlt. Ich ha­be sie jetzt im­mer wie­der, zu al­len mög­li­chen Zei­ten, in ih­rem un­auf­ge­räum­ten Schlaf­zim­mer auf­ge­nom­men. Sie liegt im Bett und starrt an die De­cke. Wie wärs mal mit auf­ste­hen, jun­ge La­dy? Sie hat wohl ei­ne De­pres­si­on, aber die hät­te ich auch, wenn ich im­mer an die De­cke star­ren wür­de. Soll sich mal ein biss­chen zu­sam­men­reis­sen. Sie ma­chen sich ja kei­ne Vor­stel­lung, was die Leu­te al­les tun, auf Staats­kos­ten. Als es mir noch schlech­ter ging, war ich ja nah dran, mir et­was in die­ser Art zu über­le­gen, aber Gott sei Dank hab ich es nicht ge­tan, denn um So­zi­al­de­tek­tiv zu wer­den, brauchst du nichts als ei­nen sau­be­ren Straf­rechts­aus­zug. Voll geil, wirk­lich.

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