Chris­ti­an sei­ler über ein an­stän­di­ges Früh­stück

Das Magazin - - News - CHR ISTI A N SEI­LER ist Re­por­ter bei «Das Ma­ga­zin»; Bild JEA N GR A IS SE CHRIS­TI­AN SEI­LER

Men­schen un­ter­schei­den sich durch ihr Ge­schlecht, durch ihr Al­ter, durch ih­ren Kör­per­bau. Man­che sind gross und dick, man­che klein und dünn, aus­ser­dem un­ter­schei­den sie sich durch spe­zi­fi­sche Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, Her­kunft, durch po­li­ti­sche Über­zeu­gun­gen, vor al­lem aber da­durch, dass man­che früh­stü­cken und an­de­re nicht.

Die ei­nen be­trach­ten fas­sungs­los die an­de­ren, wie sie viel­leicht, wenn über­haupt, ei­ne Tas­se schwar­zen Kaf­fee hin­un­ter­kip­pen und sich dann in den neu­en Tag stür­zen, wäh­rend die ei­nen da­vor et­was zu beis­sen brau­chen, Ho­nig­bro­te, Schin­k­en­sem­meln, Spie­gel­ei­er, ei­nen Li­ter Tee, was die an­de­ren, die mit dem schwar­zen Kaf­fee, bass er­staunt: «Wie kann man», rät­seln sie, «um die­se Zeit so viel es­sen? Ich kann nicht ein­mal spre­chen…»

Ich selbst bin ein no­to­ri­scher Frühstücker. Wenn ich nicht bald nach dem Auf­ste­hen et­was zu es­sen be­kom­me, fal­le ich in Ago­nie oder nei­ge zur Bös­ar­tig­keit. Am liebs­ten früh­stü­cke ich et­was War­mes, und viel­leicht be­hal­te ich die Ta­ge, die ich zu­letzt im Ho­tel Me­tro­po­le in Ha­noi ver­brach­te, auch des­halb so leb­haft in Er­in­ne­rung, weil es zum Früh­stück ei­ne heis­se Pho’’ gab, ei­ne ge­halt­vol­le, sen­si­bel ge­schärf­te Hüh­ner­sup­pe mit So­ja­spros­sen, Nu­deln und hauch­dünn ge­schnit­te­nem Rind­fleisch, das in der Sup­pe ge­gart wur­de. Die Pho’’ ka­ta­pul­tier­te mich re­gel­recht in den Tag, und ich wür­de die­ses Ge­richt be­stimmt täg­lich zum Früh­stück neh­men, wenn es mir ein Kell­ner im weis­sen Smo­king lä­chelnd ser­vier­te.

Aber auch an Or­ten, wo zum Früh­stück eher kei­ne Hüh­ner­sup­pen ser­viert wer­den, ho­le ich mir et­was zu es­sen. In klei­nen ita­lie­ni­schen Es­press­o­bars neh­me ich zum Cap­puc­ci­no, der sei­ner­seits in Sup­pen­grös­se da­her­kommt, das ob­li­ga­te cor­net­to al­la mar­mel­la­ta, an dem es zwar nicht viel zu beis­sen gibt, des­sen Nähr­wert je­doch wie ei­ne Infu­si­on in den Kreis­lauf schiesst. Manch­mal, wenn ich bei Freun­den zu Gast bin, de­nen am Früh­stü­cken nichts liegt, tue ich so, als ob ich auch nichts zu es­sen bräuch­te, stür­ze aber gleich nach Ver­las­sen des Hau­ses zum nächs­ten Im­biss, um mei­nen knur­ren­den Ma­gen zu be­sänf­ti­gen, egal wo­mit, Haupt­sa­che ge­nug.

Re­den wir je­doch vom Ide­al­fall, vom Früh­stück zu Hau­se. Die­ses ist, wohl­ge­merkt, kein Brunch, je­ne miss­ver­ständ­li­che Mahl­zeit, die vor al­lem am Wo­che­n­en­de ei­ne Ein­tritts­kar­te in die Völ­le­rei mit gleich­zei­ti­gem Al­ko­hol­miss­brauch dar­stellt. Das idea­le Früh­stück zu Hau­se ist über­sicht­lich, hat aber auf je­den Fall ei­nen war­men Be­stand­teil – et­was, was viel­leicht nicht höchs­ten äs­the­ti­schen An­sprü­chen ge­nügt, da­für in­ner­lich wärmt und Ener­gie ein­schies­sen lässt. Spre­chen wir es al­so aus: Brei, von Früh­stücks­geg­nern auch de­spek­tier­lich Nähr­schlamm ge­nannt.

Das ist mein Plä­doy­er für den Brei. Er be­steht in der Re­gel aus 100 g über Nacht ein­ge­weich­ten Ha­fer­flo­cken, die in der Früh mit 100 ml Milch, ei­nem samt der Scha­le ge­rie­be­nen Ap­fel, Nüs­sen und Ro­si­nen ge­wärmt wer­den. Ob der fer­ti­ge Brei nun Por­ridge heisst oder war­mes Ap­fel-ha­ferMües­li, ist mir ei­gent­lich egal – was ich da in ein paar Mi­nu­ten an­ge­rührt ha­be, schmeckt und macht gu­te Lau­ne, es ist so­zu­sa­gen die Grund­mi­schung für das war­me, ver­träg­li­che und selbst­ver­ständ­lich im Sit­zen ge­nos­se­ne Früh­stück. Je­der Er­näh­rungs­be­ra­ter, selbst mit Tcm-hin­ter­grund, nickt freund­lich und hebt den Dau­men, well do­ne, folks.

Aber auch der bes­te Brei braucht Al­ter­na­ti­ven, da­für bie­ten sich zum Bei­spiel Po­len­ta und Cous­cous an.

Süs­se Po­len­ta zum Bei­spiel ist schlicht und er­grei­fend köst­lich, braucht al­ler­dings ein biss­chen, bis sie so weit ist – ei­ne klei­ne, wenn auch lös­ba­re An­for­de­rung an die früh­mor­gend­li­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­ga­be. 125 ml Ko­kos­milch mit 375 ml Was­ser zum Ko­chen brin­gen, 125 g Po­len­ta, 2 EL Zu­cker und 10 g Ko­kos­flocken ein­rüh­ren und kurz auf­ko­chen las­sen, dann vom Herd zie­hen und 20 Mi­nu­ten qu­el­len las­sen. Ei­nen Stich But­ter ein­rüh­ren, Po­len­ta mit ver­schie­de­nen Bee­ren und Pfef­fer­min­ze gar­nie­ren.

Cous­cous geht so­gar noch schnel­ler. 125 ml Milch (er­satz­wei­se Reis- oder Ko­kos­milch) mit 125 ml Was­ser auf­ko­chen und über 100 g Cous­cous gies­sen. 5 bis 10 Mi­nu­ten qu­el­len las­sen. Wäh­rend­des­sen ei­nen Ap­fel schä­len, in Stü­cke schnei­den und mit et­was Zu­cker und Zimt an­düns­ten. Mit dem fer­ti­gen Cous­cous ver­mi­schen. Zum Süs­sen ei­ne klei­ne Hand­voll Ro­si­nen da­zu­ge­ben.

Was es zum war­men Früh­stück zu trin­ken gibt, wä­re Ge­gen­stand wei­te­rer Er­kun­dun­gen. Men­schen un­ter­schei­den sich schliess­lich auch durch ih­re Vor­lie­be für Tee oder Kaf­fee.

Am Früh­stück schei­den sich die Geis­ter: Die ei­nen be­grei­fen nicht, was ei­ne Mahl­zeit um die­se Ta­ges­zeit zu su­chen hat – für die an­de­ren ist sie le­bens­not­wen­dig.

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