ben moore­über Elon Musks Mars­mis­si­on

Das Magazin - - News - Ben Moor e BEN MOOR E ist Pro­fes­sor für Astro­phy­sik an der Uni­ver­si­tät Zü­rich.

Man muss ihn ein­fach lie­ben, die­sen Ma­gier, der mit ei­nem ein­zi­gen Tweet die Nerds und Geeks die­ser Welt in Er­re­gung ver­set­zen kann. Wie auch könn­te man ei­nen Kerl nicht lie­ben, der sein ei­ge­nes Au­to ins All schiesst, ein­fach nur, weil er es kann? Als Nächs­tes ist der Mars dran, sagt Elon und be­haup­tet, dass er in­ner­halb ei­nes Jahr­zehnts Men­schen auf den ro­ten Pla­ne­ten brin­gen und dort in den nächs­ten zwan­zig Jah­ren Ho­tels er­rich­ten und ei­ne Ko­lo­nie auf­bau­en wird. Es gibt be­mer­kens­wer­ter­wei­se vie­le Frei­wil­li­ge, die sich in sei­ne Mars­ra­ke­te set­zen wür­den – auch oh­ne Rück­rei­se­ti­cket.

Sind die be­scheu­ert? Das Le­ben auf dem Mars wä­re mi­se­ra­bel. Es gibt dort we­der an­stän­di­ge Bars noch ei­ne In­ter­net­ver­bin­dung. So­gar Elon selbst hat ge­sagt, er wol­le da nicht hin. Aber da­von ab­ge­se­hen: Ist es wirk­lich mach­bar, oder die­nen all die­se An­kün­di­gun­gen nur da­zu, Elons Ego auf­zu­bla­sen? Er muss sich ja in­zwi­schen so ei­ni­ges ein­fal­len las­sen, um sei­ne In­ves­to­ren bei der Stan­ge zu hal­ten. Die ma­chen sich näm­lich lang­sam Sor­gen um Elons ei­gent­li­chen Brot­ver­dienst: Au­tos bau­en. An der Bör­se wird zur­zeit mit elf Mil­li­ar­den Us-dol­lar dar­auf ge­wet­tet, dass die Tes­la-ak­tie ab­stürzt.

So­sehr ich mich dar­über freu­en wür­de, wenn Elon es zum Mars schafft – mei­ner Mei­nung nach wird das nicht pas­sie­ren. Je­der ein­zel­ne Aspekt die­ser Rei­se muss erst noch ent­wi­ckelt wer­den – von den Le­bens­er­hal­tungs­und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­men über die Ra­ke­ten bis hin zu den Lan­de­mo­du­len. Elon hat mit Spacex die Kos­ten, um ei­nen Sa­tel­li­ten ins All zu schi­cken, hal­biert, und das ist ei­ne tol­le Leis­tung. Aber ei­nen Sa­tel­li­ten in über 200 Ki­lo­me­ter Hö­he zu schies­sen, ist nicht wirk­lich schwie­rig – so­gar Nordkorea kann das. Die Rei­se zum Mars hin­ge­gen, der über 50 Mil­lio­nen Ki­lo­me­ter ent­fernt ist, dau­ert mehr als ein hal­bes Jahr. Es war schon schwie­rig ge­nug, zum Mond zu flie­gen, und da­hin braucht man nur ein paar Ta­ge. Das Apol­lo-pro­gramm hat­te 400000 An­ge­stell­te und wur­de von 20000 Firmen und Uni­ver­si­tä­ten un­ter­stützt. Elon be­haup­tet, er kön­ne das al­lein viel bes­ser. Spacex hat 7000 An­ge­stell­te. Und mit sei­nen mick­ri­gen 20 Mil­li­ar­den könn­te es sich Elon nicht ein­mal leis­ten, Men­schen auf den Mond zu brin­gen. Auf die heu­ti­gen Ver­hält­nis­se hoch­ge­rech­net, kos­te­te das Apol­lo-pro­gramm rund 100 Mil­li­ar­den Us-dol­lar. Um es zum Mars zu schaf­fen, müss­te man die Bud­gets von NA­SA, ESA und al­len an­de­ren Raum­fahrt­pro­gram­men zu­sam­men­le­gen.

Ich bin da­für, dass Men­schen zum Mars flie­gen – und gern noch viel wei­ter. Na­tür­lich gibt es hier auf der Er­de ge­nug Pro­ble­me, um die man sich küm­mern soll­te, und vie­le sind der Mei­nung, dass man die Mar­se­r­kun­dung des­halb auf Eis le­gen soll­te. Aber war­um nicht bei­des gleich­zei­tig in An­griff neh­men? Wür­den wir nicht ei­nen gros­sen Teil der welt­wei­ten Staats­bud­gets für Krie­ge ein­set­zen, könn­ten wir es uns lo­cker leis­ten, die Tech­no­lo­gie für ei­nen Flug zum Mars zu ent­wi­ckeln. Das Mi­li­tär und sei­ne fa­ta­len Fol­gen kos­ten uns jähr­lich über 10 Bil­lio­nen Us-dol­lar. In Frie­dens­pro­gram­me und Raum­fahrt zu­sam­men­ge­nom­men wird we­ni­ger als ein Pro­zent die­ses be­schä­men­den Be­trags in­ves­tiert. Ich glau­be und hof­fe, dass ei­nes Ta­ges Men­schen den Mars be­tre­ten wer­den, aber an­ge­sichts die­ser Zah­len bin ich we­nig zu­ver­sicht­lich, dass dies wäh­rend mei­nes – oder Elons – Le­bens pas­sie­ren wird.

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