HANS UL­RICH obrist löst al­le Pro­ble­me

Das Magazin - - News - HANS UL­RICH OBRIST HANS UL­RICH OBRIST ist künst­le­ri­scher Di­rek­tor der Ser­pen­ti­ne Gal­le­ries in Lon­don.

«42» ist in Dou­glas Adams’ Sci­ence­fic­tion-sa­ti­re «Per An­hal­ter durch die Ga­la­xis» die Ant­wort auf die Fra­ge «nach dem Le­ben, dem Uni­ver­sum und dem gan­zen Rest». Nicht ganz so vie­le, aber doch ei­ni­ge Pro­ble­me will die nach Adams’ Buch be­nann­te Pro­gram­mier­uni­ver­si­tät 42 lö­sen. Vor fünf Jah­ren hat sie der fran­zö­si­sche Un­ter­neh­mer Xa­vier Niel in Pa­ris er­öff­net, um et­was ge­gen den Man­gel an It-fach­kräf­ten zu tun. Er fi­nan­ziert sie kom­plett aus sei­nem Pri­vat­ver­mö­gen.

Die Schu­le ist kos­ten­los und of­fen für je­den, der un­ter dreis­sig ist. Man be­wirbt sich, in­dem man on­li­ne ei­ni­ge Test­fra­gen löst und so­dann als ei­ner von drei­tau­send Aspi­ran­ten zu ei­nem vier­wö­chi­gen Boot­camp auf den Cam­pus ein­ge­la­den wird. Das bes­te Drit­tel der Be­wer­ber wird so­dann als Stu­dent auf­ge­nom­men. Ein­zi­ge Stu­di­en­vor­aus­set­zung ist die Fä­hig­keit, Pro­ble­me zu lö­sen. Ob und wo man zur Schu­le ge­gan­gen ist und selbst ob man ei­nen Com­pu­ter be­die­nen kann, spielt kei­ne Rol­le.

Das führt zu dem ge­wünsch­ten Ef­fekt, dass hier auch Men­schen stu­die­ren, die nie­mals auf ei­ne Uni­ver­si­tät gin­gen, weil ih­nen Geld oder Ab­schlüs­se feh­len. Mei­ne Kol­le­gin Ya­na Peel von den Ser­pen­ti­ne Gal­le­ries und ich ha­ben die Schu­le be­sucht, weil sie die Bo­tin zwei­er Ent­wick­lun­gen ist, die auch für uns als Aus­stel­lungs­ma­cher es­sen­zi­ell wich­tig sind: der Ma­gne­tis­mus des of­fe­nen Zu­gangs, sei es zu Aus­bil­dungs- wie zu Aus­stel­lungs­häu­sern; und der Ma­gne­tis­mus der Tech­no­lo­gie, die nicht nur Po­li­tik und Ge­sell­schaft, son­dern selbst­ver­ständ­lich auch die Kunst ver­än­dert. Aber wie ge­nau? Um das her­aus­zu­fin­den, se­he ich mir Or­te wie 42 an.

Ich ha­be dort ei­nen jun­gen Ka­li­for­ni­er ge­trof­fen, der sich die Stu­di­en­ge­büh­ren in sei­ner Hei­mat nicht leis­ten konn­te und dar­um nach Pa­ris kam – in­zwi­schen gibt es auch ei­ne Dé­pen­dance von 42 bei San Fran­cis­co. Wer kei­ne Woh­nung hat, kann im schul­ei­ge­nen Schlaf­saal über­nach­ten, wo sie bis tief in die Nacht an den Pro­gram­mier­auf­ga­ben ar­bei­ten. Leh­rer gibt es auch nicht, nur ein Auf­sichts­team. Die Lö­sun­gen müs­sen die Stu­die­ren­den sel­ber fin­den, al­lein oder ge­mein­sam, be­vor sie die nächs­te, noch schwie­ri­ge­re Auf­ga­be ge­stellt be­kom­men. In die­ser Schu­le ist wirk­lich al­les an­ders; be­stimmt ist nicht al­les bes­ser, aber dass ein jun­ger Mensch aus der Ban­lieue, der kei­ne Chan­ce hat, ei­ne Gran­de Éco­le zu be­su­chen, nach der Schu­le mit dem Ge­halt ei­nes Hoch­schul­pro­fes­sors in die Wirt­schaft wech­seln kann, das ist in der fran­zö­si­schen Klas­sen­ge­sell­schaft oh­ne Fra­ge ein ziem­li­cher Fort­schritt.

An der Uni­ver­si­tät der Zu­kunft sind zwei Zah­len be­son­ders be­deu­tend: die 42 und die 0. Nach der ers­ten Zahl ist die Uni be­nannt, die zwei­te be­zif­fert die Stu­di­en­ge­büh­ren.

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